Familienalltag - Ich schaffe das - Foto iStock © MotoEdOft nehmen Eltern dem Nachwuchs Tätigkeiten ab, die die Kleinen schon sehr gut selber ausführen und dabei eine Menge lernen könnten. Häufig geht die Arbeit allein schneller von der Hand und in der täglichen Hektik kommt die Anleitung des Kindes und das gemeinsame Tun zu kurz.

„Ich schaffe das!“

Kinder wachsen daran, dass wir ihnen etwas zutrauen.

Sicherheit durch Übung

Wenn Eltern jedoch ihren Kindern kaum Gelegenheit geben, selbst etwas zu tun, rauben sie ihnen Entwicklungschancen. Zur Entfaltung ihres Selbstbildungspotentials benötigen Kinder – neben stabilen Bindungen – eine erfahrungsreiche Umgebung, die Möglichkeit, selbstständig eigene Ideen zu verwirklichen und auszuprobieren sowie die soziale Resonanz anderer Kinder und Erwachsener.

Sie müssen spüren, dass sie Ernst genommen werden und sich unserer Wertschätzung sicher sein können, damit die Basis für ein vertrauensvolles Verhältnis gegeben ist. Was gibt es Schöneres als die Anerkennung von Mama/Papa über einen selbst gedeckten Frühstückstisch?

So lässt sich beispielsweise die Feinmotorik schulen, indem Kinder selbst die Butter auf ihr Brot schmieren, Gurken schälen oder Wäscheklammern benutzen. Beim Sockenlegen werden grundsätzliche mathematische Fähigkeiten (Vergleichen, Mengen erfassen, Zählen, Mustererkennung) trainiert.

Wenn Kinder hier und da das Einräumen von Geschirr in die Küchenschränke übernehmen, müssen Sie genau überlegen, was wohin gehört – das schult das Gedächtnis. Ganz nebenbei kann Tischdecken Handlungsplanung und räumliches Vorstellungsvermögen trainieren. Und durch das selbstverständlich gegebene alltägliche Wiederholen und Üben werden Kinder sicherer in ihren Fähigkeiten.

Selbstvertrauen lernen

Familienalltag - Ich schaffe das - Foto AdobeStock © sarinaLernen findet weitestgehend durch Erfahrung und Vorbild statt.

Es braucht Begeisterung oder eine bedeutsame Notwendigkeit, um Lernen aus eigenem Antrieb zu ermöglichen. Im Familienalltag zu helfen bedeutet auch, eine sinnvolle Tätigkeit auszuführen, etwas für die Gemeinschaft zu tun.

Aber nicht nur Fertigkeiten und Kenntnisse nehmen zu, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten schafft ganz nebenbei ein starkes Selbstvertrauen.

Selbstwirksamkeit erfahren

Familienalltag - Ich schaffe das - Foto iStock © kickersSo erfahren Kinder auch die Selbstwirksamkeit. Selbstwirksamkeit ist ein Grundbedürfnis und ein Eckpfeiler für die psychische Gesundheit: Jeder Mensch benötigt den Glauben an seine Fähigkeit (Kompetenz), die eigenen Handlungen so zu planen und auszuführen, dass künftige Situationen gemeistert werden können.

Selbstwirksamkeit ist somit eine Überzeugung, das eigene Leben unter Kontrolle zu haben und positiv beeinflussen zu können.

Seinem Kind das tief verwurzelte Gefühl „Ich schaffe das!“ mit auf den Lebensweg zu geben, ist eine der größten Herausforderungen für Eltern.

von Rupert Dernick

Die im Beitrag beschriebenen Zusammenhänge rund um Selbstständigkeit, kindliche Kompetenzen und Selbstwirksamkeit bilden wichtige Grundlagen des FamilienErgo®-Ansatzes. Wissenschaftliche Arbeiten und Untersuchungen zu diesen Themen finden Sie unter anderem hier:

KiKA-Studie: Dernick, R., Lange, S., Esser, G. (2009): „Kindliche Kompetenzen im Alltag (KiKA) und gelungener Schulstart“. In: Kinderärztliche Praxis, 80 (5), S. 350–357.

Diplomarbeit „Eltern im Übergang“ zu FamilienErgo im Brückenjahr von K. Raudonat, betreut von Prof. Dr. Yvonne Ehrenspeck, Universität Oldenburg.

Wie die Idee zu FamilienErgo entstand und sich daraus nach und nach das Konzept entwickelte, erzählt Dr. Rupert Dernick persönlich in unserer Rubrik FamilienStories

Mehr über das FamilienErgo-Konzept erfahren Sie unter familienergo.de

Ein Beitrag aus unserer Praxis-Rubrik:

FamilieLeben – besser verstehen


Sind Eltern zufrieden und glücklich entwickeln sich ihre Kinder zu kleinen Persönlichkeiten mit einer großen Portion gesundem Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Doch was brauchen Familien, damit Spannungen und Konflikte gar nicht erst aufkommen und wie gestalten sie ihre Beziehung und erhalten sie aufrecht? Was wäre nötig, damit Väter selbstbewusst die Vaterrolle annehmen, die Verteilung der Familienarbeit gerecht aufgeteilt ist und die Unstimmigkeiten im Hinblick auf die Kindererziehung nicht ständig Thema sind. Kann Familie gelingen, wenn geschlechtsspezifisches Denken, Wahrnehmen und Verhalten im täglichen Miteinander berücksichtigt wird – und welche konkrete Unterstützung können Familien von der Gesellschaft erwarten, um diesen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen?