Logo Nationales Zentrum Frühe HilfenDas Bundeskabinett hat am 27. Juni 2012 die Einführung der „Bundesinitiative Netzwerke Frühe Hilfen und Familienhebammen“ beschlossen. Die Verwaltungsvereinbarung ist Bestandteil des neuen
Bundeskinderschutzgesetzes.

Prävention von Anfang an

Die Initiative „Netzwerk Frühe Hilfen“ mit dem Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (gemeinsam vom Familienminsterium, von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und vom Deutschen Jugendinstitut getragen) versucht seit einigen Jahren bereits die breit gefächerten und unverbundenen Initiativen sowohl staatlicher als auch privater Kinderhilfen zu koordinieren und in ein funktonierendes Netzwerk einzubinden.

Ziel ist ein abgestimmtes Hilfsangebot für Familien, vor allem für Familien in schwierigen Lagen. Die Angebote umfassen Gesundheits-, Sozial-, Erziehungs- und Bildungsberatung, Kinderschutz etc. Prävention also im umfassenden Sinn. Nach eigenen Aussagen soll das „Netzwerk Frühe Hilfen“ „… so früh wie möglich Eltern dabei unterstützen, ihren Kindern von Anfang an … eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen und somit Risiken für Gefährdungen soweit wie möglich zu reduzieren“.

Im Rahmen einer Tagung zur Schnittstelle zwischen Frühen Hilfen und häuslicher Gewalt im Oktober 2009 schildert Dr. Karl-Heinz Brisch, Oberarzt im Haunerschen Kinderspital am Klinikum der Universität München, in seinem Vortrag Sensible Phase der Bindungsentwicklung, „dass bereits pränatale Stresserfahrungen Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung und Gene haben. Ebenso sei eine emotionale und soziale Mangelversorgung nach der Geburt ein großer Stress für die Hirnentwicklung.“

Sensible Phase der Bindungsentwicklung

„Besonders im ersten Lebensjahr entwickle der Säugling eine spezifische, emotionale Bindung an eine Hauptbindungsperson. Eine sichere Bindung entsteht, erklärte Brisch, wenn feinfühlig auf die Bedürfnisse des Säuglings eingegangen wird. Eine solche sichere Bindung bedeutet für das Kind Schutz und ist Voraussetzung für Empathieentwicklung, Lernen und Stressbewältigung. Schließlich kann der Säugling erst durch feinfühliges Verhalten der Eltern eine eigene Stressregulierung erlernen. Die Zeugenschaft von häuslicher Gewalt, von verbalen Misshandlungen bis hin zur körperlichen Gewalt jedoch verhindert eine sichere Bindung.

Für die Mutter oder den Vater wiederum kann die Interaktion mit dem Kind die Re-Inszenierung eigener Traumata auslösen. Ein Teufelskreis, so Brisch, der sich über Generationen fortsetzen kann. Dieser Teufelskreis könne jedoch durch Hilfe von außen unterbrochen werden. Eine frühzeitige Intervention habe nicht nur Einfluss auf die Effekte der Hilfe, sondern auch eine enorme Kostenersparnis im Gesundheitssektor zur Folge. Brisch stellte zwei Beispiele für solche Hilfeangebote vor: SAFE ist ein von ihm entwickeltes Trainingsprogramm zur Förderung einer sicheren Bindung zwischen Eltern und Kind. BASE ist ein Programm zur Förderung von Sensibilität und Empathie.“ [Quelle: NZFH]

von Redaktion fürKinder

Erstveröffentlichung Juni 2021, zuletzt überarbeitet Mai 2018

Links zum Thema

Beitrag

„Stellt die frühe Kindheit Weichen?“

Beitrag

„Elternchance, Kinderchance oder nur passgenaue Erziehung?“

Dokumentationen

Frühe Hilfen bei Häuslicher Gewalt, Tagungsdokumentation des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) und des Informationszentrums Kindesmisshandlung/ Kindesvernachlässigung (IzKK) zur Schnittstelle von Frühen Hilfen und Häuslicher Gewalt, Oktober 2009

Publikation

Frühe Hilfen und Präventiver Kinderschutz – Frühzeitige Unterstützung für Familien mit Säuglingen und Kleinkindern. Empfehlungen an die Politik zur weiteren Ausgestaltung der Frühen Hilfen vom Beirat des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen, April 2018

Vorträge

Tagungsbegleiter: „Stellt die frühe Kindheit Weichen?“, Kurz-Info der meisten Vorträge inkl. Literaturweiterempfehlungen, Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie des Universitätsklinikums Heidelberg und das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH), September 2015