ADHS eine Generation - Foto 123RF © leminuitKinderärzte warnen vor übereifrigen Kinderärzten.

Innerhalb weniger Jahre hat sich die Diagnose ADHS und die Verschreibung von Psychopharmaka, vor allem Ritalin, mehr als verdoppelt – ebenso in Deutschland wie in den USA.

Jetzt warnen Berufsorganisationen der Pädiater ihre Kollegen in beiden Ländern vor den voraussehbaren Folgen dieser Überdiagnose und überzogenen Pharmakotherapie.

90 Prozent der US-Pädiater setzen sich über die Richtlinien zu ADHS hinweg

Mit Fassungslosigkeit reagierten in diesen Tagen Repräsentanten der pädiatrischen Berufsorganisationen in den USA auf eine Studie, die enthüllte, dass sich volle 90 Prozent der Pädiater in den USA über die offiziellen Richtlinien der American Academy of Pediatrics (AAP) hinwegsetzen und sehr viel häufiger als notwendig Psychopharmaka und vor allem Ritalin schon für Kleinkinder verordnen.

Wissenschaftler vom Cohen Children’s Medical Center in New York hatten diese Werte in einer repräsentativen Untersuchung ermittelt.

„Uns ist nicht klar, warum so viele Ärzte, auch wenn sie sich auf die ADHS spezialisiert haben, sich nicht an die Richtlinien der AAP halten,“ grübelte Studienleiter Dr. Andrew Adesman. „Da inzwischen die Richtlinien auch Vorschulkinder erfassen, werden wahrscheinlich noch mehr Kinder mit ADHS diagnostiziert und entsprechend behandelt werden, noch bevor sie überhaupt in den Kindergarten kommen. Hausärzte und Kinderärzte sollten unbedingt als Einstieg verhaltenstherapeutische Maßnahmen statt Psychopahrmaka empfehlen.“

In Deutschland warnt die Deutsche Gesellschaft für Soziale Pädiatrie (DGSP)

Als Ergebnis eines Experten-Hearings in Hamburg, gemeinsam mit der Berliner Gesellschaft für Soziale Psychiatrie  unter dem Titel „ADHS – Eine Kinder- und Jugendgeneration wird krankgeschrieben. Gegen die Medikalisierung eines gesellschaftlichen Problems durch Psychopharmaka und Methylphenidat!“ veröffentlichte jetzt die Deutsche Gesellschaft für Soziale Päditrie e.V. (DGSP) ein ausführlich begründetes Positionspapier, in dem nicht nur vor Überdiagnose und Übertherapie gewarnt, sondern auch die aggressiven Marketing- und Informations-Strategien der Pharmaindustrie und die mangelnden Kontrollen ungewöhnlich scharf kritisiert werden.

von Redaktion fürKinder

Links zum Thema

Positionspapier

„Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung(ADHS), Ritalin und Psychopharmaka“, Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V.

Abstract

Jaeah Chung et al., Medication Management of Preschool ADHD by Pediatric Sub-Specialists: Non-Compliance with AAP Clinical Guidelines

Quelle: Eurekalert