24-Stunden-Kita - Foto jandrielombard © iStockIn den vergangenen 10 Jahren haben Abend- und Nachtarbeit um 46 Prozent, die Wochenend-Arbeit um 12 Prozent, die Schichtarbeit um 24 Prozent zugenommen. So jetzt die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag. In gleichem Umfang bewegt sich die Zunahme der „atypischen“ und „prekären“ Arbeitsverhältnisse.

Drastische Veränderung der Arbeitswelt

Gleichzeitig haben sich psychische Erkrankungen, Depression und „Burn-Out-Syndrom“, zu den häufgsten Gründen für Fehlzeiten am Arbeitsplatz und für Frühverrentung entwickelt (dazu die Daten in der Antwort der Bundesregierung sowie Studien der AOK und der Gewerkschaften).

Besonders kritisch sind aber die Folgen für die Kinder und damit für die Zukunft der Gesellschaft: Der wachsende Anteil schon der Kleinstkinder in Fremdbetreuung und wichtiger noch, die immer längeren und unregelmäßigen Betreuungszeiten bis hin zur steigenden Nachfrage nach 24-Stunden-Kitas.

Wenig sinnvoll ist da die Klage über, oder gar die moralische Verurteilung des „Symptoms Fremdbetreuung“ ohne eine Vorstellung von Lösungen für die Ursachen des Problems in der Arbeitswelt und am Arbeitsmarkt. Weit schlimmer aber ist die Flucht von Teilen der Politik und der Medien aus der Verantwortung durch die …

… Umdeutung des „Problem-Symptoms Fremdbetreuung“ zur einzig denkbaren Problem-Lösung

Schon der Aufenthalt eines Ein- oder Zweijährigen in einer Krippe über einen gesamten „Arbeitstag“ fünf Tage pro Woche hinterlässt – durchaus auch messbar, wie etwa bei dem dauerhaft hohen Cortisolspiegel – Spuren, die für viele der Kinder die Gefahr von Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörung bedeuten. Das gilt umso mehr, wenn sich das Kind auch noch dem wechselnden Arbeitsrhythmus über Tag und Nacht, über Woche und Wochenende anpassen muss.

Die Welt, auf die es doch so neugierig ist und auf die es sich aus gesichertem Vertrauen so gern einlassen würde, wird für das Kind  zum bedrohlichen, unvorhersehbaren und undurchschaubaren Wechselspiel von Trennung und Verlust (für ein einjähriges Kind ohnehin immer wieder als endgültig empfunden) und dem unsicheren Wiederfinden der elterlichen Zuwendung, auf die es sich dann irgendwann nicht mehr einlassen kann.

Die Suche nach echten Problemlösungen muss jetzt (!) beginnen

Die 24-Stunden-Krippe ist vermutlich die brutalst-mögliche, rein administrative Regelung des Eltern-Kind-Verhältnisses in einer 24-Stunden-Dienstleistungsgesellschaft. Die politische Seligsprechung dieser Notlösung be- oder verhindert das Nachdenken über kreativere, vor allem aber kindgemäßerer Betreuungsformen – und verspielt so viele gerade der Zukunftspotentiale, die diese Dienstleistungsgesellschaft für das Überleben im globalen Wettbewerb braucht.

Obwohl es in der Wissenschaft – von der Pädagogik über die Psychologie bis hin zur Neurobiologie und Hirnforschung – überhaupt keinen Dissenz gibt über die schädigenden Wirkungen solcher Betreuungsverhältnisse (sehr wohl allerdings über die Grenzen, in denen einem Kleinkind Fremdbetreuung zugemutet werden und in denen es ab einem bestimmten – welchem? – Alter sogar davon profitieren kann), scheint in weiten Politikkreisen, aber auch bei vielen praktizierenden Pädagogen und ErzieherInnen eine Art Gedankenbremse zu greifen – in Ehr-Furcht vor der Übermacht und Unantastbarkeit scheinbarer Gesetzmäßigkeiten der wirtschaftlichen und finanziellen Dynamik.

Es ist höchste Zeit, die Kreativitätsbremsen zu lockern!

von Redaktion fürKinder

Quelle: Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage“ von Abgeordneten der „Linken