Sich gruseln, ein bisschen „Schiss“ haben und dabei ein Kribbeln im Bauch verspüren, diese Dinge gehören zur Kindheit dazu. Und das ist auch gut und richtig so, denn unser Alarmsystem ist am Anfang des Lebens noch völlig unreif und es braucht Training.
Ein bisschen Alarm, zum Beispiel eben jenes Kribbeln im Bauch, sorgt für dieses Training. Damit es beim Training bleibt und nicht zum Ernstfall wird, sind zwei Dinge wichtig:
Alarm im Spiel: Wie Kinder Ängste freiwillig üben
Der Alarm sollte im Spiel stattfinden oder anders ausgedrückt: das Kind sollte die Möglichkeit haben, mit Alarm zu spielen. Spiel bedeutet in diesem Fall, dass es freiwillig ist und dass die alarmierende Situation jederzeit vom Kind aufgelöst werden kann. Das klassische „Versteckspiel“ ist dazu ein gutes Beispiel. Wer hat nicht schon ein Kind erlebt, das sich versteckt hat und plötzlich aus dem Versteck gesprungen kam mit einem lauten „Hier bin ich!“ In diesem Moment wurde der Alarm offensichtlich zu viel. Zu warten, bis man gefunden wird, ging nicht mehr und das Kind löste die Situation auf. Beim nächsten Mal geht es vielleicht schon ein bisschen länger mit dem Warten im Versteck – oder wir Eltern haben erkannt, dass wir die Spannung schneller auflösen und das Kind schneller finden müssen …
Versteckspiele gibt es ja viele. Sie fangen mit dem „Guck-guck-Spiel“ im Kinderwagen an, gehen über Verstecken im Haus, Schnitzeljagden und münden irgendwann vielleicht in ausgeklügelte Geländespiele im Dunkeln. Das ist eine super Sache, denn so wird das kindliche Alarmsystem immer wieder etwas herausgefordert, aber nicht überfordert.
Sicherheit: Mut entsteht im sicheren Hafen
Sich freiwillig in alarmierende Situationen zu begeben, das schafft nur, wer einen sicheren Heimathafen hat. Ich kann mich gut erinnern, wie viel Mut es mich als Kind kostete, in der Jungschar über eine Seilbrücke zu gehen. Doch wenn ein bestimmter Leiter das Sicherungsseil festhielt, ging es viel einfacher. Er war mein sicherer Hafen (und ist es bis heute 😉). Als Eltern dürfen wir unseren Kindern viel Sicherheit geben und sie spielerisch durch alarmierende Situationen begleiten. Wir müssen und sollen nicht jeden Alarm vermeiden, denn wie gesagt: Unser Alarmsystem braucht eine gewisse Herausforderung und Training.
Ihre Angela Indermaur
Ein Beitrag aus unserer Kolumne:
Menschen(s)kinder
Uns beschäftigen aktuell öffentlich diskutierte Themen rund um den Erziehungsalltag genauso wie das gesunde Aufwachsen der Kinder und die notwendigen Bedingungen für die optimale Entwicklung ihrer je besonderen Persönlichkeit. In unserer Kolumne geht die zert. Neufeld-Kursleiterin Angela Indermaur Fragen zur kindlichen Entwicklung, des Aufwachsens und Lernens nach. Was brauchen Kinder wirklich? Wo bleibt der Freiraum für spontanes Lernen und Selbsterkundung? Müssen Kinder ständig umsorgt, angeleitet und gefordert werden? Schadet Fürsorglichkeit und Geborgenheit unseren älteren Kindern? Welche Aufgabe haben heute Eltern? Wie gelingt der Aufbau einer intensiven Eltern-Kind-Bindung? Gibt man sein Frausein mit dem Muttersein auf und was ist mit den Vätern?
