Dem Ungeborenen eine Stimme geben

Interview mit Anna Groß-Alpers, Autorin des Kinder- und Elternbuchs: "Wie war es in Mamas Bauch?"

Anna Groß-Alpers - unterstützt Menschen bei der Verarbeitung ihrer vorgeburtlichen Lebenszeit
Anna Groß-Alpers

fuerkinder: Wie sind Sie darauf gekommen, ein Kinderbuch zum Thema Vorgeburtliche Erfahrungen zu machen?

A. Groß-Alpers: Mit meinem Buch über das vorgeburtliche Erleben möchte ich dem ungeborenen Kind eine Stimme geben. Darüber hinaus ist es mir wichtig, dass Kinder, die sich noch erinnern, wie es in Mamas Bauch war, gehört und ernst genommen werden. Sie können ihren Eltern und anderen Erwachsenen eine Vorstellung davon geben, wie intensiv und bedeutsam das Leben im Mutterleib ist.

Äußerer Anlass war meine erste Schwangerschafts- und Geburtsbegleitung. Innerlich ist das Buch ein Resultat vieler Lebenserfahrungen: Aus meinen eigenen Schwangerschaften und Geburten resultierte die Frage, wieso Eltern auf das Kinderkriegen und -großziehen nicht vorbereitet werden.

Regressionsarbeit (hier: das Zurückgehen in eine frühere Lebensphase) war ein selbstverständlicher und nicht wegzudenkender Teil meiner Körperpsychotherapie-Ausbildung. In der Zeit hat die Beschäftigung mit meiner Lebensgeschichte vor, bei und nach der Geburt angefangen. Damit begann meine zunehmende Sensibilisierung für die früheste Phase unseres menschlichen Lebens.

Seit 1994 habe ich von meinen KlientInnen viel darüber gelernt. Als ich sah, was Menschen schon vor ihrer Geburt alles er- und überleben, reifte in mir der Wunsch, präventiv tätig zu werden. Da erschien es sehr stimmig, dass ich gefragt wurde, ob ich eine Schwangerschaft und Geburt begleiten wollte. Ich erlebte Klinik- und Hausgeburt im Vergleich. Das waren intensive emotionale Ereignisse. Ich kam Babys vor und während ihrer Geburt noch mal aus anderer Perspektive nahe.

geborgen im Mutterbauch Foto: Pukall/fuerkinder
Foto: Pukall/fuerkinder

Schriftlich festzuhalten, was ich erlebte, war für mich ein Weg, einen eigenen Ausdruck dafür zu finden. Ich war ergriffen, beflügelt, tief beeindruckt und aufgewühlt. Und ich wollte etwas machen mit diesen Erfahrungen, sie weitertragen. Also habe ich angefangen, SchülerInnen auf das Elternwerden vorzubereiten. Das war ja schon seit der Geburt meines 1. Kindes mein Wunsch. In dieser Zeit fing ich auch an, mich bei GreenBirth e.V. zu engagieren.

Es erscheint mir wichtig, werdende Eltern zu unterstützen, sie zu informieren und ihnen nahe zu bringen, dass Kinder vor ihrer Geburt schutzbedürftige Wesen sind, die intensiv er-leben und Kontakt brauchen. Menschen, die keinen Zugang zu dieser Zeit haben, weil sie sie möglicherweise verdrängen mussten, fehlt das Gespür für das Baby im Bauch der Mutter. Das hat besonders für GeburtshelferInnen, Eltern, ErzieherInnen Bedeutung und Konsequenzen.

Außerdem möchte ich Erwachsene daran erinnern, dass wir alle diese Zeit kennen und ein „inneres Kind“ haben, das darum weiß.

fuerkinder: Im Buch erzählen Sie als Großmutter den Kindern von der Zeit im Mutterbauch. Sind Sie privat auch Großmutter? Wenn ja, haben Sie Ihren Enkeln auch Geschichten zu diesem Thema erzählt?

Auf die Fragen der Kinder hören

A. Groß-Alpers: Ja, ich habe drei Enkel. Natürlich kennen sie diese Themen von mir und auch das Buch. Es war für mich sehr spannend, wie sie reagierten. Sie waren die ersten, die mir Hinweise gaben, was ich in meinem Text umformulieren, deutlicher machen oder noch einmal überprüfen sollte.

Beeindruckend ist für mich immer wieder die tiefe Verbundenheit, die die Kinder mit mir haben, deren Schwangerschaft und Geburten ich begleitet habe.

fuerkinder: Ab welchem Alter sind Kinder reif genug, sich auf dieses Thema einzulassen?

aufmerksam sein - Pukall/fuerKinder
Foto: Pukall/fuerKinder

A. Groß-Alpers: Das bringt jedes Kind selber zum Ausdruck, indem es Fragen stellt. Erwachsene tun gut daran, sehr aufmerksam hinzuhören, was genau das Kind beschäftigt und was es wissen will. Hier sind Bereitschaft und Wunsch der Erwachsenen gefragt, dem Kind zuzuhören und auf es einzugehen.

Kinder im allgemeinen und auch ungeborene Babys haben ein tiefes intuitives Wissen von dem, was sie erwartet. Das wird auch „biologisches Programm“ genannt. Sie bemerken Abweichungen davon sehr genau.

Bereits bei der Zeugung erlebt das Baby als geistiges Wesen, ob die Mama seine Einnistung mitbekommt und ob es willkommen geheißen wird. Bleibt es unbemerkt, führt das zu einer Reaktion, die sich später in einer Regressionsarbeit als Schmerz oder Trauer zeigen kann. Das Baby nimmt an, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Hier kann bereits der Grundstein für Selbstzweifel gelegt werden. Wenn dem kleinen Menschen, der als solcher noch kaum zu erkennen ist, kurz darauf Freude und Liebe entgegengebracht werden, sorgt das für einen heilsamen Ausgleich. Es ist wichtig zu wissen, dass das möglich ist und nicht jede einmalige Erfahrung sofort und nachhaltigen Schaden anrichtet.

Kinder erinnern sich an vorgeburtliche Erfahrungen

woher wir kommen - Anna Groß-Alpers
Illustration: Anna Groß-Alpers

fuerkinder: Glauben Sie, dass sich Kinder aufgrund Ihres Bilderbuches plötzlich an ihre vorgeburtlichen Erfahrungen erinnern?

A. Groß-Alpers: Das Wort „plötzlich“ finde ich schwierig in diesem Zusammenhang. Ich stelle mir vor, dass das Buch als Signal wirken kann: 'Ich, als Erwachsene, bin bereit, von dir, Kind, zu hören, wie es dir in Mamas Bauch ergangen ist.' Ohne Anspruch, dass jetzt etwas Bedeutungsvolles geschehen oder sichtbar werden soll. Das Erinnern wird sich vielleicht ganz leise zeigen. Das Kind könnte angeregt durch das Buch etwas zum Ausdruck bringen, was mit seiner Geschichte im Zusammenhang steht, etwas, was es vorher nicht geäußert hat oder was die Eltern nicht mit der Schwangerschaft in Zusammenhang gebracht haben.

Wenn ein Kind davon ausgeht, dass es im Bauch dunkel ist und folgert, dass das Baby dort Angst hat, so sagt es indirekt etwas über sein eigenes Erleben. Auch Zeichnungen können Hinweise geben. Bereits die Farbwahl kann Wohlbefinden oder Unbehagen ausdrücken. Erinnerungen können ganz nebenbei zum Ausdruck kommen. Für Eltern kann das sehr erstaunlich und faszinierend sein. Wie viele Details das Kind erzählt, hängt auch von seiner Sprachfähigkeit ab.

fuerkinder: Können das nicht auch sehr schmerzliche oder beängstigende Erinnerungen sein?

A. Groß-Alpers: Ja, das ist möglich. Und darum ist es mir wichtig, mit den Eltern achtsam umzugehen. Ich bemühe mich in dem Buch, alles zu vermeiden, was bei den Eltern Schuldgefühle auslösen oder verstärken könnte. Wir sind alle Menschen, und wir tun Dinge, die wir im Rückblick kritisch sehen. Werdende Eltern wollen das Beste für ihr Kind. Sie tun, was sie können. Wichtig ist, dass alles, was im Zusammenhang mit Zeugung, Schwangerschaft und Geburt geschehen ist, seinen Platz bekommt, offen und ehrlich damit umgegangen wird. Wir können Kinder nicht vor dem schützen, was sie sowieso wissen, weil sie es (mit)erlebt haben.

Es ist wichtig, dem Kind seine Gefühle zu lassen, es mit dem ernst zu nehmen, was es erzählt und seine Erfahrungen zu respektieren. Ich sage mal ein Beispiel: Ein Kind, das einige Zeit nach einer Fehlgeburt gezeugt wird, erlebt vielleicht, dass die Mutter traurig ist. Wenn das der werdenden Mutter bewusst ist, kann sie schon in der Schwangerschaft dem ungeborenen Kind erklären: „Meine Trauer hat nichts mit dir zu tun.“ Sofern das Kind nach seiner Geburt irgendwann die Trauer der Mutter anspricht, ist es gut, dem Kind seine Wahrnehmung zu bestätigen. Ja, Mama war traurig. Sie war traurig, weil vor dir ein Geschwisterkind nicht leben konnte. Ihre Trauer hatte mit dir nichts zu tun, und natürlich hast du sie gefühlt. So können Erklärungen gegeben und Fakten benannt werden. Und es ist gut, wenn das ungeborene Geschwisterkind seinen Platz in der Familie hat.

Erinnern und Verdrängen

ein Zwilling sein - Anna Groß-Alpers
Illustration: Anna Groß-Alpers

fuerkinder: Woher weiß man, was Babys fühlen? Zum Beispiel wenn sie einen Zwilling hatten, der aber für die Mutter unbemerkt schon früh gestorben war?

A. Groß-Alpers: Als Regressionstherapeutin kenne ich das Erleben ungeborener Kinder aus der Arbeit mit erwachsenen Menschen. Häufig erlebe ich das Leid von KlientInnen, die in der Frühschwangerschaft ihren Zwilling verloren haben.

Soweit ich weiß, beginnen 60 % aller Schwangerschaften mit Zwillingen. Es gibt also viele Erwachsene, die bewusst oder unbewusst diesen Verlust erlebt haben. Ihre Beziehungen können von dieser Erfahrung nachhaltig geprägt sein. Diese Erfahrungen von Therapeuten können im „Lehrbuch der Pränatalen Psychologie“ nachgelesen werden.

fuerkinder: Sie haben in ihrem Buch einige Übungen zum Mitmachen entwickelt. Wie ist ihre Erfahrung. Lassen sich Kinder darauf ein? Ab welchem Alter?

A. Groß-Alpers: Manche Kinder lieben es, sich mit den Bildern und Fragen zu beschäftigen, andere weniger oder gar nicht. Das ist eine Frage der persönlichen Vorliebe. Es spielt auch eine Rolle, ob im Moment Interesse an dem Thema vorhanden ist. Der Anstoß, sich damit zu befassen, muss vom Kind kommen. Wenn der Zeitpunkt nicht stimmt, wird es sich darauf nicht einlassen.

Von Bedeutung ist auch, wie offen die Eltern oder andere Erwachsene für das Thema sind. Haben die Eltern Angst, dass etwas auftaucht, woran sie sich ungern erinnern, hat das Auswirkungen auf das Verhalten des Kindes. Ähnlich wirken verdrängte Erfahrungen des Erwachsenen aus der eigenen Lebenszeit. Kinder spiegeln Eltern/Erwachsene sehr genau.

Wenn es der Mutter gut geht, entspannt sich das Kind

in Liebe wachsen - Anna Groß-Alpers
Illustration: Anna Groß-Alpers

fuerkinder: Wenn es darum geht Kinder mit ihren verdrängten Gefühlen auffangen zu können, reichen da immer die Eltern? Oder sollte bei extremen Themen lieber ein Therapeut hinzugezogen werden?

A. Groß-Alpers: Für den einen Menschen ist es ein „extremes Thema“, seinen Zwilling zu verlieren, für einen anderen weniger. Darum möchte ich lieber von  (extrem) aufwühlenden Gefühlszuständen sprechen. Diese können bei Kindern wie auch bei Eltern auftreten. Es ist sehr wichtig, dass Eltern ihre eigenen Grenzen erkennen und beachten. Wenn die Mutter Angst oder Schuldgefühle bekommt und in Stress gerät, dann ist sie überfordert und kann das Kind nicht auffangen. Sie hat mit sich zu tun und braucht vielleicht selber Unterstützung.

Immer wenn die Mutter etwas für sich tut, wird das Auswirkungen auf das Baby haben. Kurz gesagt: Wenn es der Mutter besser geht, entspannt sich das Kind.
Beispiel: Vor Jahren kam eine Frau mit einem 3 Wochen alten Säugling zu mir. Sie litt sehr darunter, dass ihr Partner während der Schwangerschaft angefangen hatte, fremd zu gehen. In der Sitzung brachen ihre Gefühle aus ihr heraus – laut und tränenreich. Was geschah? Das Baby in ihrem Arm entspannte sich und schlief ein. 

Ein Schreibaby signalisiert Unwohlsein. Mit seinem Weinen alarmiert es die Mutter. Wenn diese ihr Kind nicht beruhigen kann, weil sie die Ursache seines Schreins nicht herausfinden kann, wird sie durch unruhige Tage und schlaflose Nächte zunehmend gestresst sein. Das wirkt nun wiederum auf das Kind. So kann sich schnell ein Teufelskreis entwickeln. Sie sollte sich Hilfe holen. Ein Berater oder eine Therapeutin betrachtet das Geschehen mit Abstand und kann leichter Zusammenhänge sehen und aufdecken.

fuerkinder: Die Schwangerschaft ist für werdende Mütter oft eine Situation großer Unsicherheiten und Ängste. Einerseits können kompetente Informationen da hilfreich sein und Stress abbauen. Andererseits gibt es gerade in den letzten Jahren eine Fülle neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Gefährdungen des Embryos im Mutterleib durch äußere Einflüsse, von unterschiedlichsten Stress-Faktoren über das Rauchen, den Alkohol bis hin zu Auswirkungen der pränatalen Diagnostik. Informationen darüber – in einschlägigen Beratungsbüchern oft widersprüchlich dargestellt – können die Unsicherheiten und Ängste verstärken. Wie sollten die werdenden Mütter/Eltern mit diesen Informationen umgehen. Wo können sie sich die nötige Kompetenz und Gelassenheit holen?

A. Groß-Alpers: Bei GreenBirth sind wir intensiv damit beschäftigt, wie wir junge Frauen, werdende Mütter und Väter erreichen und vor allem stärken können. Heute gehen 98 % aller Frauen zur Geburt ins Krankenhaus. Und danach gibt es viel zu erzählen von Geburtseinleitung, Wehenschwäche, Schmerzmitteln, PDA, Dammschnitt, Kaiserschnitt und von überlastetem Betreuungspersonal. So ist in der Gesellschaft das Bild entstanden, dass Geburt etwas Gefährliches und äußerst Schmerzhaftes ist.

75 – 80 % der Frauen erhalten heute die Diagnose „risikoschwanger“ - ein Systemfehler

im Gespräch - Anna Groß-Alpers​
Illustration: Anna Groß-Alpers​

Nur ca. 5 % (es liegen unterschiedliche Zahlen vor) aller Klinikgeburten verlaufen heute ohne jegliche Intervention. Geburten werden heute „gemanagt“. Sie müssen in die Krankenhausroutine passen. Da folgt man nicht der Anweisung erfahrener Hebammen und Geburtshelfer, die sagen: Die Hände von GeburtshelferInnen gehören in die Hosentaschen. Bloße Anwesenheit gilt heute als zeit- und personalintensive Unmöglichkeit. Es müssen Leistungen erbracht werden. Kliniken müssen wirtschaftlich arbeiten.
Schon in der Schwangerschaft erhalten 75 – 80 % der Frauen heute die Diagnose „risikoschwanger“ zu sein. In den letzten 30 Jahren hat sich die Zahl der Risikofaktoren im Mutterpass von 17 auf 54 verdreifacht.

Den Ärzten sitzt die Angst vor Regressansprüchen und Haftbarmachung für irgendwelche Versäumnisse im Nacken. Die Aufgabe von Ärzten ist es, Krankheiten zu behandeln. Darum ist die geburtsmedizinische Ausbildung auf Risiken und auf Pathologie (Krankheit) ausgerichtet. Diese Haltung teilt sich den Schwangeren mit, sorgt für Unsicherheiten und Ängste. Das ist eine für Mütter und Kinder folgenreiche Fehlentwicklung.

85 % aller Frauen sind lt. WHO gesund und können gebären. „Aber man muss sie lassen.“ Dieses ist das Zitat eines Hamburger Gynäkolgen an der Uniklinik Eppendorf aus 2016.

Frauen sind gut beraten, sich gleich zu Beginn ihrer Schwangerschaft eine Hebamme als Begleitung zu suchen. Hebammen sind Expertinnen für die naturgemäße Geburt. Sie sind befähigt, Geburten alleine zu begleiten. Sie sind verpflichtet, an einen Arzt zu überweisen, wenn sich Probleme andeuten. Für Ärzte hingegen besteht die gesetzliche Hinzuziehungspflicht einer Hebamme.

Die Geburtsmedizin ist in eine Sackgasse geraten

Nach der Einführung der programmierten Geburt vor ca. 45 Jahren, seit es also nicht mehr um individuelle Geburtsbegleitung geht, ist die Geburtsmedizin mehr und mehr in eine Sackgasse geraten. Es gibt Ärzte, die das erkennen, die wieder anfangen, sich auf die einzelne Frau einzustellen. Sie sind imstande, die Kaiserschnittrate, die bei uns durchschnittlich bei 32% liegt – und somit deutlich über der WHO-Empfehlung von max. 10 – 15 % - zu senken. Das geht. Dazu gibt es aussagekräftige Zahlen.

ein Blick hinter die Kulissen - Anna Groß-Alpers
Illustration: Anna Groß-Alpers

Werdenden Müttern bzw. Eltern wird heute mehr Verantwortung denn je aufgebürdet. Die Medizin vermittelt das Bild, dass sie ein Recht auf ein gesundes Kind haben und dass sie fast schon fahrlässig handeln, wenn sie keine Pränataldiagnostik wollen. Fakt ist, dass Pränataldiagnostik (PND) zu schwersten Konflikten bei den Eltern führen kann.

Schon der Verdacht auf einer Normabweichung verunsichert. Er stellt die gesamte Schwangerschaft infrage. PND macht wenig oder keinen Sinn, wenn für die Eltern eine (Spät)Abtreibung nicht in Frage kommt. Schwangere und ihre Partner sind extrem gefordert, schwerwiegende Entscheidungen zu treffen und sich entsprechend zu informieren.

Es gibt zig Informationsquellen und Foren im Netz. Aber das ist keine Garantie für sachliche und fachlich richtige Informationen. Wir haben einen freien Gesundheitsmarkt, auf dem z.B. Baby-TV – das ist Ultraschall in Echtzeit (4 D-Ultraschall) – angeboten wird, obwohl es zahlreiche Hinweise auf die Schädlichkeit von Ultraschall gibt und nicht nachgewiesen ist, dass diese Technik unbedenklich ist. Screenings (Reihenuntersuchungen) sind die Normalität. Vor ca. 4 Jahrzehnten fing es damit an, dass Ultraschall eingesetzt wurde - aufgrund bestimmter Indikationen. Und aufgrund einer bestimmten Indikation ist Ultraschall sinnvoll. Wenn neuerdings eine Krankenkasse unverhohlen für diese Technik wirbt, obwohl sie die Kosten nicht in vollem Umfang übernimmt, wirft das Fragen auf.

Kinderrechte gelten ab der Zeugung – so steht es in der Präambel der UN-Kinderrechtskonvention. Ungeborene Kinder sind keine Produkte, um deren Optimierung sich die Medizin kümmern müsste.

Wenn Sie mich fragen, wo sich Mütter/Eltern die nötige Kompetenz und Gelassenheit holen können, so ist meine Antwort: bei Hebammen. Es gibt auch einige Ärzte, die Sicherheit geben und Vertrauen in die Gebärfähigkeit von Frauen haben. Außerdem rate ich dazu, sich bei GreenBirth unabhängig, umfassend und individuell zu informieren.

Eltern und Großeltern tun heute gut daran, aktiv zu werden und sich für die Geburtskultur in Deutschland einzusetzen. Schon jetzt ist die Versorgung mit Hebammen nicht mehr sicher. Und wenn es so weitergeht, wird es über kurz oder lang keine Hebammen mehr geben in unserem Land. Darum engagieren sich zahlreiche Elterninitiativen in einem bundesweiten Netzwerk. Sie haben im letzten Jahr eine Grundsatzerklärung verfasst.
Problematisch ist es, dass dieses gesellschaftlich wichtige Thema bei den Politikern und in der Öffentlichkeit noch immer zu wenig oder gar keine Aufmerksamkeit findet.

ein erstes Kennen lernen - Anna Groß-Alpers
Illustration: Anna Groß-Alpers

fuerkinder: Ihr Buch basiert auf den Erkenntnissen der pränatalen Psychologie und ihrem großen Einfluss auf das Wohlbefinden des Kindes, sagen Sie. Was raten Sie werdenden Eltern, die sich gut auf ihr Kind vorbereiten wollen?

A. Groß-Alpers: Mir erscheint es wichtig, dass Mutter und Vater einen emotionalen Zugang zu ihrem Kind finden. Eine Mutter oder ein Vater, die/der selber ein ungewolltes Kind war, Abtreibungsgedanken erlebt oder Abtreibungsversuche überlebt hat, kann unbewusst mit der eigenen Geschichte derart konfrontiert sein, dass es unmöglich ist, einen Zugang zum Baby im ersten Trimester (in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft) aufzubauen. Vielleicht treten Empfindungen auf, die Mutter oder Vater selber nicht verständlich sind, etwa wenn das bewusst gezeugte Wunschkind plötzlich Zweifel oder sogar Ablehnung auslöst. Häufig dafür sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Erklärungen in der eigenen frühen Lebensgeschichte zu finden.

Je besser die Mutter mit ihrem ungeborenen Kind in Kontakt ist, desto mehr Vertrauen entwickelt das Baby in seine Umgebung. Es spürt, dass es geliebt, getragen und versorgt ist. Gleichzeitig kann die Mutter durch den Kontakt zum Kind Vertrauen in einen natürlichen und gesunden Schwangerschafts- und Geburtsverlauf entwickeln. Möglicherweise reichen ihr Untersuchungen und Gespräche mit einer Hebamme. Ultraschall kann für sie erlässlich sein.

Wer kann helfen?

fuerkinder: Wohin können sich Eltern wenden, wenn ihnen bewusst wird, dass ihr Kind aktuell unter Gefühlen und Sorgen leidet, die im Zusammenhang mit den ersten Erfahrungen im Mutterleib stehen (könnten). Gibt es da Fachleute, die auf dieses Thema spezialisiert sind?

A. Groß-Alpers: Ja, die gibt es: z.B. Menschen, die in Emotioneller Erster Hilfe ausgebildet sind oder auch Regressionstherapeuten, die helfen können, Zusammenhänge zu erkennen. Traumatisierungen in der Schwangerschaft oder während der Geburt haben immer Auswirkungen auf die Bindung. Oder auch umgekehrt: Ist eine Bindung erschwert oder nicht möglich, so hat das erfahrungsgemäß Auswirkungen auf Schwangerschaft und Geburt.

fuerkinder: Besonders heftig sind wahrscheinlich Kinder betroffen, die keinen guten Start ins Leben hatten, wie etwa. ein Geburtstrauma oder Komplikationen während der Schwangerschaft. Was empfehlen Sie den Eltern?

A. Groß-Alpers: Eltern können darüber mit ihrer Hebamme sprechen oder mit ihrem Arzt. Es gibt vielfältige Möglichkeiten und Hilfsangebote. Ich nenne hier einige: Babytherapie, Emotionelle Erste Hilfe, Schreiambulanzen, Familientherapie, Babymassage, Babyheilbad, Heilgespräche, Craniosacrale Osteopathie. Der Verein „Schatten und Licht“ nennt Fachpersonen, die regional Hilfe anbieten. Mit Sicherheit finden Eltern im Internet Hinweise auf Hilfsangebote vor Ort.

RegressionstherapeutInnen raten Eltern dazu, sich den Geburtsbericht der Hebamme aushändigen zu lassen. Diese Infomationen werden gerne genutzt und können auch im Erwachsenenalter noch von Bedeutung sein.

Die Gesprächspartnerin der "für Kinder"-Redaktion:
Anna Groß-Alpers,
Heilpraktikerin mit eigener Praxis für Psychotherapie und Psychosomatik in Timmendorfer Strand.
Anna Groß-Alpers unterstützt Menschen bei der Verarbeitung ihrer vorgeburtlichen Lebenszeit. Sie arbeitet mit Körper- und Pränatal fundierter Psychotherapie.
Im Vorstand von GreenBirth e.V. engagiert sie sich für mehr Geburtskultur und für die Menschenrechte vor der Geburt.
Anna Groß-Alpers bietet Eltern Begleitung vor, während und nach der Geburt und SchülerInnen Kurse zum Thema Elternwerden an.
Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern und dreifache Großmutter.

Anna Groß-Alpers: "Wie war es in Mamas Bauch?"


Autorin des Buchs:
Anna Groß-Alpers

"Wie war es in Mamas Bauch?"
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