Warum Teamarbeit als Elternteil nicht immer funktioniert - AdobeStock © New Africa“Warum “funktionieren” wir besser als Team, wenn ich alleine mit den Kindern bin? Kann mir jemand erklären, was da dahintersteckt? Immer, wenn mein Mann auf Reisen ist, ist es so viel friedlicher, als wenn wir zu zweit mit den Kindern sind. Er sagt umgekehrt das gleiche …”

Diese Frage las ich kürzlich in den sozialen Medien und musste schmunzeln. Ich erinnerte mich daran, wie ich mir jeweils nach den Ferien ähnliche Fragen stellte. So schön die Ferien als Familie waren, so „einfach“ fühlte es sich oft danach an, wenn mein Mann wieder arbeitete und ich den Rest der Schulferien mit den Kindern alleine gestaltete. Nicht, dass ich froh war, wieder alleine mit den Kindern zu sein, dass es „einfach“ war, war für mich jeweils eher ein positiver Nebeneffekt.

Ich denke, es gibt mehrere mögliche Erklärungen für dieses Phänomen:

Teamwork: Gilt Mamas oder Papas Ansage?

Wenn Elternteile regelmäßig im Alltag alleine für die Kinder verantwortlich sind, spielt sich vieles einfach ein. Die Kinder wissen dann ganz genau, was bei Mama gilt und wie es mit Papa läuft.

Beispiel: Bei Mama werden Pommes und Chicken Nuggets mit Messer und Gabel gegessen, Papa hat dieses Essen als Fingerfood deklariert. Gut möglich, dass Kinder da ganz selbstverständlich mal zu Messer und Gabel greifen und mal von Hand essen. Aber was nun, wenn Mama und Papa am Tisch sitzen?

Wenn nun beide Elternteile da sind, müssen genau diese Punkte wieder diskutiert werden. Gilt jetzt das eine oder das andere? Bestimmt in diesem oder jenem Punkt Mama oder Papa? Und nicht selten müssen ja dann auch Mama und Papa ausdiskutieren, was jetzt gilt 😉 Das macht es mitunter anstrengender, wenn beide Elternteile da sind und einfacher, wenn man allein mit den Kindern unterwegs ist.

Bindungspolarität: Ich will, dass Mama mir hilft

Vorschulkindern fällt es bekanntlich noch sehr schwer, zwei oder mehr Dinge gleichzeitig zu fühlen oder im Bewusstsein zu halten. Das hat auch Auswirkungen auf die Bindung. So haben kleine (unreife) Kinder immer eine Bindung gerade aktiv, und alles andere wird mehr oder weniger stark abgelehnt.

Viele Eltern kennen das: Ist Mama hier, darf nur sie Zähne putzen und das Gute Nacht Lied singen. Ist Mama aber weg, wird selbstverständlich auch der Papa akzeptiert. Das ist nicht böse gemeint, sondern ein Ausdruck von unreifem Bindungsverhalten. Bis ca. 5 – 7 Jahre ist das völlig normal, bei sehr sensiblen Kindern auch länger. Danach entwickelt sich immer mehr die Fähigkeit, Gefühle zu mischen und damit wird es auch immer mehr möglich, zwei oder mehrere Bezugspersonen gleichzeitig aktiv zu haben. Sind Kinder aber müde, hungrig, krank, etc. wird genau das wieder schwierig …

Das erklärt also auch ein Stück weit, warum es sich so einfach anfühlt, wenn man gerade die einzig verfügbare Bindungsperson ist.

Ressourcenmanagement: Warum Kinder anders reagieren

Kinder haben in der Regel ein feines Gespür* für die zur Verfügung stehenden Ressourcen: Ist nur ein Elternteil gerade verfügbar, spüren sie, dass nicht so viele Ressourcen zu Verfügung stehen und sind deshalb oft kooperativer, selbständiger, etc. Stehen doppelt so viel Energie, Nerven und Liebe zur Verfügung, lädt das eher ein, Gefühlen freien Lauf zu lassen und sich versorgen zu lassen. Im Grunde genommen ist beides sehr gut, alles halt zu seiner Zeit.

*Wichtige Anmerkung: Sind Kinderherzen sehr gepanzert (verhärtet) haben sie temporär auf dieses feine Gespür oft keinen Zugriff. Dann kann es sein, dass genau das, was hier beschrieben ist, nicht funktioniert und es umso anstrengender sich anfühlt, auch wenn man alleine mit den Kindern ist.

Der Alpha-Tanz: Vor- und Nachteile

Last but not least zurück zum Bild mit dem Kapitän auf dem Schiff. Sind zwei Kapitäne da, braucht es viele Absprachen. Dafür hat man vielleicht auch mehr Pause, man fühlt sich sicherer, kann sich absprechen etc. Ist man alleine für das (Familien-)Schiff verantwortlich fallen die Absprachen weg und vielleicht auch die Kritik oder die Diskussionen um verschiedene Ansichten. Klar, dass sich das einfacher anfühlt, oder? Aber zu zweit hat es auch seine Vorteile … So oder so denke ich, dürfen wir einfach die Vor- und Nachteile von beidem genießen. 😉

von Angela Indermaur

Erstveröffentlichung: Ein Kapitän ist genug: Ein typisches Eltern-Dilemma, Ankerplatz, 11.02.2026

Ein Beitrag aus unserer Praxis-Rubrik:

FamilieLeben – besser verstehen


Sind Eltern zufrieden und glücklich entwickeln sich ihre Kinder zu kleinen Persönlichkeiten mit einer großen Portion gesundem Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Doch was brauchen Familien, damit Spannungen und Konflikte gar nicht erst aufkommen und wie gestalten sie ihre Beziehung und erhalten sie aufrecht? Was wäre nötig, damit Väter selbstbewusst die Vaterrolle annehmen, die Verteilung der Familienarbeit gerecht aufgeteilt ist und die Unstimmigkeiten im Hinblick auf die Kindererziehung nicht ständig Thema sind. Kann Familie gelingen, wenn geschlechtsspezifisches Denken, Wahrnehmen und Verhalten im täglichen Miteinander berücksichtigt wird – und welche konkrete Unterstützung können Familien von der Gesellschaft erwarten, um diesen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen?