Geburt Die Doula an meiner Seite - Foto 1 © Stefanie Tüscher, einfach geborgen FotografieWenn einer werdenden Mutter die Stimme fehlt, die Kraft unter der Geburt schwindet, dann bin ich da und stärke ihr den Rücken. Denn was gibt es Schöneres für eine Frau, als ihr Kind sicher und gesund zu gebären und sich im Nachhinein gut zu fühlen in der Gewissheit, dass sie mit allen Entscheidungen im Reinen ist?

Jede Geburt ist einzigartig und stellt für Mutter und Kind eine große Herausforderung dar. Ein erstes Zeichen wie ein leises Ziehen kündigt die Geburt an. Ihr folgt die Eröffnungsphase mit den Wehen – die kommen und gehen – eine Zeit zur Vorbereitung für Mutter und Kind auf die eigentliche Geburt. In dieser »Zeit des Wartens« kreisen die Gedanken und die Gefühle spielen verrückt. Manch eine Frau mag nicht mehr, will schneller voran als das Kind – Bindung und Entbindung suchen ihren Weg.

Als Doula begleite und unterstütze ich Schwangere und Paare emotional und erlebe viele beglückende Momente als »Vertraute auf Zeit» während der Schwangerschaft, Geburt und dem Wochenbett. Für mich ist diese Arbeit eine Berufung wie in Vorzeiten, wo gewöhnlich die Mutter, die Schwester oder eine geburtserfahrene Frau der Gebärenden und Wöchnerin beistand.

Was es bedeutet, einer Frau in dieser langwierigen Phase Kraft zu geben, anstatt es ihr so einfach wie möglich zu machen, beschreibt meine Kollegin, Mary Kalau, so: „Wenn jemand zweifelt oder die Situation reparieren möchte, wird einer Frau die Kraft genommen. Aber falls ihr jemand sagt: “ Du bist unglaublich. Ich glaube daran, dass du das schaffst. Du machst das so toll. Du bist so stark, stärker als alle, die ich je gesehen habe.“ Wenn du diese Worte hörst, bist du es auch. Du wirst zu einer Bärin, die ihr Junges zur Welt bringt. Die Frau wird mit sich selbst eins und sie gibt ihre Kraft nicht mehr her.“

Mitzuerleben wie viel Kraft eine Frau für ihr Muttersein und wie viel Kraft auch ihr Kind durch eine natürliche Geburt gewinnt, ist einer dieser beglückenden Momente für mich.

Die erste Stunde des Lebens – ein besonderer Moment

Geburt Die Doula an meiner Seite - Foto © Annemarie Lea GeburtsfotografieViele Monate warten die Eltern darauf, ihr Baby im Arm zu halten, es zu betrachten, es zu liebkosen. Nach einer Geburt ohne Schmerzmittel ist das Baby ganz wach und bereit, seine Eltern kennen zu lernen. Die vertraute Stimme seiner Mutter und ihre Berührungen wärmen und beruhigen es. Seine Augen sind weit geöffnet, es scheint, als wolle es das Gesicht seiner Mutter auswendig lernen.

Immer wieder überrascht mich das Neugeborene, wie kraftvoll es spontan nach der Geburt die Brust seiner Mutter sucht und findet. Belohnt wird das Baby nicht nur mit Nahrung, sondern auch mit dem ausgeschütteten »Hormon der Liebe«, Oxytocin. Beim Baby bewirkt die Oxytocinausschüttung, dass es eine innere Zufriedenheit erfährt und oft beim Stillen beruhigt einschläft. Auch die Mutter schüttet dieses Hormon aus und es fördert bei ihr die Stressresistenz, Gelassenheit und die Kraft, besser mit Schlafmangel umzugehen. Es trägt maßgeblich dazu bei, dass sich  Mutter und Kind ineinander verlieben. Die Mutter erhält auf diese Weise sehr früh die Rückmeldung ihres Kindes: »Ich kann für mich sorgen, vertraue mir« und das Kind erfährt die Verlässlichkeit seiner Mutter, die ihm Kraft und Zuversicht gibt.

Eine Doula unterstützt die Selbstbestimmtheit einer Frau

Geburt Die Doula an meiner Seite - Foto 2 © Stefanie Tüscher, einfach geborgen FotografieMeine Arbeit als Doula ermöglicht es mir, ganz nah die zukünftige Familie rund um die bevorstehende Veränderung zu begleiten und nach und nach wächst ein tiefes Vertrauensverhältnis zwischen uns heran. Im Laufe der Schwangerschaft und durch die gemeinsame Vorbereitung auf die Geburt erfahre und erspüre ich die Herzenswünsche der Familie und wir besprechen mögliche verschiedene Geburtsabläufe, formulieren den bevorzugten Weg und erarbeiten einen Plan B. Am Ende kann so eine sehr intime Geburtswunschliste entstehen, welche die werdende Mutter bzw. das Paar mit der Hebamme besprechen kann. Diese Gesprächsgrundlage spiegelt die Bedürfnisse der Schwangeren und des werdenden Vaters wider und beinhaltet etwa den Ablauf der Geburt, Methoden zur Schmerzlinderung und individueller Geburtshypnose, Atem- und Massagetechniken und das erste Stillen.

Dadurch, dass eine Doula die Mutter wie auch den Vater im Geburtsprozess nach ihren Vorstellungen unterstützt, entsteht eine Atmosphäre des Wohlfühlens und gemeinsame Vorfreude auf das Kind. Bei etwaigen Komplikationen wie zum Beispiel einem Kaiserschnitt ermöglicht der Plan B, sich mental getragen zu fühlen, so dass weder Mutter noch Kind sich alleine fühlen, da vorher vereinbart wurde, wer bei der Mutter und wer beim Kind sein soll.

Trotz einer sehr guten Vorbereitung auf die Geburt und einem bedachten Geburtsplan können sich Bedürfnisse je nach aufkommender Situation wandeln. Eine Doula respektiert dies und unterstützt flexibel etwa auch den Wunsch einer Frau »einen Moment allein sein zu wollen« jederzeit.

Während der Geburt selbst ist die Hebamme oder der Arzt für die medizinische Betreuung zuständig, während eine Doula immer den Blick darauf hat, dass die Selbstbestimmtheit der Frau gewahrt bleibt. Gleichzeitig ist ihr das Wohlergehen und die Gesundheit der Frau und ihrer Familie bewusst.

Mehrere Studien haben positive Auswirkungen aufgezeigt, die im Zusammenhang mit der Begleitung einer Doula während der Geburt stehen:

  • Verkürzung der Wehenzeit
  • Schmerz- und Entspannungsmittel sowie Periduralanästhesien (PDA) wurden seltener eingesetzt
  • Weniger Komplikationen
  • Geringerer Einsatz von wehenfördernden Mitteln
  • Weniger Zangen- und Vakuumgeburten
  • Weniger Kaiserschnitte
  • Babys waren wacher und tranken besser an der Brust
  • Stärkung der Paarbeziehung

Eine breite Palette, die für eine Doula sprechen

Frauen wählen eine Doula als Geburtsbegleitung, weil sie bereits ein nicht zufriedenstellendes Geburtserlebnis hatten oder der Partner bzw. die Partnerin an ihrer Seite fehlt. Aber auch zukünftige Väter möchten Ihre Partnerin und sich selbst optimal in Sicherheit wissen und nehmen Kontakt zu einer Doula auf. Auch suchen Paare bewusst nach einer weiteren Vertrauensperson, um für die bevorstehende familiäre Veränderung bestmöglich vorbereitet zu sein. So kann eine Doula auch ganz praktisch die Familien unterstützen, wenn Familienangehörige fehlen.

Ganz persönliche Gründe sprechen für eine Doula:

  • Unsicherheit wegen vorausgegangener Geburtserfahrungen
  • Schwierige Erfahrungen /Trauma bei vorangegangener Geburt
  • Frau ist alleine oder Partner kommt nicht mit
  • Entlastung des Partners
  • Paar kommt aus anderem Kulturkreis
  • als Übersetzerin (Sprache, Kultur)
  • möchte jemand Vertrautes dabei haben
  • möchte sicher sein, dass immer jemand da ist (kontinuierliche Begleitung)
  • schwierige Lebenssituation
  • Doula war bei einer früheren Geburt bereits dabei

von Kathrin Burri

Sofern sich eine Doula einer Organisation als Mitglied angeschlossen hat, ist sie an den Ethikkodex des Verbandes gebunden. Im Bewusstsein dessen kennt sie ihren Kompetenzbereich, ihre persönlichen Grenzen und die Grenzen ihrer Tätigkeit. Eine Doula, welche den nachgenannten Verbänden angehört, begleitet explizit keine Alleingeburten. Dies sind Geburten, welche absichtlich ohne Hebamme geplant sind. Eine gute Zusammenarbeit mit Hebammen, Ärzten und dem Pflegepersonal ist ihr selbstverständlich.

Eine Doula arbeitet wertfrei und nach den Wünschen der Schwangeren. Dabei spielen die soziale Herkunft, das Geburtsland oder die Wünsche der Frau keine Rolle. Egal an welchem Geburtsort entbunden werden soll, welche Geburtsart und aus welchen Gründen auch immer diese gewählt wird: eine Doula begleitet jede Frau.

Grundsätzlich ist dies eine Privatleistung der Familie. Es lohnt sich aber, bei der Krankenkasse anzufragen, ob allenfalls ein Teil für Geburtsvorbereitung oder Hilfe im Wochenbett über die Krankenkasse gedeckt wird. Bei schwierigen finanziellen Verhältnissen empfiehlt sich frühzeitig das Gespräch mit einer unten aufgeführten Doula Organisation, um mögliche Lösungen zu besprechen.

In einem im Voraus geführten unverbindlichen Kennenlerngespräch zeigt sich für alle Beteiligten, ob die Chemie stimmt. Dies ist allen Berufskolleginnen sehr wichtig, und sollte sich keine gute persönliche Beziehung zwischen der Mutter und der bevorzugten Doula einstellen, bedarf es keinerlei Erklärung. Gern empfiehlt jede Doula eine ihrer Kolleginnen.

Entscheidet sich eine Frau zur Geburt beispielsweise ins Krankenhaus zu gehen, trifft sie dort auf eine Klinikhebamme, die gerade Schichtdienst hat d.h. Hebamme und Schwangere lernen sich dort erstmalig kennen. Einer anderen Hebammen begegnet die Mutter auf der Wochenbettstation, und im Wochenbett mag sie wieder auf „ihre“ Hebamme aus dem Geburtsvorbereitungskurs oder der Vorsorge treffen. Noch in der Klinik macht der Frauenarzt die Abschlussuntersuchung der Mutter und der Kinderarzt macht die U2 beim Neugeborenen.

An diesem Szenarium wird deutlich, wie viele Personen rund um die Geburt für Mutter und Kind da sind. Eine Doula jedoch kann die Mutter und ihre Familie kontinuierlich begleiten, da sie die Mutter 1:1 vom ersten Kennenlernen bis zum Ende des Wochenbettes betreuen kann – ganz wie sie, der Partner und die junge Familie sich dies wünscht.

Ein guter Start für die junge Familie basiert darauf, wie wir gebären und wie wir geboren werden.

Um sich geborgen und beschützt zu fühlen, ist es hilfreich, sich im Vorfeld eine Geburtsbegleiterin auszusuchen, die ganzheitlich und verlässlich da ist. Eine Doula ist für die gesamte Dauer der Geburt an der Seite der Gebärenden und ist keinem Schichtwechsel ausgesetzt. Für diese emotionale Kontinuität ist jede Gebärende dankbar.

Informieren Sie die Verantwortlichen am geplanten Geburtsort darüber, dass Sie von einer Doula begleitet werden.

Seit Menschengedenken gibt es Doulas. Das sind Frauen, die meistens (aber nicht zwingend) selbst Geburtserfahrung haben und die sich berufen fühlen, einer Frau bei der Geburt beizustehen sei es in der Klinik, im Geburtshaus oder bei Hausgeburten. Heute sind sie ausgebildet und befähigt, eine Frau während der Schwangerschaft und unter der Geburt und im Wochenbett zu begleiten. Früher waren es meist Mütter, Schwestern oder geburtserfahrene Frauen. In Europa ist der Begriff Doula seit rund 25 Jahren bekannt.

Doulas bilden eine eigene Berufsgruppe, welche sich in Deutschland (seit 2008), der Schweiz (seit 1996) und in Österreich (seit 2006) in Form von Verbänden respektive Vereinen organisiert. In diesem Rahmen werden zertifizierte Ausbildungen angeboten, damit die Dienstleistungsqualität und Professionalität gewährleistet ist. Doulas, welche diesen Verbänden angehören, handeln nach dem ethischen Kodex der jeweiligen Organisation.

Die drei größten Verbände in den deutschsprachigen Ländern sind:
www.doulas-in-deutschland.de
www.doula.ch
www.doula.at

Doulas gibt es weltweit. In Europa sind die Vereine und Verbände durch das European Doula Network miteinander vernetzt.

Interessierte Frauen können sich an verschiedenen Ausbildungsstätten zur Doula ausbilden lassen. Es lohnt sich, Gespräche zu führen, um herauszufinden, welche die passende Ausbildung ist.

Mögliche Ausbildungspunkte sind:
eigene Motivation herausfinden, Reflexion der eigenen Geburtserfahrung/en, Physiologie von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, Umgang mit Kindsverlust, Bedürfnisse der jungen Familie im Wochenbett, Stillen, Organisation und Aufbau der eigenen Tätigkeit, Postpartale Depression, Ethik & Recht, Frausein & Weiblichkeit, Rituale, Kommunikation & Wahrnehmung, Vater werden, Netzwerk, Geschichte der Doula Tätigkeit, Aufgaben und Grenzen der Doula Geburtsbegleiterin, Atem & Beckenboden, Begleitungen, Hospitationen, Austausch, Literatur bearbeiten und präsentieren und weitere. Nicht jede Ausbildung setzt eine eigene Geburt voraus und in einem Motivationsgespräch wird die Aufnahme geklärt.

Links zum Thema

Video

Breast Crawl – Auf dem Weg zur Brust, Dr. Marshall H. Klaus, Neonatologe; Phyllis Klaus, MFT, CSW, Psychotherapeutin, www.bondingandbirth.org

Video

Geburt: In Begleitung einer Doula – Aus einer Begleitung einer Familie, welche nach einem sekundären Kaiserschnitt – die Geburt begann spontan, aber im Verlaufe des Geburtsverlaufes musste ein Kaiserschnitt gemacht werden – eine natürlich Geburt anstrebte, ist dieser berührende Dokumentarfilm entstanden.