Entwicklung im eigenen Rhythmus - Foto © Kerstin PukallOb ein Kind früh laufen lernt oder spät macht keinen Unterschied bei der körperlichen und intellektuellen Entwicklung im Jugendalter. Kinder, die früher zu gehen beginnen, sind später weder intelligenter noch motorisch geschickter. Eltern, die ihre Kinder mit anderen vergleichen und mit falschem Ehrgeiz die Entwicklungsschritte ihres Kindes beschleunigen und „fördern“ wollen, richten mehr Schaden als Nutzen an.

Lasst die Kinder in ihrem eigenen Entwicklungsrhythmus laufen lernen

Zu diesem Schluss kommt eine Studie von Forschern um Oskar Jenni vom Kinderspital Zürich und Valentin Rousson von der Universität Lausanne, die die Entwicklungsdaten von 222 gesund geborenen Kindern verglichen. Die Studie wurde vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt.


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Die Forscher haben die Kinder in den ersten beiden Lebensjahren siebenmal untersucht und später im Schulalter alle zwei bis drei Jahre Bewegungs- und Intelligenztests mit ihnen durchgeführt. Die Resultate zeigen, dass die Kinder im Alter zwischen etwas weniger als vier und 13 Monaten – im Durchschnitt im Alter von 6.5 Monaten – erstmals aufrecht sitzen. Zu gehen beginnen sie im Alter zwischen 8.5 und 20 Monaten, im Schnitt mit zwölf Monaten. Die Streuung ist beträchtlich.

Einen Zusammenhang zwischen dem Alter, in dem die Kinder diese motorischen Meilensteine erreichen, und den Leistungen, die die Kinder im Alter zwischen sieben und 18 Jahren in Bewegungs- und Intelligenztests erbringen, finden die Forschenden nicht. Mit anderen Worten: Kinder, die später als andere zu gehen beginnen, sind im Schulalter genau so geschickt und intelligent wie die Kinder, die schon früh auf ihren Beinen waren.

Wie auch schon bei anderen Merkmalen sollten den Kindern die Möglichkeit gelassen werden, sich in dem ihnen eigenen Rhythmus mit Verzögerungen und Beschleunigungen zu entwicklen. „Ich rate deshalb Eltern zu mehr Gelassenheit, wenn ihr Kind erst mit 16 oder 18 Monaten zu gehen beginnt“, sagt Jenni.

Erst bei extremen Verzögerungen sollte untersucht werden, ob es sich hier um eine krankhafte Störung handelt.

von Redaktion fürKinder

Links zum Thema

Studie

Oskar G. Jenni, Aziz Chaouch, Jon Caflisch, Valentin Rousson, Infant motor milestones: poor predictive value for outcome of healthy children. Acta Paediatrica , Mai 2013, 102 (4), online vorab publiziert

Quelle: Alphagalileo