Janine Kunze im Gespräch mit Jumana Mattukat

„Muttersein ist für mich die größte Bereicherung meines Lebens.“

Janine Kunze

Janine Kunze

Im Interview spricht sie über ihre Rolle als berufstätige Mutter, aber auch als Tochter einer Pflegefamilie. In Ihrem Buch „Geschenkte Wurzeln“ schreibt sie über ihre persönlichen Erfahrungen.

Wie ist es zu Ihrem Buch über Ihre Kindheit in einer Pflegefamilie gekommen?

Als erstes einmal ist es dabei wichtig zu wissen, dass ich das Thema nicht freiwillig öffentlich gemacht habe. Das war vor etwa 10 Jahren – entweder meine leibliche Mutter oder aber jemand aus ihrem Umfeld. Leider wurden da viele Dinge falsch wiedergegeben.Nachdem mir dann in Interviews immer wieder Fragen nach meiner „schrecklichen“ Kindheit gestellt wurden und immer wieder Betroffene und Verlage angefragt haben, ob ich über meine Zeit als Pflegekind nicht ein Buch veröffentlichen möchte, habe ich irgendwann entschieden, mich der Öffentlichkeit zu stellen. Mit meinem Buch wollte ich vor allem aufklären – „Ich hatte keine schreckliche Kindheit“ – und insbesondere auf die Problematik der Pflegekindschaft hinweisen. Von Anfang an war klar: Das wird kein Sensationsbuch – der Beruf meiner Mutter (die leibliche Mutter hat als Prostituierte gearbeitet, Anm. der Redaktion) kommt überhaupt nicht zur Sprache.In erster Linie soll es ein Mutmacherbuch sein. Das ist es wohl geworden; ich bekomme viele Emails von Lesern, die sehr berührt sind und die froh sind,dass ich es geschrieben habe. Und ein Bestseller ist es am Ende auch noch geworden.

Erkennen Sie Anteile in Ihnen, die Sie von Ihrer leiblichen Mutter haben?

Ja, ich bin impulsiv, aufbrausend und emotional – das habe ich eher von der leiblichen Mutter. Da weiß ich, wo es herkommt…

Sie haben einmal gesagt, dass Sie immer alles richtig machen wollen…

Ja, oh ja, inzwischen weiß ich: Ich kann nicht alles richtig machen. Eltern können nicht alles richtig machen und das ist auch gut so. Wir müssen auch Fehler machen; manchmal ist man auch mal ungerecht. Wichtig ist, dass die Kinder sehen: Mensch, meine Eltern machen Fehler, aber die können sich hinterher auch entschuldigen und sagen, dass es ihnen leid tut. Die Kinder sind dann ja auch so süß und verzeihen einem wahnsinnig schnell.

Ich habe nicht mehr den Anspruch, alles richtig machen zu wollen. Kinder erwarten das doch auch gar nicht. Promi-Mütter tun ja schon mal gerne so, als wäre bei ihnen alles „easy-peasy“. Das ist natürlich totaler Quatsch, alle sind mal überfordert, auch Promi-Mütter.

Mütter, die selber erziehen und beruflich kürzer treten, werden gesellschaftlich wenig wertgeschätzt – haben Sie eine Erklärung?

Ich glaube, es ist vielen Menschen nicht bewusst, wie viel Arbeit es wirklich ist.

Es ist total schade, dass dieser Job zu wenig respektiert wird. Was eine Hausfrau macht, davor ziehe ich tierisch den Hut. Das ist ein echter Fulltime-Job. Wie sich Frauen entscheiden, ob sie wieder arbeiten wollen oder nicht, das finde ich, bleibt jedem selbst überlassen. Ich selbst freue mich manchmal, durch die Arbeit dem Alltagswahnsinn zu Hause zu entkommen und mich auch beruflich verwirklichen zu können.

Inwiefern hat Sie das Muttersein verändert?

Ich bin viel ängstlicher geworden. Sehr zu meinem Leidwesen. Ich war ja die erste Frau, die einen Formel 1- Boliden auf deutschen Boden selber gefahren ist, das mache ich heute nicht mehr. Mit den Kindern habe ich Ängste entwickelt, weil ich mir extrem Gedanken mache: „Was ist, wenn mir was passiert?“. Das ist aber auch gut, glaube ich. Ich bin auch sensibler geworden. Zwar war ich früher auch schon jemand, der bei der Merci-Werbung zu heulen angefangen hat, aber heute bin ich leider noch viel empfänglicher…

Haben Sie es sich vorher so vorgestellt?

Ich wusste immer,dass das für mich die Erfüllung wird. Für mich ist das Muttersein die größte Bereicherung meines Lebens. Es ist genau so, wie ich mir das gewünscht habe.

In vielen Dingen: die Familie gibt mir Halt und ich bin mit Leib und Seele Mutter. Ich komme ja selbst aus einer kinderreichen Familie und habe das als sehr positiv empfunden, so viele Geschwister zu haben, immer jemanden da zu haben. Deshalb wünsche ich mir das auch für meine Kinder. Manchmal ist es zwar auch stressig, als Mutter zu arbeiten, aber es ist ja auch eine schöne Anstrengung. Aber an erster Stelle stehen immer die Kinder.

Was mögen Sie an sich als Mutter?

Ich glaube, ich bin ‘ne ganz coole Mum, wir haben viel Spaß miteinander. Mir fallen immer viele witzige Sachen ein. Wir machen viel miteinander. Ich bin offen für alles und für neue Sachen zu haben. Die Freunde meiner Kinder kommen auch immer ganz gerne zu uns.

Was gefällt Ihnen nicht so gut?

Ich wünsche mir mehr Geduld. Wenn ich das an anderen Müttern sehe, dass sie immer ruhig und immer entspannt bleiben, dann frage ich mich schon „Oh mein Gott,wo nehmen die das nur her?“.Da würde ich mir gerne ‘ne Scheibe von abschneiden. Bei uns muss es auch schon mal schnell gehen und es wird hektisch.Da würde ich mir manchmal mehr Ruhe wünschen.

Wie haben Sie die Geburten Ihrer Kinder erlebt?

Sehr positiv! Die erste, die anstrengendste,hat fast 40 Stunden gedauert.Das war verdammt lang, trotzdem habe ich sie in positiver Erinnerung, weil meine Tochter gesund zur Welt kam. Die beiden anderen waren schnell und unkompliziert.

Wie stehen Sie zu geplanten Kaiserschnitten?

Mir war es sehr wichtig, auf normalem Weg zu entbinden. Es kommt darauf an. Wenn eine medizinische Indikation besteht, kommt man nicht drumherum. Wenn jemand sich aber dafür entscheidet, um die eigene Figur zu schonen und Topmodels – wie man den Medien entnehmen konnte – das Baby schon im achten Monat holen lassen, damit sie nicht noch dicker werden – da bin ich kein Freund von. Generell gilt: Es sollte um das Wohl des Kindes gehen.

Wie haben Sie das Stillen erlebt?

Wunderschön, ganz toll! Ich würde jeder Mutter dazu raten.Leider habe ich nicht so furchtbar lange gestillt, weil ich mir selbst Stress gemacht habe. Mein Umfeld war da superlieb, es wurden immer extra Drehpausen zum Stillen eingelegt. Grundsätzlich finde ich Stillen enorm wichtig, da es die Mutter-Kind Beziehung intensiviert und fördert.

Hat das Muttersein an Ihrem Arbeitspensum etwas geändert?

Nein – ich dachte immer, es wird mit Kindern ruhiger, aber ich arbeite so viel wie noch nie. Aber wir bekommen das alles ganz gut organisiert. Ich habe zum Glück ja auch einen tollen Ehemann, der mich extrem unterstützt. Wenn ich drehe, legt er Termine nach Hause. Er ist Vollblutvater, das ist auch ein großes Geschenk.

Sie engagieren sich für verschiedene Hilfsprojekte – warum?

Wenn man einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, erreicht man mehr Menschen. Deshalb sehe ich es als meine Pflicht und Verantwortung, auf Dinge aufmerksam zu machen, die nicht so dolle laufen. Ich setze mich gerne für Kinder ein, sie liegen mir einfach extrem am Herzen. Ich wünsche mir, dass nie vergessen wird, dass es Kinder gibt, denen es nicht so gut geht.

Vielen Dank für das Gespräch.