Das berühmte Loch im Boden - Foto iStock © Filipovic018Es war eine jener Situationen, in denen man sich »ein Loch im Boden« wünscht, in das man schnellstens verschwinden kann. Mein Kind war ungehorsam und frech, und dies vor anderen Leuten. Oft genug habe ich in solchen Situationen emotional reagiert, aber an jenem Tag habe ich es fertiggebracht, den Konflikt mit den Worten „wir werden das zuhause noch besprechen“ zu beenden. Prompt musste ich mir allerdings den Vorwurf anhören, ich sei zu wenig streng und nähme das mit dem Gehorsam doch zu wenig ernst?!

Im späteren darüber Nachdenken kam mir der Gedanke, dass jene Person vielleicht gar nicht so unrecht hatte. In der Tat ist das mit dem Gehorsam so eine Sache …

Gehorsam ist relativ leicht zu erreichen: mit etwas Druck, mit der Androhung von Strafen … Dann wird das Kind aus Angst heraus das tun, was ich sage. Aber ist es das, was ich will?

Auf der anderen Seite der Angst steht die Liebe. Und eine Beziehung, die von Liebe, Annahme und Vertrauen geprägt ist, ist das was ich mir wünsche. Und da spüren wir, das geht soviel tiefer als einfach nur Gehorsam. Als Eltern dürfen wir uns hier herausfordern lassen, an dieser Beziehung zu arbeiten, in diese Bindung zu investieren. Es ist so viel schöner, und fühlt sich so natürlich und richtig an, wenn ich darauf vertraue, dass mein Kind es mir recht machen möchte und dass es sein Bestes gibt.

In jenem angekündigten Gespräch zuhause kam zum Ausdruck, dass das Kind an diesem Tag schon einiges an Frustration und Verletzung einstecken musste. Und dass es sich seines Fehlverhaltens bewusst war und es im Nachhinein auch bereute. Das war ein Moment, der mein Mamaherz zum Schmelzen brachte. Wie viel schöner, wertvoller und freisetzender ist so ein Gespräch als das Verhängen einer Strafe …

Ihre Angela Indermaur

Ein Beitrag aus unserer Kolumne:

Menschen(s)kinder


Uns beschäftigen aktuell öffentlich diskutierte Themen rund um den Erziehungsalltag genauso wie das gesunde Aufwachsen der Kinder und die notwendigen Bedingungen für die optimale Entwicklung ihrer je besonderen Persönlichkeit. In einer regelmäßig erscheinenden 14-tägigen Kolumne geht unsere Kolumnistin Angela Indermaur Fragen zur kindlichen Entwicklung, des Aufwachsens und Lernens nach. Was brauchen Kinder wirklich? Wo bleibt der Freiraum für spontanes Lernen und Selbsterkundung? Müssen Kinder ständig umsorgt, angeleitet und gefordert werden? Schadet Fürsorglichkeit und Geborgenheit unseren älteren Kindern? Welche Aufgabe haben heute Eltern? Wie gelingt der Aufbau einer intensiven Eltern-Kind-Bindung? Gibt man sein Frausein mit dem Muttersein auf und was ist mit den Vätern?