Die 5 Sprachen der Liebe - Gary Chapman

Gary Chapman und Ross Campbell
Die 5 Sprachen der Liebe für Kinder
Wie Kinder Liebe ausdrücken und empfangen
Verlag: Francke-Buch, 6. Aufl.
ISBN: 978-3-868-27437-0
224 Seiten
14,95  Euro

Ich möchte die Rezension dieses wichtigen Buches mit einem Zitat von Gary Chapman aus dem Nachwort seines Werkes beginnen, um die Tragweite der Erkenntnisse gleich zu Beginn hervorzuheben:

„Ich träume von dem Tag, wenn alle Kinder in Familien aufwachsen, in denen Liebe und Geborgenheit herrschen. In solchen Familien werden ihre sich entfaltenden Kräfte in positive Bahnen gelenkt. Und so lernen sie es, sich für andere einzusetzen, anstatt ein Leben damit zu verbringen, der Liebe nachzujagen, die sie zu Hause nicht bekommen haben.“

Meinen und gutmeinen sind zweierlei

Die bedeutungsvollen Worte „Ich liebe dich“ haben in der Menschheitsgeschichte und in vielen Kinderzimmern schon immer für jede Menge Wirbel gesorgt, denn die Worte sind immer dieselben, aber deren Bedeutung nicht.

Wenn wir unseren Emotionen Ausdruck geben, gehen die meisten Menschen davon aus, dass unser Gegenüber diesen Satz so versteht, wie wir ihn meinen. Und doch schwingen so viele individuelle Gefühle mit, die eine eigene Hoffnung, eine Erwartung oder eine Antwort erfüllen beziehungsweise geben sollten. Sie bringen nicht selten Missverständnisse hervor, die zu dem Eindruck führen, dass der vermeintlich Liebe gebende gar nichts versteht.

Jan zum Beispiel ist ein Vater, der über das Lob seines Vorgesetzten oder über die Anerkennung seiner Frau, wenn er dies oder jenes erfolgreich hinbekommen hat, sehr viel Energie und Motivation zieht. Er fühlt sich geliebt. Also gibt er seiner kleinen Tochter auch ein Lob über das gemalte Bild oder eine Anerkennung über ihr Verhalten in einem Streit mit ihrem Bruder. Er „spricht“ also mit seiner Tochter in SEINER Liebessprache. Sie freut sich zwar über das Lob, holt sich aber bei Mama Sonja die heißersehnten Kuscheleinheiten ab – und fühlt sich nicht nur gesehen, sondern auch geliebt.

„Kinder sind durch und durch emotionale Wesen, und auch ihre Sicht von der Welt ist emotional geprägt.“

Sie erfassen Stimmung und Befindlichkeiten sehr viel schneller und zuverlässiger als ihre oft schon zu kopfgesteuerten Eltern und die Erwachsenen in ihrem Umfeld. Umgekehrt verstehen Erwachsene Kinder oft eben nicht emotional und empathisch, vielleicht, weil sie unter anderem dem alltäglichen Druck ausgesetzt sind, dass Kinder ja noch so viel lernen müssen, oder weil sie einfach anders ticken.

Die kleine Sara zum Beispiel braucht Kuscheleinheiten und viel Körperkontakt. Ihre erste Bezugsperson ist aber ein Mensch, der eher körperlich distanziert ist und mit Lob, Anerkennung und liebevollen Erklärungen ihre Liebe zeigt. Beide fühlen sich auf seltsame Weise nicht „verstanden“, und im Laufe der Zeit entsteht ein Graben. Sara ist frustriert, weil ihr ein für sie entscheidendes Merkmal von Liebe fehlt. Und die erste Bezugsperson ist vielleicht verzweifelt, weil sie doch alles tut, was sie kann.

Fakt ist, dass sich nicht alle Kinder und Jugendliche von ihren Bezugspersonen wirklich und bedingungslos geliebt fühlen. Fakt ist aber auch, dass die Eltern (auf der anderen Seite) zu hundert Prozent sicher sind, dass sie ihre Kinder durchaus bedingungslos lieben! Wie kommt es also zu dieser Diskrepanz, die nicht selten zu Verhärtungen führt und Menschen über Jahre oder gar ein ganzes Leben belastet?

Gary Chapmans und Ross Campbells Grundgedanke ist, dass jedes Kind (und jeder Erwachsene) eine bestimmte Art und Weise hat, wie es Liebe am besten geben und am liebsten bekommen würde. Daraus entstanden die fünf Sprachen der Liebe oder auch die fünf Ausdrucksformen der Liebe. Wir sprechen sie zwar alle, haben aber eine Tendenz zu der ein oder anderen, die es individuell zu entdecken und für andere zu sehen gilt.

Die 5 Sprachen der Liebe

  1. Lob und Anerkennung

Kinder, die diese Sprachen verstehen und bevorzugen, fühlen sich durch anerkennende Worte oder ermutigende Ansprachen, ehrliches Lob und verbale Freundlichkeiten, geliebt.

  1. Zweisamkeit bzw. gemeinsame Zeit

Kinder, die sich durch diese Sprache geliebt fühlen, genießen gemeinsame Momente, in denen sie ganz allein im Mittelpunkt stehen und Aufmerksamkeit bekommen. Sie lieben das gemeinsame Spiel, das Vorlesen auf Mamas oder Papas Schoß und ganz allgemein die ungeteilte emotionale Zuwendung.

  1. Geschenke

Hier geht es weniger um den materiellen Wert, sondern mehr um Dinge, die mit Gedanken und als kleine Liebesbeweise überbracht werden. Kleine Mitbringsel, wenn Mama oder Papa unterwegs waren, ein kleines Geschenk zwischendurch, dass gerade in diesem Moment heiß ersehnt war, oder auch der gewonnene kleine Bär von der Kirmes, der stolz mit ins Bett genommen wird.

  1. Hilfsbereitschaften

Kinder, denen diese Sprache am nächsten ist, helfen beim Abwasch oder tragen Papas Schraubenzieher in den Werkzeugkasten. Sie fühlen sich selbst auch geliebt, wenn jemand sie bei eigenen Aufgaben unterstützt und ihnen hilft. Das ist für sie Liebe pur.

  1. Berührungen und Körperkontakt

Kinder, deren vornehmliche Liebessprache der Körperkontakt ist, fühlen sich durch Streicheleinheiten, in den Arm nehmen oder einfach nur Hand-in-Hand-Gehen geliebt. Sie mögen Spiele wie das Toben, Tanzen oder andere, in denen Berührungen eine Rolle spielen, und hauchen Stofftieren gern Leben ein, um sie zu knuddeln, mit ihnen ins Bett zu gehen oder sie an ihrem Leben teilhaben zu lassen.

Bewusstmachung und Beobachtung

Allein das Wissen, das Bewusstwerden um diese „Liebessprachen“ macht es einfacher, in sich selbst das ein oder andere zu verstärken oder abzuschwächen, um Bindung und Beziehung verstehen zu können, denn, so Chapman, …

„Bei einem Kleinkind muss man noch alle fünf Sprachen der Liebe im gleichen Umfang sprechen. Nur so wird es sich seelisch gesund entwickeln.“

Ermitteln Sie die bevorzugte Liebessprache Ihres Kindes weniger über Gespräche bzw. Erfragen, sondern viel mehr durch Beobachtung. Will es etwas leisten? Ein Lob für ein Bild, eine Aufgabe oder eine Hilfe beim Tischdecken, dann braucht es verstärkt die Sprache „Lob und Anerkennung“. Fordert es Zeit für gemeinsame Spiele, bittet es um Vorlesestunden oder gemeinsame Outdoorzeiten, dann tendiert es zur Liebessprache „Zweisamkeit bzw. gemeinsame Zeit“.

Und wenn Sie unsicher sind, bieten Sie ihrem Kind doch einfach eine Wahlmöglichkeit, zum Beispiel zwischen der Sprache der „Zweisamkeit“ und der der „Geschenke“: „Wir könnten (…)“, so ein Beispiel von Gary Chapman, „zusammen angeln gehen oder wir gehen zusammen in ein Sportgeschäft und ich kaufe dir ein paar Fußballschule.“

Praxishelfer

Die Autoren haben ein paar wertvolle praxisorientierte Kapitel nicht vergessen, zum Beispiel Tipps, die helfen, die Muttersprache der Liebe des Kindes zu ermitteln. Auch verschiedene Aspekte wie „Strafen und die Sprache der Liebe“ oder „Lerneifer und die Sprache der Liebe“ sowie „Liebe und Zorn“ wurden eingehend beleuchtet und mit vielen Praxisbeispielen untermalt. Das Kapitel „Alleinerziehende Eltern und die Sprache der Liebe“ gibt schließlich wertvolle Ansätze zum Umgang mit einem „beschädigten Liebestank“ beim Kind und wie er sich reparieren lässt.

Fazit: Liebe ist bedingungslos

„Die Liebe ist das Fundament für alles“, so leitet Gary Chapman seinen Ratgeber ein und betont: „Ganz gleich, welche Liebessprache Ihr Kind am besten versteht, zum Ausdruck kommen muss auf jeden Fall, dass die Liebe bedingungslos ist. Nur eine Liebe, die an keine Bedingungen geknüpft ist, kann ein verlässlicher Wegweiser im Leben sein, denn nur dann wissen wir und unsere Kinder immer, woran wir sind. Ohne diese verlässliche Liebe ist die Erziehung unserer Kinder ein Verwirrspiel.“

von Beate-M. Dapper

Über die Buchautoren:

Dr. Gary Chapman hat Anthropologie studiert und war viele Jahre als Paarberater tätig. Der Experte für Beziehungsfragen ist darüber hinaus Autor zahlreicher Bücher. Sein New York Times-Bestseller „Die 5 Sprachen der Liebe“, aus dem er das „für Kinder“ entwickelte, wurde in 60 Sprachen übersetzt und gilt heute als neuer Schlüssel zur Kommunikation. Er lebt mit seiner Frau in North Carolina, USA.

Ross Campbell war amerikanischer Psychiater und Autor von Erziehungsbüchern. Der ursprüngliche Ingenieurswissenschaftler fand nach wenigen Jahren zur Medizin und arbeitete viele Jahre als Kinder- und Jugendpsychiater. Selbst Alleinautor von zahlreichen Erziehungsratgebern, schrieb er mit Gary Chapman in Kooperation die „Fünf Sprachen der Liebe“. Er starb am 2. November 2012 fast 76-jährig in Tennessee, USA.