Was bedeutet Achtsamkeit und wie kann es uns im Leben mit Kindern unterstützen?

Mindfulness - Achtsamkeit
Achtsamkeit
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Achtsam zu sein bedeutet, den Moment bewusst zu erleben, also aufmerksam zu sein für das was gerade passiert, mit einer freundlichen, neugierigen Haltung. Das hilft uns die Dinge so wahrnehmen zu können, wie sie gerade sind.
Achtsamkeit ist also eine Seins-Qualität, eine Haltung und eine gewisse Art von Präsenz.

Gerade im Leben mit Kindern wird das oft schwer für uns, vor allem wenn die Dinge nicht so laufen, wie wir es uns vorgestellt haben. Unsere Kinder haben ihre eigenen Vorstellungen und machen immer wieder etwas, das wir einfach nicht wollen. Und in solchen Momenten wird es umso schwieriger für uns, wenn wir an unseren Vorstellungen festhalten oder die Kontrolle haben wollen über etwas, das wir nicht kontrollieren können (in diesem Fall unsere Kinder)!

Wenn es uns gelingt, in solchen Situationen innezuhalten, uns nicht von unseren automatischen Reaktionsmustern mitreißen zu lassen sondern uns dem öffnen und zuwenden, was gerade passiert, ohne es zu bewerten, dann gibt uns das den Raum, in dem wir uns bewusst entscheiden können, wie wir gerade jetzt mit genau dieser Situation umgehen wollen, auf eine freundliche und einfühlsame Weise.

Ein Plädoyer für die Empfindsamen und Zartfühlenden

Beobachten - Mitmachen
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In unserer lauten, turbulenten Welt haben anscheinend vor allem durchsetzungsfähige, selbstbewusste Macher das Sagen, diejenigen, die es „drauf haben“, coole Typen eben.

In einer Welt, in der in den Kindergruppen, den Schulzimmern, auf den Schulhöfen vor allem die Starken und die Lauten gesehen werden, wo Gewinnen das Ziel ist, in einer Kinderwelt, in der viele Kinder schon früh sich selbst überlassen, unbehütet, ungeborgen sind und sich deshalb besonders im Kampf um den Schoß der Erzieherin, die Zuwendung, die Erfüllung ihrer Bedürfnisse oder überhaupt um das Gesehen-werden behaupten müssen, haben es manche Kinder besonders schwer.

Sie scheinen in dieser Welt noch nicht angekommen zu sein

Wenn Ängste und Traumata über Generationen hinweg die Persönlichkeitsentwicklung blockieren

Generation Code
Große Fußstapfen -
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Stellen Sie sich Ihren Stammbaum einmal mit Wurzeln vor. Wurzeln als Symbol für die Aufnahmefähigkeit des jeweiligen erfüllten Grundbedürfnisses eines Kindes. Um einen gesunden Wachstum des Baumes zu garantieren, ist nicht nur ein guter Boden erforderlich, sondern auch eine optimale Versorgung mit Nährstoffen, Mineralien und Wasser sowie eine intakte Umgebung. Jede Erschütterung, jeder Mangel hinterlässt Narben in der Struktur des Baumes und seinen Wurzeln. Wie bei jeder mehrjährigen Pflanze können die Wurzeln dabei auch schon in vorangegangenen Jahren geschädigt worden sein und dadurch in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt sein. Die Aufnahmefähigkeit der Wurzeln ist beeinträchtigt.

Kinder brauchen eine verstehbare, greifbare Welt

Die Kinder von BullerbüAlte Kinderbücher- am ehesten fallen einem dazu die Bücher von Astrid Lindgren ein - legen Zeugnis ab von dem Wandel, den Kindheit durchgemacht hat.

Dort wird meist eine kleine, überschaubare Welt beschrieben, in denen Menschen einfache, durchschaubare Dinge tun. Denken wir an „Die Kinder aus Bullerbü“, „Michel in der Suppenschüssel“ oder die Lotta-Bände. Es passiert darin meist nichts Großartiges, sondern ganz Alltägliches. Der Alltag ist geprägt von den Dingen, die man zu Hause so tat, Himbeeren pflücken, Heu rechen, kochen. Die Geschichten handeln von den Tieren, die die Welt der Kinder umgab, von den Jahreszeiten, die man erlebte und die das Leben bestimmten. Sie handelten von Menschen, die diesen Alltag mit den Kindern teilten, den Eltern, Großeltern, den Nachbarn, den Menschen, die um die Kinder herum tätig waren.

Interview mit Regine Gresens, Autorin des Buchs: "Intuitives Stillen"

Regine Gresensfürkinder: Auf Ihrer Internetseite beschreiben Sie die Startschwierigkeiten, die Sie mit Ihrem Sohn hatten und sagen darin: Nicht die Schwangerschaft oder die Geburt, sondern das Stillen hat mich zu seiner Mutter gemacht. Können Sie dies näher umschreiben?
Regine Gresens: Das Stillen war von Anfang an ein ganz wichtiger Teil meiner Beziehung mit meinem Sohn. Ich habe bei jedem Stillen unmittelbar gemerkt, wie gut es ihm tut. Vor allem merkte ich aber auch, dass ich ihm an der Brust nicht nur die optimale Nahrung mit allen wichtigen Inhaltsstoffen gegeben habe, sondern auch seine emotionalen Bedürfnisse nach Körperkontakt, Ruhe, Sicherheit, Trost und vielem mehr erfüllen konnte. Durch das Stillen haben wir einander immer besser kennengelernt und sind mit der Zeit ein gut eingespieltes Team geworden. Das hat mich stolz und sicher gemacht und eben stärker als die Schwangerschaft und die Geburt zu meinem Muttergefühl beigetragen.

Stillen - von der Natur vorgesehene optimale Ernährung und Zuwendung
Nahrung und Zuwendung - Foto:
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Es ist nicht allein eine Frage des Stillens, ob ein Kind selbständig werden kann oder abhängig bleibt. Diese beiden Ebenen müssen getrennt voneinander betrachtet werden. Unzählige Facetten des Alltags, des sozialen Umfeldes des Kindes und seine eigene Individualität beeinflussen die Autonomieentwicklung. Stillen bzw. die Mutterbrust ist die von der Natur vorgesehene optimale Quelle an Nahrung und Zuwendung, verbunden mit zahlreichen körperlichen und seelischen Vorteilen. Parallel zur Stillbeziehung fängt bereits im ersten Lebensjahr die Entwicklung des Kindes zu einer eigenständigen Persönlichkeit an.

Anmerkungen von Dr. Erika Butzmann zu einigen Antworten von Dr. Nicole Strüber  im fuerkinder-Interview

Dr. Erika Butzmann - Bindung und Empathie
Dr. Erika Butzmann

Die Frage nach den Entwicklungsphasen im Leben von Babys und Kleinkindern, ihrem Beginn und Verlauf, hat eine sehr viel größere Bedeutung für das Handeln von Eltern und Erziehern und damit für das Wohlbefinden der Kinder, als das auf den ersten Blick erscheint.

Die Diskussion um Schaden oder Nutzen der frühen Krippenbetreuung wird deshalb in unserem Land auch so heftig geführt. Dr. Nicole Strüber hat mit ihrem neuen Buch „Die erste Bindung“ aus neurobiologischer Sicht dargelegt, welch wichtige Rolle die Eltern in den ersten Jahren für eine gesunde emotionale Entwicklung der Kinder spielt.

Im Interview: "Persönlichkeitsentwicklung in früher Kindheit - Antworten aus der Hirnforschung" geht Dr. Nicole Strüber auch auf Fragen zu den frühkindlichen Entwicklungsphasen ein. Im Folgenden ergänzt Dr. Erika Butzmann, Pädagogin und Psychologin, seit 25 Jahren tätig in der Elternbildung einige Antworten von Frau Dr. Strüber mit Beispielen aus der Praxis:

Interview mit Dr. Nicole Strüber vom Institut für Hirnforschung, Uni Bremen, und Autorin des Buchs: "Die erste Bindung"

Dr. Nicole Strüber - Die erste Bindung
Dr. Nicole Strüber

fürkinder: Die uralte Frage nach der relativen Bedeutung von genetischer Vorprägung, der Erbmasse sozusagen, und der Prägung durch die Umwelt hat in den vergangenen Jahren an Brisanz gewonnen (Epigenetik). Gerade die Hirnforschung hat dazu wesentlich beigetragen. Ist etwa „das Böse “ ererbt oder erworben, nature or nurture? Wie groß ist der jeweilige Anteil?
Nicole Strüber: Von der Erbmasse hin zum Bösen ist es ein weiter Weg! Wobei es durchaus ein paar Gene gibt, die etwa das Risiko erhöhen, dass ein Mensch impulsives oder gefühlloses Verhalten entwickelt.

Sie haben es aber ja bereits angedeutet: Auch die Umwelt spielt eine große Rolle für die Entstehung individueller Eigenschaften. Nun haben uns die wissenschaftlichen Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte gezeigt, dass es nicht reicht, für jede Eigenschaft die jeweiligen Anteile von Genen und Erfahrungen zu berechnen, sondern dass immense Wechselwirkungen vorhanden sind. Gene beeinflussen nämlich zum einen, wie wichtig Erfahrungen sind. Andererseits können Erfahrungen die Aktivität der Gene beeinflussen (im Rahmen der von Ihnen bereits benannten Epigenetik). Frühe Stresserfahrungen können beispielsweise Gene des Stresssystems modifizieren und hierüber einen langfristigen Einfluss auf das Stresssystem ausüben.

Interview mit Anna Groß-Alpers, Autorin des Kinder- und Elternbuchs: "Wie war es in Mamas Bauch?"

Anna Groß-Alpers - unterstützt Menschen bei der Verarbeitung ihrer vorgeburtlichen Lebenszeit
Anna Groß-Alpers

fuerkinder: Wie sind Sie darauf gekommen, ein Kinderbuch zum Thema Vorgeburtliche Erfahrungen zu machen?

A. Groß-Alpers: Mit meinem Buch über das vorgeburtliche Erleben möchte ich dem ungeborenen Kind eine Stimme geben. Darüber hinaus ist es mir wichtig, dass Kinder, die sich noch erinnern, wie es in Mamas Bauch war, gehört und ernst genommen werden. Sie können ihren Eltern und anderen Erwachsenen eine Vorstellung davon geben, wie intensiv und bedeutsam das Leben im Mutterleib ist.

Äußerer Anlass war meine erste Schwangerschafts- und Geburtsbegleitung. Innerlich ist das Buch ein Resultat vieler Lebenserfahrungen: Aus meinen eigenen Schwangerschaften und Geburten resultierte die Frage, wieso Eltern auf das Kinderkriegen und -großziehen nicht vorbereitet werden.

Kinderarzt Dr. Michael Hauch gegen die Therapeutisierung der Kindheit

 

Dr. Michael Hauch - gegen die Therapeutisierung der Kindheit
Dr. Michael Hauch

Sind wir ein Volk der krankgeschriebenen Kinder? Der Kinderarzt und Bestseller-Autor („Kindheit ist keine Krankheit“), Dr. Michael Hauch, meint: ja! (Rezension des Buchs hier)

44 Prozent der Jungen und 31 Prozent der Mädchen haben in Deutschland bis zu ihrem 15. Lebensjahr mindestens eine Physio-, Ergo- oder Logotherapie hinter sich. In drei von vier Fällen war das jeweils völlig überflüssig – und hat den Kindern eher geschadet.

Hauch wehrt sich in Vorträgen quer durch Deutschland gegen den überbordenden Trend, Kinder in einer Art Prokrustes-Bett an eine Norm-Entwicklung anzupassen und alles, was dieser Norm nicht – oder noch nicht – entspricht, als therapiebedürftige Abweichung einzuordnen.

Jedes Kind ist anders und voller Überraschungen

Jedes Kind ist anders! Und jederzeit gut für eine Überraschung. Eigentlich ein Gemeinplatz, der aber immer mehr aus dem Blick gerät. Kinder werden zu Projekten, durchgeplant und ständig optimiert. Im Zeitalter der Machbarkeiten, in der die Lebenssituation von Eltern aber immer unsicherer und unvorhersehbarer wird, muss zumindest der Nachwuchs auf den geraden Weg zum Lebenserfolg gebracht werden. Abweichungen auf diesem Weg, Besonderheiten und Sonderbarkeiten,  werden erschrocken registriert, vermessen und therapiert. Das fängt lange vor der Empfängnis an und begleitet das Kind in immer häufigeren Tests und Therapien durch die Schwangerschaft, das Babyalter, Kindergarten und Schule bis zur Einmündung in die vorgesehene Wunschkarriere.