Wahrnehmung des Kleinkindes - Foto Souza © pixelioKleinkinder denken, lernen und nehmen ihre Umwelt anders wahr als Erwachsene und auch anders als nur wenig ältere Kinder. Diese Erkenntnis ist weder neu noch spektakulär, wird jedoch bei der systematischen „Förderung“ und „Bildung“ der Jüngsten oft genug übersehen.

Wie frühkindliche Wahrnehmung funktioniert, zeigt eine britische Studie, die in mehreren Experimenten untersuchte, warum Kleinkinder glauben, unsichtbar zu sein, wenn sie sich die Augen zuhalten.

Schau mir in die Augen! – Wahrnehmung im Kleinkindalter

In vier Experimenten gingen Forscher an der Universität Cambridge diesem Phänomen nach. Zunächst einmal setzten sie den Kindern im Alter von zwei und vier Jahren eine undurchsichtige Brille auf und fragten dann: „Kann ich Dich sehen?“ Fast alle Kinder antworteten mit „Nein!“. Anscheinend hielten sich die Kinder für unsichtbar. Auf die anschließende Frage: „Kann ich Deinen Kopf sehen?“ antwortete die große Mehrheit mit „Ja!“.

Ähnlich verhielt es sich in einem weiteren Versuch: Eine dritte Person setzte sich vor den Augen der Kinder die dunkle Brille. Die Kinder bestätigten zwar, dass sie den Körper der Person sehen könnten, verneinten jedoch, dass sie diese Person selbst sehen könnten.

Offensichtlich meint „jemanden-sehen-zu-können“ für Kleinkinder etwas ganz anderes als für Erwachsenen. Entscheidend dabei sind die Augen:

Eine Person wird erst dann wirklich als Person wahrgenommen – und fühlt sich möglicherweise auch erst dann wahrgenommen –, wenn ihre Augen sichtbar sind.

In den darauffolgenden, zunehmend komplexeren Versuchen bestätigte sich, dass für kleine Kinder „sehen“ und „gesehen werden“ immer dann mit der Sichtbarkeit der Augen verknüpft ist, wenn es sich beim Gegenüber um eine Person – und nicht nur um einen Körper – handelt. Je jünger die Kinder in der Studie waren, desto stärker zeigte sich diese Bindung an den Blickkontakt.

Indirekt wird mit diesem Experiment bestätigt, dass Kleinkinder nicht in erster Linie durch eine Fülle äußerer Reize lernen oder sich selbst entdecken. Vielmehr geschieht Entwicklung im Kontakt mit vertrauten Bezugspersonen, von denen aus sie – im Blickkontakt mit ihnen – ihre Umwelt erforschen und „begreifen“.

von Redaktion fürKinder

überarbeitet 20.05.2026

Links zum Thema

James Russel et al., Why Do Young Children Hide by Closing Their Eyes? Self-Visibility and the Developing Concept of Self, Journal of Cognition and Development, 13:4, 550-576 (PDF kostenlos)