Anna mag nicht hingehen - Foto iStock © Nadezhda1906Anna kam mit 18 Monaten ganztags in die Krippe. Jeden Morgen brach sie zu Hause in jämmerliches Geschrei aus, wenn die Eltern sich nur einen Meter von ihr entfernten. Sie entwickelte zunehmend Zwangsverhalten bei alltäglichen Handlungen sowie hohe Unruhe und ständigen Verweigerungen. Einmal am Tag bekam sie einen brachialen Wutanfall, schrie sich dabei in Rage und ließ sich nicht beruhigen. Sie schlief nur noch bei den Eltern ein, was jedoch meistens mehr als eine Stunde dauerte.

Das Verhalten hat sich über einen Zeitraum von einem Jahr nicht geändert, ebenso wenig wie die hohe Unruhe, die Anna mit Beginn der Krippenbetreuung entwickelte. Wenn sie in der Krippe ist, verhält sie sich ruhig.

Da beide Eltern karrierebedingt Vollzeit arbeiten und keine andere Betreuungsmöglichkeit (Großeltern) in der Nähe ist, gibt es für Anna keine Hilfe.

In diesem Fall gab es zwar keine Angaben über das Verhalten von Anna morgens beim Abgeben in der Krippe, aber das Verhalten am Morgen zu Hause zeigt eindeutig, wie stark die Trennungs- und Verlassenheitsängste für das Kind sind. Ihr sonstiges Verhalten wie hohe Unruhe und ständigen Verweigerungen spricht für eine dauerhafte Stressbelastung. Diese führt zum Zwangsverhalten, den Einschlafproblemen und den extremen Wutanfällen. Da es in dieser extrem verletzlichen Zeit der frühen Entwicklung für Anna keine Hilfe gab, sind die späteren manifesten Verhaltensstörungen kaum zu vermeiden.

Ein Beitrag aus unserer Praxis-Rubrik:

KinderLeben – besser verstehen


Wenn die frühe Krippenbetreuung für Kinder eine zu hohe Belastung ist, zeigt sich dies in unterschiedlicher Weise an Verhaltensänderungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Mit diesen Beispielen aus der Praxis von Kindertherapeuten, Erzieherinnen, Müttern, Tagesmüttern und ErziehungsberaterInnen wird dargestellt, wie überforderte Krippenkinder reagieren. Damit soll Eltern deutlich gemacht werden, in welcher Form und warum sich die Kinder im Verhalten verändern.

Dr. Erika Butzmann, Entwicklungspsychologin, erklärt nach jedem geschilderten Fall, welches Vorgehen der Eltern notwendig ist, um die Belastungen des Kindes aufzulösen oder zumindest zu reduzieren.