Konrad zittert am ganzen Körper - Foto iStock © Zanuck

Konrad, dreieinhalb Jahre, kam mit 9 Monaten zur Tagesmutter. Aktuell klammert er manchmal schreiend an der Mutter oder der Oma, wenn er gebracht wird, zittert am ganzen Körper. Er sagt dann, dass er weinen will. Nach einiger Zeit ist es gut und er spielt friedlich.

Da er unregelmäßig von verschiedenen Leuten aus der Familie abgeholt wird, ist er ständig auf dem Sprung und fragt die Tagesmutter, wer ihn abholt. Diese hohe Unruhe und der angesammelte Stress aus den ersten Jahren seines kurzen Lebens führen zu den beschriebenen Ausrastern, die mit akuten Angstattacken, verlassen zu werden, erklärt werden können. Möglicherweise ist an den Tagen, an denen Konrad so extrem reagiert vorher in der Familie etwas passiert, was ihn aus der Fassung gebracht hat. Allerdings lässt die Bindungsunsicherheit ihm keine Möglichkeit, mit besonderen Anforderungen umzugehen, so dass er dann in Panik gerät.

Bei einer zu frühen Trennung von der primären Bindungsperson wie bei Konrad wäre eine längere Auszeit – auch in diesem Alter von dreieinhalb Jahren – von der außerfamiliären Betreuung eine Grundvoraussetzung, um die immer wieder auftretenden Panikattacken zu verhindern und ihn gegen die aufkommende Angst zu stärken. Das scheint in dieser Familie jedoch nicht möglich zu sein, da alle Familienmitglieder arbeiten. Hier hilft nur die staatliche Unterstützung solcher Familien, damit wenigstens eine/r die ersten zwei bis drei Jahre bei dem Kind zu Hause bleiben kann.

Wenn Kinder keine sichere Bindung aufgrund elterlichem Fehlverhalten entwickeln können und auch die Tagesmutter als Bindungsperson abgelehnt wird, können sich derartige Verhaltensweisen je nach Temperament der Kinder in immer wieder aufflammenden Angst- und Panikattacken wie bei Konrad, sowie in langfristigem Klammerverhalten, hoher Unruhe, Wutanfällen und Verweigerungen zeigen.

Ein Beitrag aus unserer Praxis-Rubrik:

KinderLeben – besser verstehen


Wenn die frühe Krippenbetreuung für Kinder eine zu hohe Belastung ist, zeigt sich dies in unterschiedlicher Weise an Verhaltensänderungen oder Verhaltensauffälligkeiten. Mit diesen Beispielen aus der Praxis von Kindertherapeuten, Erzieherinnen, Müttern, Tagesmüttern und ErziehungsberaterInnen wird dargestellt, wie überforderte Krippenkinder reagieren. Damit soll Eltern deutlich gemacht werden, in welcher Form und warum sich die Kinder im Verhalten verändern.

Dr. Erika Butzmann, Entwicklungspsychologin, erklärt, welches Vorgehen der Eltern notwendig ist, um die Belastungen des Kindes aufzulösen oder zu reduzieren.