FamilienErgo - Lernen durch Tun 2 Foto iStock @EllenaZDer Wilhelmshavener Kinder- und Jugendarzt Dr. Rupert Dernick ist überzeugt, dass Kinder im Familienalltag am besten für die Schule und auch fürs Leben lernen. Eltern sollen ihren Nachwuchs deshalb von Anfang an zum Mithelfen ermuntern und durch altersangemessene Tätigkeiten optimale Bedingungen für die Entwicklung bieten.
Wie die Idee zu FamilienErgo entstand und sich daraus nach und nach das Konzept entwickelte, erzählt Dr. Rupert Dernick im Folgenden persönlich.

Erlebnisse, die mich zum Nachdenken brachten

In der Entstehung der FamilienErgo gab es einige Schlüsselerlebnisse. Einmal wollte ich meine 6-jährige Tochter und ihre Freundin kurz im Auto lassen, um gerade eine Kiste Wasser und ein paar Kleinigkeiten einzukaufen. Die beiden bestanden darauf, mitzukommen, und waren so stolz, die schwere Wasserkiste mit Hilfe des Einkaufswagens bis zur Kasse transportieren zu können.

Wenig später kam mir am Muttertag ein etwa 5 Jahre alter Junge aus der Bäckerei entgegen, der gerade die Brötchen für das Frühstück geholt hatte. Seine Augen leuchteten.

In der Praxis: Sorgenvolle Eltern

In dieser Zeit kamen einige Eltern zu mir in die Praxis, die sehr besorgt waren, ob Ihre Kinder, meist Jungen, in der Schule zurecht kommen würden. Die Eltern waren so verunsichert, dass sie die Schulvorbereitung ihrer Kinder am liebsten an professionelle Kräfte (Pädagogen, Ergotherapeuten) delegieren wollten.

Viele dieser Vorschulkinder wurden nach der ärztlichen Untersuchung von ihren (knieenden!) Müttern angezogen, bekamen zu Hause ihr Brot geschmiert und einige räumten nach dem Essen noch nicht mal ihren eigenen Teller weg.

FamilienErgo – von der Idee zum Konzept

Wenn ich den Eltern dann berichtete, was sie selbst zu Hause zur Stärkung und Förderung ihrer Kinder tun können, waren die Eltern mal dankbar, mal erstaunt.

2005 habe ich die häuslichen Fördermöglichkeiten zusammengeschrieben und dabei viele Ideen aus meinem Umfeld verarbeitet:

FamilienErgo - Lernen durch Tun 3 Foto iStock @ tatyana_tomsickova

Die Anziehstraße hat meine Frau unseren Kindern abends hingelegt, um den Morgenstress zu verringern.

Das Navigationsspiel (die Kinder müssen den Weg nach Hause beschreiben) haben wir gemeinsam mit viel Spaß beim Nachhausebringen der Kinder vom Kindergeburtstag erfunden.

Den Begriff „Sockenmemory“ für Sockenlegen hat eine Patientin geprägt.

So habe ich FamilienErgo von den Kindern gelernt, von meinen eigenen und von meinen Patienten.

Auch der FamilienErgo-Song „Lass mich mal ran“ (bei YouTube) ist aus diesem Geist entstanden. Bei FamilienErgo geht es nicht um das „Anschieben“ der Kinder, sondern darum, das zuzulassen, was in den Kindern steckt und die Entwicklungsschritte der Kinder zu begleiten.

Die Kinder zeigen uns den Weg

Die Augen der Kinder zeigen uns mit ihrem Strahlen, ob wir auf dem richtigen Weg sind.

von Rupert Dernick