Walter_Sedlacek_Sulz_schadet_die_kinderkrippe_meinem_kind

Hrsg. Alfred Walter, Florian Sedlacek, Serge K. D. Sulz
Schadet die Kinderkrippe meinem Kind?
Worauf Eltern und ErzieherInnen achten und was sie tun können
CIP-Medien Verlag
ISBN 978-3-86294-063-9
368 Seiten
29,00 Euro

Dieses Buch spricht Eltern und Erzieher gleichermaßen an – und Eltern und Erzieher haben auch maßgeblich zu seiner Entstehung beigetragen, indem sie sehr  authentisch über persönliche Kinderkrippenerfahrungen berichten.

Die Berichte machen nachdenklich und hinterfragen bestehende Inhalte und Strukturen, die in diesem vorliegenden Werk von erfahrenen EntwicklungspsychologInnen, PsychotherapeutInnen und Forschern diskutiert werden.

Zudem werden aktuelle Forschungsergebnisse zur Thematik vorgestellt. Eine Beobachtungsstudie etwa erfasst detailliert die Erzieher-Kind-Interaktionen und kommt zu dem Ergebnis, dass ein Kind in der Krippe nicht mehr als 30 Minuten individuelle Zuwendung erfährt. Die zweite Studie ist eine Befragung von ErzieherInnen, die Missstände aufzeigt, die wesentlich auf dem Rücken verantwortungsbewusster ErzieherInnen ausgetragen werden und das Potential dazu haben, die Erzieher-Kind-Interaktion chronisch zu belasten.

Neben kritischen Zustandsbeschreibungen und damit assoziierten bindungstheoretischen Informationen, sucht das Buch nach Lösungen für die Missstände, die sich als Appelle an gesellschaftspolitische Gegebenheiten verstehen lassen und dazu auffordern, die frühe Förderung der Entwicklung unserer Kinder zu einer zentralen Aufgabe unserer Gesellschaft werden zu lassen. Hierfür bedarf es besserer Umstände und Entlastungen, die nicht allein den Eltern aufgebürdet werden dürfen. Denn die sitzen in der Falle und haben angesichts der Betreuungsmisere keine Wahl.

Wenn sich aber alle Beteiligten zusammenschließen und mit konkreten Forderungen Druck auf Politik und Wirtschaft ausüben, kann es vielleicht gelingen, dass –  wie Harari in seinem neuesten Buch schreibt -, die Förderung der Entwicklung unserer Kinder maßgeblichen Aufgaben unserer Gesellschaft wird. Allerdings ohne  pädagogisch wenig zielführender Versuche, intellektuelles Lernen bereits vor dem 4. Lebensjahr zu beginnen, während das kindliche Gehirn damit noch nichts anfangen kann.

Ich halte dieses Buch angesichts der darin enthaltenen Denkanstöße für unbedingt lesenswert.

von Dr. Annette Richter-Benedikt

Wider den gedankenlosen Krippen-Mainstream – Geballte Kompetenz für ein differenziertes Urteil

Um ein Kind großzuziehen, brauche es ein ganzes Dorf, lautet ein afrikanischer Spruch. Wie viele Experten in puncto Kleinkindbetreuung braucht es, um eine verirrte Familienpolitik auf den rechten Pfad zu bringen? Man kann nur hoffen, dass die 20 (!) Fachleute dieses Sammelbandes das nahezu Unmögliche schaffen. Denn es sind ja nicht die ersten und lautesten Stimmen, die sich dem Thema verschrieben haben. Aber es sind – das darf man mit Fug und Recht nach der Lektüre behaupten – wohl die gründlichsten, kompetentesten und empathischsten.

Umso dankbarer muss man sein, dass diese 20 Experten trotz der partei- und gesellschaftsübergreifend grassierenden Kita- und Krippeneuphorie auch weiterhin den Versuch wagen, sich der Fehlentwicklung entgegenzustemmen. Jeder einzelne Aufsatz lohnt das gründliche Studium. Der Band versammelt die maßgeblichen Argumente gegen eine zu frühe Fremdbetreuung in geballter Fachkompetenz, prägnant und ohne Umschweife und dazu noch auf sehr anschauliche, gut verständliche Weise.

Die aufgelockerte Gestaltung dank verschiedener Texttypen macht das Buch angenehm lesbar trotz seines starken Umfangs. Man braucht allerdings auch ein sehr gutes Nervenkostüm, um die teils arg deprimierenden Berichte auszuhalten: die direkten und plausiblen Schilderungen von betroffenen Müttern, Erzieherinnen und Kita-Leiterinnen gehen an die Nieren. Das spricht aber nicht gegen, sondern für die Lektüre.

von Brigitta vom Lehn

Die Herausgeber: Alfred Walter, Florian Sedlacek, Serge K. D. Sulz

Müssen Frauen wegen ihrem Kind auf Karriere und Einkommen verzichten?

  • Dürfen ErzieherInnen eine menschenwürdige Arbeit beanspruchen?
  • Können Arbeitgeber flexible Arbeitszeiten einrichten?
  • Schützt das Grundgesetz auch Kinder?
  • Was brauchen Kinder im ersten Lebensjahr, was im zweiten und im dritten Lebensjahr?
  • Sollten Eltern das wissen?
  • Kann Emanzipation so stattfinden, dass die Frau dafür nicht auf ihr Muttersein verzichten muss?
  • Brauchen wir analog zum Klimawandel einen Familienwandel?
  • Ist der Mensch für die Wirtschaft da oder die Wirtschaft für den Menschen?

In diesem Buch gehen 20 AutorInnen diesen Fragen nach und Verantwortliche finden Antworten und Orientierung. Und an diesem Buch muss eine Regierung sich messen lassen – ob sie nur oberflächlich Wählerstimmen einfangen und heuchlerisch von der Vereinbarkeit von Beruf und Familie reden will oder ob sie ihrer Verantwortung gerecht wird.