Was bedeutet Wohlergehen der Kinder - Foto © iStock © OJO_ImagesDass Kinder, deren Eltern in Armut leben oder einen niedrigen Bildungsstandard haben, sich nicht – im Durchschitt – in gleicher Weise entwickeln und entfalten können, wie Kinder unter „normalen“ Verhältnissen, ist in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen bestätigt und in der politischen Diskussion der letzten Jahre zu einem Kernthema erhoben worden. In der „Krippen-Diskussion“ und im Streit um die Familienförderung bekommt das Thema noch einmal eine besondere Bedeutung – auch als Instrument im Wahlkampf.

Im Rahmen der „Gesamtevaluation der ehe- und familienbezogenen Leistungen“ (s. dazu hier) durch die Bundesregierung hatte sich ein Forscherteam an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) an die schwierige Frage gewagt, welche gesellschaftliche Faktoren vor allem das „Wohlergehen“ von Kindern beeinflussen – und in welchem Ausmaß.

„Bildungsniveau der Eltern wichtiger für das ‚Wohlergehen‘ von Kindern
als die Höhe des Familieneinkommens“, RUB

Was aber ist das „Wohlergehen“ der Kinder, nach dem hier gefragt wird? Die RUB-Wissenschaftler nahmen den etablierten Katalog der Unicef mit vor allem wirtschaftlichen und sozialen Kriterien und erweiterten ihn um „weichere“ psychosoziale Faktoren wie etwa die kognitive, sprachliche und motorische Entwicklung, den Gesundheitszustand, soziale und emotionale Kompetenzen sowie das Selbstvertrauen von Kindern.

Entsprechend differenziert fallen die Antworten auf die Frage nach den Bedingungen des „Wohlergehens“ der Kinder in Deutschland aus.

Das Ergebnis stark verkürzt:
Anders als in anderen Studien wird hier die „Armut“ der Eltern nicht als wichtigster Grund für unzureichende Entwicklungschancen und damit geringeres „Wohlergehen“ der Kinder gesehen.

Begründung: Durch die frühkindliche Bildungsförderung vor allem in Krippe und Kindergarten könne der Nachteil bei den Entwicklungschancen von Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen einigermaßen wieder ausgeglichen werden. Außerdem: Eine schwierigere finanzielle Lage der Familie wirke sich halt dann nicht auf das „Wohlergehen“ der Kinder aus, wenn die Mütter täglich Zeit mit „kindbezogenen Aktivitäten“ wie Singen oder Vorlesen verbringe.

Wichtig: Zeit mit der Mutter – Unwichtig: Erwerbstätigkeit der Mutter (?)

Ob und in welchem Umfang die Mutter erwerbstätig ist, habe ebenfalls weder positive noch negative Auswirkungen auf das Wohlergehen des Kindes. (Was dabei mit der Zeit für „kindbezogenen Aktivitäten“ passiert, scheint nun doch keine Rolle zu spielen. Ein Schelm, wer sich bei dieser Argumentation etwas denkt: Die Studie entstand im Auftrag der Bundesregierung).

Auch ein „Migrationshintergrund“ hat laut RUB-Studie keinen Einfluss auf das kindliche Wohlergehen. Insgesamt wichtiger als die Einkommenssituation oder der soziale Status sei das Bildungsniveau der Eltern, so die Wissenschaftler.

Anders allerdings als das ifo-Institut in seinen Gutachten für die Bundesregierung kommt die RUB-Studie zu einer (leicht) positiven Beurteilung der Wirkungen verläßlicher staatlicher Zuwendungen für die Familie, insbesondere des Elterngelds, „auf Aspekte der kindlichen Entwicklung und auf die Väterbeteiligung an der Erziehung ….“

von Redaktion fürKinder

Links zum Thema

Studie

Axel Schölmerich, Alexandru Agache, Birgit Leyendecker, Notburga Ott,Martin Werding, „Wohlergehen von Kindern“ – erstellt im Auftrag der Geschäftsstelle „Gesamtevaluation der ehe- und familienbezogenen Leistungen in Deuschland“ – im Auftrag des Bundesminsteriums der Finanzen und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 24. April 2013