Sind Kinderlose zufriedener - Foto ufotopixl10 © FotoliaIn den laufenden „Vereinbarkeit-von-Beruf-und-Familie“-Kampagnen entsteht allzu oft der Eindruck, es gehe darum, vor allem die Mütter von der Kinderbetreuung zu entlasten, um Ihnen eine Selbstverwirklichung im Vollzeit-Job zu ermöglichen. Je weniger (Zeitaufwand für`s) Kind, desto befriedigender die Arbeits- und Lebenssituation.

Danach müssten Fauen ohne Kinder und Frauen mit Kindern in Vollzeitjobs mit ihrem Leben zufriedener sein, als Mütter in den unterschiedlichsten Lebenslagen.

Stimmt nicht! sagt eine neue Studie „Elternschaft und Lebenszufriedenheit in Deutschland“:

Frauen und Männer mit Kindern sind mit ihrem Leben zufriedener als Kinderlose

Mit zwei Ausnahmen:

  • Eltern mit Kindern in „prekären“ sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen, hier vor allem Alleinerziehende, und vollzeitbeschäftigte Frauen mit Kindern

Die Studie nutzte die Daten von knapp 4.900 Frauen und Männern zwischen 25 und 37 Jahren aus der ersten Befragungswelle des neuen Beziehungs- und Familienpanels pairfam.

(Pairfam („Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics“), ein Kooperationsprojekt der TU Chemnitz, der Universität Bremen und der LMU München, wurde 2008 gestartete. Pairfam ist eine multidisziplinäre Längsschnittstudie zur Erforschung der partnerschaftlichen und familialen Lebensformen in Deutschland. Jährlich werden Befragungsdaten von über 12.000 bundesweit zufällig ausgewählten Personen der Geburtsjahrgänge 1971-73, 1981-83 und 1991-93 sowie von deren Partnern, Eltern und Kindern erhoben.)

Frühere Studien zur relativen Zufriedenheit von Frauen und Männern mit und ohne Kinder hatten überwiegend die Einschränkungen in Beruf und Freizeit, die Auswirkungen auf die Paarbeziehung und die finanziellen Opfer der Famileingründung betont. Ohne diese negativen Einflüsse auf das Wohlbefinden zu vernachlässigen, zieht der Autor der Studie, Dr. Matthias Pollmann-Schult vom Wissenschaftszenrum Berlin für Sozialforschung (WZB), gestützt auf die pairfam-Daten, dagegen eine positive Bilanz:

  • Insgesamt  besteht ein positiver Zusammenhang zwischen der Elternschaft und der Lebenszufriedenheit.
  • Diese Zufreidenheit ist erstaunlicherweise um so größer, je jünger die Kinder sind, obwohl gerade in dieser Zeit die Einschränkungen des „normalen“ Lebens am größten sind.
  • Eltern, die mit ihren Kindern in Armut leben, sind nicht zufriedener, als arme Paare ohne Kinder. Die größte Zufriedenheit vermitteln eigene Kinder in stabilen Famileinbeziehungen der mittleren Einkommensklassen. Hier ist die Zufreidenheit sogar größer als in den Familien mit hohem Einkommen. Der Grund: Bei Doppelverdienern mit hohem Einkommen in Vollzeitbeschäftigung schlägt die relative Unzufriedenheit der Frauen mit dieser Situation stärker durch, denn
  • die Vollzeit erwerbstätigen Mütter zeigen kein höheres Zufriedenheitsniveau als Frauen ohne Kinder, während nichterwerbstätige oder in Teilzeit beschäftigte Mütter deutlich zufriedener sind als kinderlose Frauen.
  • Anders als die Männer scheinen die Frauen in ihrer Lebenszufriedenheit auch dann nicht eingeschränkt zu sein, wenn die Familiengründung ungeplant erfolgte.

von Redaktion fürKinder

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