Rebecca Immanuel im Gespräch mit Maria Steuer

Ehrlichkeit und Herzenswärme sind ihr Rezept

Rebecca Immanuel © Vanessa Cowling

Rebecca Immanuel © Vanessa Cowling

Bedingungslose Liebe zu erfahren ist das Wichtigste im Leben eines Kindes – die Liebe ist der Schlüssel zu Lebensfreude, Freiheit, sowie seelischer und körperlicher Gesundheit. Darin ist sich Rebecca Immanuel, Mutter eines Sohnes, sicher. Ihre Sichtweise erklärt sie im Gespräch mit Maria Steuer.

Sie sind jetzt seit fast acht Jahren Mutter. Wie ist Ihnen der Wechsel von der Frau zur Mutter gelungen?

Eine Frau bin ich ja immer noch und dazu eine begeisterte Mutter. Ich habe mich bewusst entschieden ein Kind zu bekommen und sehr darauf gefreut. Da ich Zusammenhänge im Leben gerne verstehe, habe ich mich auf die Ankunft des neuen Erdenbürgers sorgfältig vorbereitet. Das Gleiche mache ich übrigens mit allen Bereichen, die mich interessieren, entweder ganz oder gar nicht. Im beruflichen Kontext zum Beispiel, wird auch jede Rolle gründlich vorbereitet. Und wie heißt es so schön: „Wie die Saat so die Ernte“. Was man rein gibt, kriegt man hundertfach zurück – gerade bei Kindern.

Wie haben Sie sich vorbereitet, um sich Ihrer Verantwortung als Mutter zu stellen?

Meiner Meinung nach sind zwei Wege wichtig, um eine umfassendere Kompetenz als Mutter zu entwickeln, Erziehungsbildung und eine gesunde Portion Selbstliebe. Auf der einen Seite erleichtert es den Umgang mit einem Kind, wenn man darüber informiert ist, welche Entwicklungsphasen es gerade durchlebt, und wie sich sein Gehirn entwickelt. Dadurch kann man die Überforderung eines Kindes vermeiden, hat mehr Empathie und es kommt zu einem verständnisvollen, entspannteren Miteinander.
Auf der anderen Seite kann ich den anderen nur so viel lieben und wertschätzen, wie ich mich selbst liebe und wertschätze. Das bedeutet, je besser ich in einem guten Kontakt mit mir selbst bin, desto besser kann ich auf die Bedürfnisse eines Kindes eingehen und gleichzeitig die Eiche bleiben, die es braucht um sich anlehnen zu können. Durch die Gehirnforschung wissen wir, dass Eltern die chemischen Vorgänge im Gehirn eines Kindes soweit beeinflussen können, dass seine Gedankenströme überwiegend von Selbstermutigungen statt von Selbstzweifeln bestimmt werden.

„Über die Gehirnentwicklung meines Kindes gut informiert zu sein“, das klingt ungewöhnlich. Würde es nicht ausreichen, intuitiv zu erziehen?

Ich glaube nicht. Die Intuition entsteht ja in der eigenen Kindheit und ist zudem kulturell geprägt. Wenn man das Glück hatte, sehr viel Liebe als Kind zu erfahren und mit Sorgen und Nöten nicht alleine zu sein, kann man das entsprechend weiter geben. Wenn man aber unter Zurückweisung und Geringschätzung gelitten hat, wird man es höchstwahrscheinlich unbewusst zum Teil an die nächste Generation vererben. Wie will man die große Bedürftigkeit, die Babies und Kleinkinder haben, sonst geduldig auffangen können? Wenn man nicht den Mut hat in seiner eigenen Biografie aufzuräumen, wird man vielleicht wenigstens hellhörig, wenn man sich mit den Ergebnissen der aktuellen Forschung beschäftigt. Dort ist klar belegt wie man die Entwicklung und die Zukunft eines Menschen schon in frühester Kindheit dauerhaft positiv oder negativ beeinflussen kann.

Das hört sich nach einem steinigen und anstrengenden Weg an

Das muss es nicht sein. Wir wissen: aller Anfang ist schwer und Übung macht die Meisterin. Alles Neue ist herausfordernd und wird irgendwann leicht. Erinnert man sich zum Beispiel an den Anfang der Elternschaft, da war das erste Windelwechseln eine echte Herausforderung. Nach zwei Wochen war es nur noch halb so wild und irgendwann Routine. Wenn man als Mutter jetzt auch noch die Unterstützung vom Partner dazu bekommt, der Rest der Familie, Freunde und die Gesellschaft mithilft, wird das Schwere leichter. Manchmal höre ich von frischgebackenen Müttern „Jetzt bin ich nur noch Mutter“, das macht mich traurig. Ich würde mir wünschen, dass diese Frauen eine Bewusstheit für die Wichtigkeit ihrer Aufgabe bekommen. Sie sind nicht nur wichtig für einen heranwachsenden Menschen, sondern für unsere ganze Gesellschaft, denn sie prägen die nächste Generation. Jedes Leben zieht Kreise und als Mama kann man viel beeinflussen. Ich wünsche mir eine gesellschaftliche Bewegung, in der wir Eltern stärken, ihre Leistung wertschätzen und ihnen unsere helfende Hand reichen, nicht nur wenn Not am Mann ist, sondern immer. Dieses Engagement lohnt sich, denn Menschen, die das große Geschenk einer sicheren Bindung erfahren, werden es als Erwachsene leichter haben, vertrauensvoll und wertschätzend im Umgang mit Anderen und der Welt zu sein.

Wenn wir also alle die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Gehirnentwicklung eines Kindes berücksichtigen und danach handeln, können wir eine bessere Gesellschaft schaffen?

Genau – in allen Aspekten ist dieses Wissen hilfreich. Wenn Eltern wissen, wie die einzelnen Reifungsprozesse bei ihrem Kind ablaufen, können sie auch das Verhalten ihres Kindes besser verstehen, klarer deuten und angemessener begleiten. Wir sollten deutlich mehr Möglichkeiten schaffen, um dieses Wissen weiterzugeben und zwar in einer leichten und gut verständlichen Art. Ich mache oft die Erfahrung, wie nützlich und entlastend es ist, sich mit anderen Eltern auszutauschen und Erfahrungen miteinander zu teilen, man entdeckt unweigerlich Parallelen.

Können Sie unseren Lesern/innen ein oder zwei Bücher empfehlen, die Ihnen dabei halfen mehr über die wissenschaftlich untermauerten Grundlagen für die Begleitung Ihres Kindes zu erfahren?

Margot Sunderland hat das Buch „Die neue Elternschule“ geschrieben, eine hochaktuelle Mischung aus Pädagogik und Wissenschaft und Steve Buddulph’s „Das Geheimnis glücklicher Babys“. Er beschäftigte sich mit der unterschiedlichen Entwicklung von Mädchen und Jungen.

Vielen Dank für das Gespräch.