Stress Fremdbetreuung - Fotolia © inna-astakhovaDauerhafter Stress ist die Ursache für viele psychische Störungen und Fehlfunktionen des Gehirns. Wie genau diese Störungen entstehen ist weitgehend unbekannt. Jetzt hat eine Forschergruppe an der State University von News York die Verbindungen und Prozesse im Gehirn entdeckt, die solche Fehlfunktionen steuern und vor allem wie sich diese Schäden im menschlichen Gehirn auf Dauer festsetzen.

Stress führt zu schlechterem Gedächtnis

Eine der frühesten und folgenreichsten Stresssituationen ist die Trennung des Babies und Kleinkinds von der Mutter, etwa beim Übergang in die Krippenbetreuung, wie wir aus der jüngsten Forschung wissen. Je nachdem in welchem Alter und in welcher Form dieser Übergang gestaltet wird, entscheidet, ob das Kind dauerhafte Schäden davonträgt, etwa beim Erinnerungsvermögen, in seiner flexiblen Reaktion auf äußere Einflüsse oder im sozialen Verhalten.

Vor allem in dem Bereich an der Stirnseite des Gehirns (Präfrontaler Cortex, PFC), die für die Verarbeitung, Ordnung und die Speicherung von Sinneseindrücken und damit auch wesentlich für die Persönlichkeitsbildung verantwortlich ist, wirkt sich Stress in besonderer Weise störend und zerstörend aus. Kleinkinder also, die zu früh, zu plötzlich und zu lange von der Mutter oder der zentralen Bindungsperson getrennt werden, können auf Dauer in ihrem Gedächtnis und in ihrer Fähigkeit zu planen und zu organisieren beschädigt werden.

Die US-Forscher untersuchten vor allem den Einfluss von chronischem Stress auf das  wichtigste „Signaltransportmittel“ in diesem Teil des Gehirns, das Glutamat und seine Aufnahme über die Glutamat-Rezeptoren im Gehirn. Als „Modell“ nutzten sie junge Ratten. Es stellte sich heraus, dass lang anhaltender und wiederholter Stress, wie er bei Krippenkindern in verschiedenen Studien nachgewiesen wurde, einen erheblichen Teil der Glutamat-Rezeptoren zerstörte und damit die Funktionen des Gehirns, vor allem das Erinnerungsvermögen, blockierte.

„Da Fehlfunktionen im PFC mit vielen geistigen Störungen in Verbindung gebracht werden, ist die Entdeckung der molekularen Vorgänge, die diese Störungen hervorrufen, von außerordentlicher Bedeutung für die Beurteilung der Rolle, die der Stress bei diesen Krankheitsbildern spielt,“ so der Leiter der Forschungsgruppe, Prof. Dr. Zhen Yan.

von Redaktion fürKinder

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Studie

Zhen Yan et al., Repeated Stress Causes Cognitive Impairment by Suppressing Glutamate Receptor Expression and Function in Prefrontal Cortex, Neuron 73/5, 962ff, 08. März 2012

Quelle: Science Daily