Baby`s lernen durch Benennen-Verstehen-Nachmachen - Foto Helene Souza © pixelioBabys und Kleinkinder lernen durch das Nachahmen vertrauter Personen, je mehr, je vertrauter die Bezugsperson. In anderen Worten: Kleinkinder lernen „emotional“. Der „Nürnberger Trichter“ funktioniert bei ihnen nicht. Soweit – so allgemein bekannt!

Benennen – Verstehen – Nachmachen

Überraschend neu aber die Erkenntns, dass die Motivation zum Nachahmen und das Verstehen viel zu tun hat mit der begleitenden Sprache, mit der Benennung von Dingen und Vorgängen.

Ein Experiment an der Northwestern University, USA, mit Kindern im Alter von 14 Monaten, also noch ganz am Anfang des Sprach-Lernens, zeigt die Bedeutung der Sprache für das Ausprobieren und Lernen schon in diesem frühen Alter.

Die Babys in diesem Experiment verfolgten aufmerksam die Handlungen eines Erwachsenen, der einen Lichtschalter mit der Stirn bediente und damit eine Lampe anknpste. Die Frage: Waren die Kinder von diesem ungewohnten Verhalten so beeindruckt, dass sie den Versuch machten, ebenfalls den Schalter mit der Stirn umzulegen?

Zunächst nicht! Erst als die Person ihre merkwürdige Tätigkeit mit Worten begleitete und für das Umlegen des Schalters ein eigenes Wort einführte: „knipps!“  („Ich mache das Licht an mit einem Knipps!“), versuchten die Kinder, es ihr nachzumachen und das Licht mit der Stirn einzuschalten. Wann immer sie ihre Bewegungen ohne Worte ausführte, blieben die Kinder unbeeindruckt. Auch ein eher allgemeiner Satz wie: „Schaut mal her!“ oder: „Seht mal, was ich da mache!“ ließ die Kinder kalt. Ohne „knipps!“ keine Nachahmung.

„Das bedeutet, dass die menschliche Sprache schon für Kleinkinder ein mächtiger Schlüssel ist: sie öffnet ihnen eine breiteren Blick auf die Absichten und die Bedeutung menschlichen Handelns im Umgang miteinander“, so Prof. Sandra R. Waxman, eine der Autorinnen der Studie.

Auch ohne Gesten lassen sich Kleinkinder durch Sprache dirigieren

Kann das Verhalten von einjährigen Kleinkindern allein durch die Sprache beeinflusst werden?
In einem Experiment am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie konnten die Forscher nachweisen, dass sich Kinder im Alter von 12  und von 16 Monaten allein durch die Sprache in ihrer Wahl zwischen zwei Spielzeugkästen bestimmen liessen.

Die Kinder wurden vor eine Holzwand gesetzt, an deren beiden Seiten je eine Kiste mit Spielzeug platziert wurde. Eine Mitarbeiterin des Teams verschwand hinter dieser Wand und sprach dann in Richtung der einen oder der anderen Kiste. In fast allen Fällen entschieden sich die Kinder für die Kiste, über die – und in deren Richtung – die Mitarbeiterin gesprochen hatte.

Die Forscher wiederholten dann das Experiment mit jungen Schimpansen – ohne Erfolg. Für die Schimpansen war der sprachliche Hinweis auf eine der Spielkisten irrelevant für ihre Entscheidung. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass schon Kleinkindern die Absicht von Erwachsenen und die Bedeutung von Gegenständen über die Sprache vermittelt werden kann.

von Redaktion fürKinder

Links zum Thema

M.L. Chen, S.R. Waxman, „Shall We Blick?“: Novel Words Highlight Actors‘ Underlying Intentions for 14-Month-Old Infants, .Developmental Psychology

F. Rossano, M. Carpenter, M. Tomasello, One-Year-Old Infants Follow Others‘ Voice Direction, Psychological Science,  November 2012,  23/11 S. 1298-1302

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Quelle: Science Daily