Antworten auf Fragen

In dieser Rubrik helfen wir Wissens- oder Verständnislücken zu schließen. Beschäftigt auch Sie ein Problem oder eine bestimmte Frage (FAQ) zur kindlichen Entwicklung, Erziehung, Bildung oder Gesundheit? Schreiben Sie uns. Gern greifen wir Ihre Frage auf.

Nehmen Sie Kontakt auf!

Foto: UBER IMAGES © Fotolia

Antworten auf Fragen

In dieser Rubrik helfen wir Wissens- oder Verständnislücken zu schließen. Beschäftigt auch Sie ein Problem oder eine bestimmte Frage (FAQ) zur kindlichen Entwicklung, Erziehung, Bildung oder Gesundheit? Schreiben Sie uns. Gern greifen wir Ihre Frage auf.

Nehmen Sie Kontakt auf!

Mehr wissen – besser miteinander leben

Frage: Ich habe ein Problem, meine Tochter, 12 Monate, auch nur eine kleine Weile allein zu lassen. Sie klammert sich an mich und lässt nicht locker. Ist das „normal“? Ändert sich das – und wann?

Antwort: Wenn das Baby oder das Kleinkind sich an der Mutter festklammert, empfindet es in diesem Moment massive Trennungs- und Verlassenheitsängste. Ist die Mutter für das Kind in den ersten zwei Jahren in solchen Fällen meistens erreichbar und kann es trösten, verlieren sich diese Ängste in dem Maße, wie sich die Bindung an die Mutter festigt.

Das Kind empfindet sich in den ersten 5 bis 6 Monaten als Einheit mit der Mutter durch die innige Verbindung während der Schwangerschaft und der Stillzeit. Es unterscheidet auch nicht zwischen sich, den anderen und seiner Umgebung. Diese Unterscheidungen lernt es in den nächsten 12 bis 18 Monaten durch seinen unbändigen Willen, seine Umgebung und die Mitmenschen zu erkunden.

Immer dann jedoch, wenn es ihm nicht besonders gut geht oder es sich über etwas Unerwartetes erschreckt, versucht es, die Einheit mit der Mutter wieder herzustellen. Wenn sie dann nicht da ist, bekommt das Kind heftige Trennungs- und Verlassenheitsängste.

In diesem Alter hat das Kind noch kein Vorstellungsgedächtnis ausgebildet. Es kann sich also noch kein inneres Bild von der Mutter in einem anderen Raum machen, wenn diese das Zimmer verlassen hat. Sie ist dann für das Baby weg aus seiner Welt. Das Kind gerät in Panik.

Erst mit der Ausbildung des Vorstellungsgedächtnisse im Alter von ungefähr 2 Jahren kann das Kind die Abwesenheit der Mutter ertragen, wenn es in dieser Zeit gut versorgt wird von den weiteren Bindungspersonen. Es erkennt sich und die anderen dann als eigenständige Personen und die Dinge als losgelöst von sich. Ist diese Erkenntnis gereift, sagt das Kind „ich“ zu sich selbst und nennt sich nicht mehr beim Vornamen.

Wenn Kinder vor dem Ich-Erkennen in die Krippe gegeben werden und Trennungsängste ein Kind deutlich belasten, resigniert es früher oder später und passt sich an, weil es sonst nicht existieren könnte.

Von Trennungs- und Verlassenheitsängsten sind nicht alle Kinder in gleich starkem Maße betroffen. Kinder, die von Geburt an sensibler und empfindlicher sind, leiden am stärksten darunter und sind durch Fremdbetreuung besonders gefährdet.

Diese Trennungs- und Verlassenheitsangst lässt sich nicht abtrainieren! Solche Versuche verstärken die Ängste. Je besser die Mutter auf diese Ängste eingehen kann, desto schneller sind sie überwunden.

Ausführlicher in dem Beitrag: „Wenn kleine Kinder klammern“ von Dr. Erika Butzmann

Frage: Warum findet mein vierjähriger Sohn im Kindergarten keinen Freund?

Antwort: Das Freundschaftsverständnis bei Kindergartenkindern ist nicht vergleichbar mit dem in der späteren Grundschulzeit. Kinder benennen sich als Freunde, wenn sie mit jemanden gut spielen können, d.h. keinen großen Konflikte auftreten. Dann nämlich ist der andere nicht mehr der Freund. Deshalb wechseln in der Regel Freundschaften in der Vorschulzeit schnell und häufig.

Ausnahmen bilden zwei Konstellationen:

  1. Wenn besonders Krippenkinder keine Beziehung zu einer Erzieherin aufbauen können, suchen sie sich ein gleichaltriges Kind, an das es sich maximal anpasst. Häufig hat das andere Kind die gleichen Probleme, so dass diese beiden Kinder kaum ohne einander in der Krippe existieren können. Solche „Notfreundschaften“ halten oft bis ins Schulalter.
  2. Wenn Kinder untereinander jemanden finden, mit dem das Spiel meistens konfliktfrei bleibt, suchen sie auch bevorzugt den Kontakt miteinander. Das ist dann jedoch nicht so zwingend wie bei dem ersten Beispiel, d.h. sie kommen auch ohne den anderen klar.

Wenn also ein vierjähriger Junge noch keinen Freund (Spielkameraden) gefunden hat, ist das unbedenklich, weil er wahrscheinlich noch mehr Zeit braucht, um sich einem anderen Kind bewusst anzuschließen. Freundschaften entwickeln sich eher außerhalb der Institutionen, weil sich Vorschulkinder an den Kindern orientieren, die in der Nähe wohnen und die sie nach Lust und Laune aufsuchen können.

von Dr. Erika Butzmann

Frage: Ist die Krippenbetreuung wichtig oder zumindest hilfreich für die Sprachentwicklung?

Antwort: Das wird immer behauptet, hat aber keinen entwicklungs-psychologischen Hintergrund.

In der frühen Sprachentwicklung sind die Eltern die wichtigsten Personen, weil sie naturgemäß am besten auf die ersten sprachlichen Äußerungen des Kindes eingehen können, d.h. diese erwidern und spiegeln im Rahmen einer sicheren Bindungsbeziehung. Damit ist das Baby hoch motiviert, Geräusche immer wieder nachzuahmen und neue auszuprobieren. Wenn die Mutter ihr Tun mit dem Baby und dem Kleinkind häufig mit Sprache begleitet, ist die Sprachanregung für das Kind optimal. Ebenso fördert das Sprechen mit dem Vater, den Geschwistern oder den Großeltern als wichtige Bezugspersonen die Sprachentwicklung.

Mit ca. 2 Jahren sind dann die erste Zwei-Wort-Sätze vorhanden und dann ‚explodiert‘ der Sprachschatz, weil gleichzeitig das Denken einen starken Entwicklungssprung macht. Das passiert auch ohne ständigen Kontakt zu Gleichaltrigen. Da Kinder mit 2 Jahren vorrangig nebeneinander her spielen (Parallelspiel) mit wenig Bezug aufeinander, gibt es kaum eine zusätzliche Sprachanregung. Die ist nur so lange vorhanden, wie die Kinder Spaß mit einander haben und nicht in Konflikt geraten. Konflikte kommen bei unter 3jährigen durch die ichbezogene Denkweise jedoch noch häufig vor.

Erst mit dem deutlichen Interesse und der beginnenden Fähigkeit, mit anderen Kindern über längere Zeit zu spielen, profitieren sie vom gemeinsamen Spiel auch sprachlich. Denn sie versuchen mit Sprache, das Spiel zu beeinflussen und verbessern dann im Kontakt mit Gleichaltrigen ihre Sprachfähigkeit erheblich. Das ist jedoch erst mit 3 Jahren der Fall.

Kinder aus schwierigen Elternhäusern, die durch unangemessenes Elternverhalten in ihrer Sprachentwicklung behindert werden, haben in der Krippe oder bei einer Tagesmutter durchaus die Chance auf sprachliche Förderung. Ebenso kommen bei entspannten Spielsituationen der älteren Krippenkinder (2 bis 3 Jahre) durchaus fördernde Sprachgelegenheit zustande. Wenn ein Kind sich jedoch nicht wohl fühlt und eher für sich allein spielt, kann die Sprache auch nicht geübt werden.

von Dr. Erika Butzmann

Hören Sie hierzu auch Arno Stern im Interview mit Jennifer Hein

Frage: Wie sollten Eltern mit den Wutanfällen kleiner Kinder umgehen, damit die Beziehung keinen Schaden nimmt?

Antwort: Wenn das ca. zweijährige Kind sich selbst erkennt und „ich“ zu sich selbst sagt, beginnt die Phase der starken Ichbezogenheit, die je nach Temperament des Kindes zu häufigen Wutanfällen führen kann. Dies geschieht immer dann, wenn das Kind an etwas gehindert wird, etwas nicht bekommt oder etwas Ungeliebtes machen soll.

In seiner ichbezogenen Denkweise kann es noch kein Verständnis für die Notwendigkeit solcher Anforderungen aufbringen, so dass es wütend werden muss. Das ist kein Drama, denn der Wutanfall ist notwendig aus zweierlei Gründen: Zum einen lernt das Kind darüber, was geht und was nicht geht, bevor es die Regeln versteht. Zum anderen haben die Wutanfälle die Funktion, dem Kind bei der mentalen Ablösung von der Mutter zu helfen. Das ist der Beginn des Selbständig-Werdens.

Damit dies ohne Belastung der Eltern-Kind-Beziehung geschehen kann, ist das Verhalten der Eltern von Bedeutung: Während des Wutanfalls sollten die Eltern das Kind in Ruhe lassen und nicht auf es einreden. Wenn der Anfall vorbei ist, kommen die meisten Kinder zu den Eltern und wollen in irgendeiner Form wieder lieb sein. Dieses Angebot des Kindes zur Wiedergutmachung sollten die Eltern ohne Bedingungen (den Vorfall nicht thematisieren) annehmen. Nur dann ist das Kind in der Lage, über den Vorfall nachzudenken und daraus sozial zu lernen, auch wenn das längere Zeit dauern kann.

Bei Krippenkindern und ganztagsbetreute Kindern kann es verstärkt zu Wutanfällen kommen. Einerseits bemühen sich diese Kinder, in der Betreuung keine negativen Gefühle zu zeigen, was anstrengend ist und in Gegenwart der Eltern dann ein Ventil sucht. Andererseits werden die oben beschriebenen Ablösungsbestrebungen mittels Dickköpfigkeit in der Fremdbetreuung nicht gezeigt, da der entwicklungsfördernde Grund entfällt.

von Dr. Erika Butzmann

Frage: Ist eine Krippe mit Förderprogramm für unseren Sohn sinnvoll?

Antwort: In einer entscheidenden Phase, etwa um den 33. Lebensmonat, vollzieht sich im Gehirn von Kleinkindern ein ganz bedeutsamer Wandel. Der Wachstumsvorsprung der rechten Hirnhälfte verlangsamt sich und die Entwicklungsphase der sozialen und emotionalen Intelligenz wird abgelöst von einem Wachstumsschub der linken Hirnhälfte. Mit etwa 36 Monaten wird die linke Seite dominant, und dies fördert die Entwicklung komplexer Sprache, sowie die Fähigkeit, vergangene Ereignisse zu erinnern und zukünftige Ereignisse voraus zu sehen.

Qualitativ gute Vorschulerziehung hilft den meisten Kindern, die älter als ungefähr 36 Monate sind, ihre kognitiven Fähigkeiten und soziale Unabhängigkeit zu entwickeln, aber Forscher haben keine dieser Vorteile für Kinder unter 24 Monaten gefunden. Aus diesem Grund sollte die individuelle Kapazität von Kleinkindern zwischen 24 und 36 Monaten, mit dem Trennungsstress fertig zu werden, sehr sorgfältig eruiert werden. Und das Durchschnittsalter 30 Monate kann nur als ganz grober Anhaltspunkt dienen.

Seit langem ist bekannt und in vielen Studien nachgewiesen, dass die Trennung eines Kleinkinds – vor allem in den ersten beiden Lebensjahren – von der vertrauten Bezugsperson zu erheblichem Stress beim Kleinkind führt, der sich nicht wie unter normalen familiären Bedingungen nach kurzer Zeit wieder abbaut, sondern über den gesamten Aufenthalt in der Krippe unvermindert anhält. (Nachgewiesen wurde dieses Phänomen von Studien, die den Cortisolspiegel, ein eindeutiger Stressindikator, der Kinder über die Zeit beobachteten.)

Je abrupter die Trennung, je weniger konstant das Pflegeumfeld in der Krippe und vor allem je weniger Zeit für die liebevolle Zuwendung durch möglichst eine, immer dieselbe Betreuerin bleibt, desto stärker und anhaltender diese Stresssypmptome.

Neueste Forschung hat nun nachgewiesen, dass dauerhafter und wiederholter Stress zu einem Verlust von Gehirnleistung, von Erinnerungs- und damit Lernfähigkeit führt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Kind mit 16 Monaten in einer Kita mehr und besser lernt, seine Umwelt zu begreifen und zu „managen“ ist folglich eher gering – hier müssten schon katastrophale häusliche Verhältnisse zusammenkommen mit einer optimalen Betreuung in der Kita. Selbst nach offiziellen Angaben sind aber derzeit deutlich weniger als 10 Prozent der Kitas in Deutschland entsprechend eingerichtet und ausgerüstet.

Links zum Thema
Burkhard Behnke: Behauptung einer Überlegenheit von Krippen gegenüber Familien in der Bildungsförderung kleiner Kinder

Studie: Eunice Y. Yuen et al., Repeated Stress Causes Cognitive Impairment by Suppressing Glutamate Receptor Expression and Function in Prefrontal Cortex. Neuron, 73/5, 962-977, 8 March 2012

Hören Sie hierzu auch Arno Stern im Interview mit Jennifer Hein

Frage: Kann ich mein Baby auch mal vorübergehend allein lassen?

Antwort: Es ist sicher nicht schädlich, Babies und Kleinkinder daran zu gewöhnen, dass sie ab und zu auch einmal von jemand anderem versorgt werden, vom Vater z.B. oder von der Großmutter oder einem anderen Verwandten oder einer Nachbarin.

Aber Kleinkinder zurücklassen, um regelmäßig zur Arbeit zu gehen, erfordert sehr viel mehr Sorgfalt. Das braucht Regelmäßigkeit, und es muss immer dieselbe Person sein, die für das Kind sorgt. Es reduziert sich letztlich auf die Frage: Hat das Kind eine sekundäre Bindung zu dem Menschen, der für das Kind sorgt, oder hat es diese nicht?

Um sich zu emotional ausgeglichenen und sozial kompetenten Erwachsenen zu entwickeln, brauchen Kinder eine beträchtliche Menge an Zeit sowie die feinfühlige Aufmerksamkeit ihrer Bezugspersonen.

In der Bindungstheorie wird als primäre Bezugsperson der Mensch bezeichnet, zu dem das Kind die wichtigste, lebenslange, emotionale Bindung aufbaut, und von dem es am liebsten getröstet werden möchte, wenn es Angst oder Schmerzen hat. Normalerweise, aber nicht notwendigerweise, ist das seine leibliche Mutter.

Der Ausdruck sekundär gebundene Bezugsperson bezieht sich auf einige wenige besondere Menschen im Umkreis des Kindes, zu denen es eine enge ergänzende Beziehung aufbaut, also Geschwister, Großeltern, Kindermädchen, Babysitter, und besonders natürlich die Väter, die oft ihre eigene ganz einzigartige Bindung zum Kind haben. Diese Personen können Babies und Kleinkindern Trost und Sicherheit bieten, wenn ihre primäre Bezugsperson einmal nicht anwesend ist.

In einem normalen Alltag können Babies, Kleinkinder, Kinder und Erwachsene mit einem jeweils altersgemäßen, vorhersagbaren und kontrollierbaren Stress gut umgehen. Diese Erfahrungen erzeugen normale Cortisol-Level, die sehr wichtig für die Körperfunktionen sind. Cortisol steigt morgens an und fällt dann im Laufe des Tages wieder – abhängig von vielen psychologischen und physiologischen Faktoren.

Die Abwesenheit der Mutter oder einer anderen primären Bezugsperson erzeugt Dauerstress beim Kleinkind. Wenn Babies und Kleinkinder aber hinterher wieder mit ihren primären Bezugspersonen zusammen sind, und sie genügend Zeit und sensible Zuwendung erhalten, dann können sie normalerweise genügend gut getröstet und beruhigt werden, so dass ihr Cortisolspiegel bis zum Schlafengehen wieder seinen normalen Spiegel erreicht.

Frage: Welche Kriterien für eine gute Kita sollten wir beachten?

Antwort: Hier liegt leider häufig der Hase im Pfeffer. Es gibt eine Reihe von Qualitäts-Anforderungskataloge verschiedener pädagogische, medizinischer und psychologische/psychiatrischer Organisationen und der Gesetzgeber selbst hat an verschiedenen Stellen die Ziele und Qualitätsmaßstäbe formuliert (s. Verweise unten), aber die große Mehrheit der vorhandenen Kitas kann diesen Qualitätsmaßstäben bisher nicht gerecht werden.

Damit steigt die Gefahr, dass Ihr Kind auch bei gleitender Eingewöhnung in den Kita-Alltag Schaden nimmt. Bindung an einen oder wenige vertraute Menschen in vertrauter Umgebung ist für das Kind eine Überlebensnotwendigkeit. Nur wenn eine Kita diese Grundvoraussetzung gewährleisten kann, sollten Sie ihre Tochter den dort angestellten fachkundigen BetreuerInnen anvertrauen.

Die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ hat einen solchen Mindestkatalog formuliert. Daraus die wichtigsten Punkte. Erläuterungen und Einzelheiten in der Kurzfassung des Dokuments:

  • Das Verhältnis von betreuten Kindern zu BetreuerInnen sollte für Kinder von 12 bis 24 Monaten sein:
    1 Betreuerin für maximal 3 Kinder. „Bei Personalausfall werden nur Erzieher zur Vertretung herangezogen, die den Kindern bekannt sind.“
  • Die Räumlichkeiten sollten einen Platzbedarf von 6 m² pro Kleinkind berücksichtigen.
  • In der Krippe muss eine adäquate Säuglings- und Kleinkindergrundpflege gewährleistet sein. Die BetreuerInnen müssen „mit den Standards der Kleinkindernährung und den medizinischen Grundleistungen, die das Versorgungssystem für Säuglinge und Kleinkinder vorhält, vertraut sein“.
  • Es muss gewährleistet sein, dass eine stabile, feinfühlige Bindungen an eine vertraute Bindungsperson über die gesamte Betreuungszeit möglich ist. Voraussetzung: „Aufbau von Sekundärbindung sollte grundsätzlich erst nach Etablierung einer sicheren Primärbindung erfolgen“. Heisst: Die Bindung an Mutter und/oder Vater ist fest und verlässlich etabliert.
    „Erzieher müssen in der Lage sein, ein Rollenverständnis als Sekundärbindungsperson zu entwickeln, um die Entstehung konkurrierender Bindungen zu vermeiden.“
  • Die Trennung von der/den vertrauten Bindungspersonen (Mutter, Vater) verursacht in jedem Fall beim Kleinkind einen Dauerstress. Wenn dieser Stress nicht durch verlässliche „Sekundärbindung“ an eine Betreuungsperson abgefedert wird, kommt es zu dauerhaften psychischen und Verhaltens-Störungen. Das Kita-Personal sollte darin geschult sein, diese Stresssymptome beim Kleinkind richtig zu deuten und entsprechend zu reagieren.
  • Das Kitapersonal sollte im Umgang auch mit Kindern aus problematischen Betreuungsverhältnissen geschult sein.
  • Die Eltern werden soweit wie möglich in den Kita-Alltag einbezogen.
    „Krippen sollten als Eltern-Kind-Zentren ausgerichtet sein und bereits in der Konzeption ein starkes Augenmerk auf die Kooperation mit den Eltern richten.“
    „Zwischen Eltern und Erziehern wird eine Erziehungs- und Bildungspartnerschaft aufgebaut, die auf Vertrauen und Transparenz fußt. Eltern werden als Experten für ihr Kind und seine Entwicklung wahrgenommen und behandelt.“

Quelle: Mindestkatalog der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ)

Frage: Worauf sollte ich bei der Krippen-Auswahl besonders achten?

Antwort: Die Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung hat es in einem Memorandum so formuliert: „In den ersten drei Lebensjahren wird die Grundlage für die seelische Gesundheit eines Menschen gelegt. In dieser sensiblen Entwicklungszeit bedeuten regelmäßige ganztägige Trennungen von den Eltern eine besondere psychische Belastung für die Kinder. …

Während der ersten 36 Lebensmonate ist das Kind wegen seiner körperlichen und seelischen Verletzlichkeit ganz besonders auf eine schützende und stabile Umgebung angewiesen. Es bindet sich an die Menschen, die ihm am verlässlichsten zur Verfügung stehen. Bindung ist für das Kind eine Überlebensnotwendigkeit. Sie bildet die Grundlage für sein Selbstwertgefühl und seine Fähigkeit, tragfähige Beziehungen aufzubauen. Seine emotio¬nale und kognitive Entwicklung wird in der frühen Kindheit durch die Stabilität seiner Beziehungen gefördert…“.

Die DPV fordert ein stärkeres „gesellschaftliches und individuelles Bewusstsein für die Bedeutung früher Trennungserfahrungen…“

Die derzeitige Diskussion um Krippen und den beschleunigten Krippenausbau für Kinder unter drei Jahren erscheine „zu kurz gegriffen, wenn sie sich nur auf demographische, bildungs- und arbeitsmarktpolitische Aspekte konzentriert…“

DPV: „Es ist Forschungs- und Erfahrungswissen (und keine Ideologie), dass für die Entwicklung des kindlichen Sicherheitsgefühls, für die Entfaltung seiner Persönlichkeit und für die seelische Gesundheit eine verlässliche Beziehung zu den Eltern am förderlichsten ist. Gerade in den ersten drei Lebensjahren ist die emotionale und zeitliche Verfügbarkeit von Mutter und Vater dafür von großer Bedeutung.“

„Allgemein gilt: Je jünger das Kind, je geringer sein Sprach-und Zeitverständnis, je kürzer die Eingewöhnungszeit in Begleitung der Eltern, je länger der tägliche Aufenthalt in der Krippe, je größer die Krippengruppe je wechselhafter die Betreuungen, um so ernsthafter ist die mögliche Gefährdung seiner psychischen Gesundheit.“

Wenn zwingende äußere Umstände diese Trennung notwendig machen, sollten Sie diese drei Punkte bei der Auswahl der Krippe oder der Tagesmutter berücksichtigen:

  • Ist eine längere Eingewöhnungszeit möglich, in der Sie in „Reichweite“ Ihres Kindes bleiben können? Denn erst langsam entwickelt das Kind die Fähigkeit, die Abwesenheit der Eltern seelisch zu verkraften, indem es sich an sie erinnern und an sie denken kann.
  • Gibt es ausreichendes geschultes Personal und damit die Möglichkeit, dass für Ihr Kind eine Bezugsperson verlässlich und mit ausreichend Zeit zur Verfügung steht? Und sind gleichmäßige Alltagsabläufe und regelmäßige Alltagsstrukturen  garantiert? Ist das nicht der Fall, besteht die Gefahr, dass das im ersten Lebensjahr durch Ihre liebevolle Betreuung erworbene „Urvertrauen“ zerstört wird – mit weitreichenden Folgen für die psychische und auch die physische Gesundheit ihres Kindes.
  • Ist gewährleistet, dass Ihr Kind dauerhaft immer in der gleichen Krippe von den gleichen Personen betreut wird? Jeder Krippenwechsel oder Wechsel einer Tagesmutter bedeutet für das Kind eine erneute Erfahrung von Bindungsverlust, mit dem ein Zweijähriger noch nicht fertig wird und oft in psychosomatische Störungen „ausweicht“.

Links zum Thema
Memorandum der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung zum Krippenausbau in Deutschland

Frage: Wie bald braucht mein Baby Freunde?

Antwort: Kinder können besonders dann gut auf andere Kinder zugehen, wenn sie selbst sicher in der Bindung zu ihren Eltern sind. Im ersten Lebensjahr ist es also wichtiger, an der Eltern-Kind-Bindung zu arbeiten, als dem Kind soziale Kontakte zu ermöglichen, die es vielleicht noch gar nicht will.

Im zweiten Lebensjahr fangen Kinder an, sich auch ein bisschen mit anderen Kindern zu beschäftigen. Sie teilen gelegentlich Spielzeug und plappern vor sich hin. Wirklich miteinander spielen werden Kinder aber meist noch nicht, vielmehr sitzen sie nebeneinander, während jeder mit sich selbst beschäftigt ist.

Als am besten für Kinder hat es sich erwiesen, wenn sie in den ersten beiden Lebensjahren nicht zu viel neue Bekanntschaften machen. Sie spielen und kommunizieren in diesem Alter am liebsten mit vertrauten Personen.

Auf die Frage, ob Freunde für ein kleines Kind nötig sind, ist die Antwort: Ja – aber nicht viele, und nicht zu früh!

Hören Sie hierzu auch Arno Stern im Interview mit Jennifer Hein

Frage: Warum teilen Zweijährige nicht mit anderen? Und warum zeigen Krippenkinder dieses Verhalten seltener?

Antwort: Kinder im Alter zwischen 20 und 28 Monaten sind total überzeugt, dass alles, was sie sehen, ihnen gehört. Sie können zu diesem Zeitpunkt nicht anders denken. Sobald sie etwas entdecken, greifen sie danach; besonders nach dem, was ein anderes Kind in der Hand hält.

Es hilft nicht, in diesem Zeitraum mit dem Kind das Teilen zu üben. Diese Phase dauert 4 bis 6 Monate, je nachdem, wie viel Abgabestress das Kind in dieser Zeit hat. Eltern können den Prozess beschleunigen, wenn sie wenig Aufhebens darum machen, die Kinder im Konfliktfall trennen und das Spielzeug weglegen, wenn Vermittlungsversuche nicht gleich fruchten. Erst zwischen zweieinhalb und drei Jahren verstehen und unterscheiden die Kinder die Worte meins und deins. Dann geben sie ab, um etwa ein Spiel aufrecht zu erhalten.

Da diese heftigen Reaktionen der Zweijährigen entwicklungsbedingte Gründe haben, zeigen sie dies hauptsächlich in sicheren Situationen, d.h. in Anwesenheit der Eltern. In Fremdsituationen ohne Eltern fühlen sich Kleinstkinder nicht oder wenig sicher. Dann versuchen sie seltener, ihre Bedürfnisse zu äußern und durchzusetzen. Das ist für kurze Zeiten zwar zuträglich, wenn die Kinder jedoch häufig und langfristig ihre Bedürfnisse aufgrund unsicherer Bindungen zurückstellen müssen, zeigt sich das in Entwicklungsverzögerungen.

Links zum Thema
Nikolaus Steinbeis, Boris C. Bernhardt, Tania Singer, Impulse Control and Underlying Functions of the Left DLPFC Mediate Age-Related and Age-Independent Individual Differences in Strategic Social Behavior, Neuron, 8 March 2012; 73(5) pp. 1040 – 1051

von Dr. Erika Butzmann, aus Elternkompetenzen stärken, Reinhardt-Verlag, München, S. 27f., 45f.

Frage: Wie lernen Babys sprechen?

Antwort: Frühkindliche Bildung beginnt bei der ersten Begegnung zwischen Mutter und Kind, Vater und Kind.

Eine liebevolle Begrüßung, eine zarte Berührung, ein Blickaustausch, eine erneute Ansprache mit genüsslichem Zurücklehnen und gemeinsamer Freude sind grundlegende Elemente der Verständigung zwischen Eltern und Kind. Sie vermitteln die Botschaft: „Wunderbar, dass du da bist.“

„Beziehung und Gespräch, Liebe und Haltung zum Kind ergeben ein Mosaik elterlicher und kindlicher Interaktionsmöglichkeiten, auf dem Erziehung und Bildung erst möglich werden“, schreibt Ursula Horsch.

Links zum Thema
„Zwiegespräch mit einem Baby“

Frage: Frühe Förderung von Migrantenkindern beim Erwerb der deutschen Sprache ist wichtig für deren späteren Lebensweg in Deutschland. Ist da die Krippe nicht der beste Weg zum rechtzeitigen Erwerb der deutschen Sprache?

Antwort: Migrantenkinder sollen zunächst ihre Muttersprache in der Familie erlernen, um ihre kulturelle Zugehörigkeit und Identität zu festigen. Erst danach, im Kindergartenalter von 3 – 4 Jahren, ist für sie die beste Zeit, die deutsche Sprache zu erlernen.

„Was … spricht dagegen, dass sie (Migrantenkinder) bis zum Kindergarteneintritt vorwiegend ihre Landessprache erlernen und parallel, vor allem aber später im Kindergarten, hinsichtlich der deutschen Sprache in besonderer Weise gefördert werden? Es ist wenig sinnvoll, sie wegen einer Sprachfrühförderung aus ihren Familien herauszureißen, dass sie nun vielleicht noch Mängel im Bindungsaufbau erleiden. Oder will man behaupten, dass Migrantenmütter durchschnittlich ihren Kindern weniger Zuwendung geben?“, Burghard Behncke

Frage: Ist die Krippe für sozial benachteiligte Kinder nicht ein Segen?

Antwort: Die Untersuchungen von G. Fein (1996), als auch von Ziegenhain und Wolff (2000), kommen zu dem Ergebnis, dass viele jener Kinder, die Unterstützung am nötigsten gebraucht hätten, da sie eher als schwierig galten und bisher keine sichere Bindungen aufbauen konnten, offensichtlich keine Integration in die Krippe erlangten. Sozial benachteiligten Kindern schadet ein stundenlanger Krippenaufenthalt mit noch höherem Risiko als den Kindern aus sozial stabilen Verhältnissen.

Frage: Was denken Politiker über die finanzielle Lage von Familien und den „Lastenausgleich“ zwischen Eltern und Paaren ohne Kinder einerseits sowie zwischen selbt-erziehenden Eltern und Eltern, die eine überwiegend staatlich finanzierte Fremdbetreuung in Anspruch nehmen?

Lesen Sie hierzu den Beitrag: Eltern-/Betreuungsgeld oder Herdprämie?

Frage: Profitieren Kleinkinder (0-3 Jahre) tatsächlich von eine Gruppenbetreuung etwa in der Kita? Lernen sie dort besser als in der Familie, sich sozial zu verhalten? und macht die Kita schlauer (Steigerung der kognitiven Fähigkeiten)?

Antwort: Kleinkinder sind in der Kinderkrippe einem messbaren erhöhten psychischen Stress ausgesetzt (Vermeer u. van Ijzendoorn 2006). Es besteht bei erhöhter Sensitivität (bzw. verminderter Resilienz) das Risiko, dass er zu Hirnschädigungen führt. Der Stress entsteht durch frühe Mutter-Kind-Trennung und den Aufenthalt in einer größeren Kindergruppe in einem Alter, in dem ein Kind noch nicht reif für gegenseitige ausdauernde Kooperation ist.

Hören Sie hierzu auch Arno Stern im Interview mit Jennifer Hein

Frage: Mein Kind lügt! bzw. Wie entwickelt sich das Regelverstehen beim Kind?

Antwort: Mit ca. zwei Jahren wissen Kinder schon, was die Eltern gut finden und was nicht. Sie können sich zuerst jedoch nur danach richten, wenn die Eltern anwesend sind. Ist das Kind allein, tut es unbekümmert das, was es will.

Im nächsten Entwicklungsschritt sagt das Kind zu sich selbst, es dürfe das nicht, wenn es sich mit etwas Verbotenem beschäftigt. Es kann das zwar noch nicht lassen, aber der Einfluss der Eltern ist jetzt schon so stark, dass er auch in deren Abwesenheit ins Bewusstsein des Kindes kommt. Zu beobachten ist dieses Verhalten insbesondere, wenn Kinder mit ihren Puppen oder Teddys sich selbst spielen. In dieser Phase üben die Kinder „unbewusst“ die Regeleinhaltung im Spiel.

Wenn die Kinder sich weiterentwickelt haben, schieben sie die Schuld für ihre Vergehen auf andere. Sie wissen jetzt einigermaßen, was richtig und was falsch ist. Aufgrund ihrer ichbezogenen Denkweise sind sie im Einzelfall auf die regelwidrige Sache so kon-zentriert, dass sie ihr falsches Verhalten nicht registrieren. Sie können zwei Sichtweisen einer Sache noch nicht gleichzeitig bedenken. Das stellen sie erst hinterher fest und sind über das Fehlverhalten sehr erschrocken. Da zu diesem Zeitpunkt ihr positives Selbstwertgefühl vom richtigen eigenen Verhalten abhängig ist (sie bestehen oft auf Lob für ihr richtiges Regelverhalten), denken sie sich sofort eine passende Geschichte aus. Diese „Lüge“ hinterlässt kein schlechtes Gewissen, weil die vorlogische Denkweise des Kindes bis ca. fünf Jahren dazu führt, dass es Wahrheit und Lüge, Fantasie und Wirklichkeit in Notsituationen nicht klar trennen kann. In dem Augenblick glaubt es selbst an seine Geschichte, so dass es die „Lüge“ überzeugend vorbringt.

Mit ungefähr vier Jahren haben die meisten Kinder schon eine schwache innere Bremse, wenn sie auf freundliche, aber bestimmte Weise an Regeln gewöhnt wurden. Sie sind oft stolz, dass sie allein „wissen“, was richtig und was falsch ist. Ein gutes Vorbild durch andere Kinder beschleunigt diese Entwicklung. Die allgemeinen Prinzipien, die den Verboten und Geboten der Erwachsenen zugrunde liegen, verstehen sie jedoch noch nicht. Deshalb „petzen“ sie, wenn sie die Regelverletzung durch andere bemerken; denn sie sehen in den Erwachsenen die zuständige Instanz für die Regelüberwachung.

Mit fünf Jahren kennt das Kind die Regeln, verhält sich aber häufig nur danach, wenn sie für das Kind von Vorteil sind. Mit ca. sechs Jahren begreifen Kinder Regeln erst richtig: Sie entdecken, dass Regeln notwendig sind, da sonst dauernd etwas schief geht. Sie achten dann besonders auf die Einhaltung der Regeln.

von Dr. Erika Butzmann aus Elternkompetenzen stärken, Reinhardt-Verlag, München

Frage: Ab wann können Kinder teilen?

Antwort: Zwischen dem ersten und dem zweiten Lebensjahr eignet sich ein Kind alles an, was es „gebrauchen“ kann, und lässt es liegen, sobald es nicht mehr daran interessiert ist.

Um den zweiten Geburtstag herum wird es zum wahren Hamsterer: Es sagt fortwährend „meins“ und will alles haben, was es sieht.

Mit ungefähr drei Jahren beginnt es mit dem Weggeben, da die Kontaktsuche in den Vordergrund tritt. Ab vier Jahren ist (bei gutem Vorbild, besonders durch andere Kinder) Teilen möglich.

Erst mit ungefähr sechs Jahren tritt „ehrliches Teilen“ auf. Dabei muss sich das Kind wohlfühlen: Traurigsein und Versagensgefühle verringern die Bereitschaft zum Teilen.

von Dr. Erika Butzmann, aus Elternkompetenzen stärken, Reinhardt-Verlag, München

Frage: Was kennzeichnet das soziale Denken beim 1- bis 2-jährigen Kind?

Antwort: Das Kind denkt ichbezogen. Es kann nur an sich selbst denken und hält sich für den Mittelpunkt der Welt. Es glaubt, dass alle anderen genauso denken wie es selbst.

Das Kind versteht keine Regeln. Was Spaß macht und spannend ist, ist gut. Was mit Schmerz und Angst verbunden ist, ist böse.

Der eigene Standpunkt ist der einzig mögliche. Die Interessen anderer werden nicht erkannt. Nur die genetisch bedingte Gefühlsansteckung führt dazu, dass es sich manchmal sozial verhält.

Das Kind lässt sich nur von seinem eigenen Können und Wollen leiten. Es tut nur das, was es will, solange es nicht daran gehindert wird. Gleichzeitig ist es sehr manipulierbar von Personen, die es mag.

Das Kind handelt und denkt spontan. Es wird von seinen Gefühlen beherrscht und kann sein Verhalten noch nicht vernünftig steuern.

Das Kind hat noch kein Gewissen und ist noch nicht fähig zur Einsicht. Es kann noch nicht von sich aus beurteilen, dass es etwas Schlimmes angestellt hat; es ist lediglich über die Reaktionen der anderen erschrocken und möchte das wieder rückgängig machen. Dadurch lernt es jedoch, in kleinen Schritten, was richtig und was falsch ist – wenn es dafür nicht bestraft wird!

Menschen werden als „Quelle der Versorgung“ wahrgenommen. Andere Kinder werden wie Spielzeug behandelt.

Das Kind kann sich nicht in die Rolle eines anderen Menschen hineinversetzen. Es unterscheidet nicht zwischen seinen Gedanken und Gefühlen und denen der anderen. Es setzt seine Ansicht mit der der anderen gleich. Deshalb kommt es manchmal zu auffällig sozialen Verhaltensweisen. Das Kind gibt dann dem Druck durch andere nach und deutet das als seinen eigenen Willen.

Es betrachtet sich und die anderen als Mittel oder Hindernis für die eigenen Ziele. Es kann nur seine eigenen Wünsche und Ziele bedenken, ohne Konsequenzen für sich selbst oder für andere dabei zu berücksichtigen.

Mit ca. zwei Jahren hat das Kind seine geistigen Fähigkeiten soweit ausgebildet, dass es einfache Anweisungen versteht und befolgen kann, wenn es ihm gut geht. Der Grund für das Bemühen des Kindes, den Eltern zu gehorchen, ist in der Angst begründet, die Liebe der Eltern zu verlieren. Hinzu kommt, dass das Kind sein bisher durch die Liebe der Eltern entstandenes positives Selbstwertgefühl halten will. Wenn die Eltern verärgert sind, sinkt das Selbstwertgefühl des Kindes. Um dies auf gleichem Niveau zu halten, bemüht sich das Kind, sich immer besser nach den elterlichen Anweisungen zu richten.

von Dr. Erika Butzmann, aus Elternkompetenzen stärken, Reinhardt-Verlag, München