Heimerziehung Kind - Foto chris3d © AdobeStockKinder, die ihre frühe Kindheit in Heimen verbracht haben, haben deutlich weniger „graue Substanz“ in der Gehirnrinde (Cortex), als Kinder, die in normalen Familien aufwuchsen. Diese „graue Substanz“ wird in der Hirnforschung mit Intelligenz – Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Sprache – in Verbindung gebracht und gelegentlich als „Informations-Autobahn“ bezeichnet. Wenn die Kinder später bei einer liebevollen Pflegefamilie untergebracht wurden, „erholte sich“ das Gehirn zumindest teilweise.

Kinder: im Krieg, im Heim, in Armut lebend, verlassen, traumatisiert, missbraucht – alle leiden an der Folgen

Forscher am Boston Children’s Hospital verglichen 29 Heimkinder mit 20 Kindern aus „normalen“ Verhältnissen und 25 Kindern, die ursprünglich in Heimen aufgewachsen waren, später aber in Pflegefamilien betreut wurden. Alle Kinder waren zum Zeitpunkt der Untersuchung neun bis elf Jahre alt.

Die Unterschiede zwischen den Kindern, die ständig im Heim aufgewachsen waren und den Kindern aus normalen Familien war drastisch beim Vergleich der Gehirne durch MRI (Magnetresonanztomographie). Wenn die Kinder aber frühzeitig zu guten Pflegeeltern gekommen waren, hatte sich die „graue Substanz“ im Gehirn dieser Kinder weitgehend wieder hergestellt.

Die Leiterin der Forschungsgruppe, Prof. Margaret Sheridan: „Wir finden immer mehr Hinweise darauf, dass eine ungünstige Lebenssituation in der frühen Kindheit sich negativ auf die Entwicklung des Gehirns auswirkt. Das gilt nicht nur für Kinder in Heimen, sondern auch für Kinder die verlassen, missbraucht, im Krieg traumatisiert wurden, in extremer Armut leben oder anderen Belastungen ausgesetzt waren.“

Da sich das menschliche Gehirn in den ersten Lebensmonaten bis etwa zum zweiten Lebensjahr am schnellsten entwickelt und ausdehnt, sind die Einflüsse der umgebenden Lebenswelt der Kinder in dieser Zeit besonders prägend.

von Redaktion fürKinder

Links zum Thema

Studie

Margaret A. Sheridan et al.,  Variation in neural development as a result of exposure to institutionalization early in childhood, PNAS, 23. Juli, 2012 (Volltext PDF kostenlos)

Quelle: Science Daily