Wie Erfahrungen uns prägen 3 Kommunikationsmuster und Persönlichkeitsentwicklung - Foto iStock © petrograd99Ein vielfältiger Wortschatz ist wichtig, aber er reicht bei Weitem nicht aus, um eine wirkungsvolle Kommunikation, Rede oder Präsentation zu führen. Die Begegnung und das Erfahrungslernen mit vielen Parametern, die wir beim Kommunizieren anwenden können, berücksichtigen wir in Erziehung und Bildung relativ wenig, denn sie bleiben oft in unbewussten Mustern der frühesten Kindheit stecken.

Wir erfahren im Kindergartenalter, dass wir unsere Probleme im Gespräch lösen sollen, und in der Grundschule lernen wir, wie wir einen guten Text schreiben und ihn in einer Präsentation mit Bildern wirkungsvoll darstellen können. Wir geben ihnen den Rat, „deutlicher zu sprechen“ oder auch „lauter, leiser oder klarer“, „die Hände nicht vor den Mund zu halten“ und „mehr aus sich herauszukommen“. Nur wie das alles funktionieren soll, damit es die gewünschte, individuelle Wirkung hat, behandeln wir eher stiefmütterlich.

Impulse der Bewusstmachung

In den ersten Jahren speichern wir eine Vielzahl an Verhaltensweisen, Wörtern, Tönen, Gesten und mehr, die wir von außen wahrnehmen und immer wieder mit uns selbst, unseren Gefühlen, Bedürfnissen und Zielen, abgleichen. Zunächst imitieren wir alles, was uns nützlich, erstrebenswert oder emotional berührend erscheint und entwickeln schließlich im Abgleich mit unserer eigenen Persönlichkeit unsere Wirkung nach außen.

Wir transportieren die Bedeutung eines Wortes mithilfe von für uns passenden Tönen. Wir verleihen diesem Wort einen Rhythmus und geben ihm eine bestimmte Lautstärke oder verschiedene Abstufungen derselben (Dynamik) und, je reicher unsere Kommunikationsmittel sind, weitere Ausdrucksmittel, zum Beispiel breit (largo), gebunden (legato), kurz (staccato), sehr ernst (molto grave). Wir wählen eine Tonhöhe und eine Tonfolge, die zu einem Muster werden, das in ähnlichen Situationen immer wiederkehrt. Diesen Prozess gehen wir selten bewusst an und übernehmen oft das Muster der Personen aus unserem Umfeld, das aus unserer Sicht „funktioniert“.

Stimme, Gestik und emotionale Wirkung

Wie Erfahrungen uns prägen 4 Kommunikationsmuster und Persönlichkeitsentwicklung Foto iStock © dusanpetkovicUm unsere Botschaft nun wirkungsvoller zu gestalten, wählen wir nonverbale Mittel aus einem mehr oder weniger reichen Schatz unserer Gestik, also eine Körperhaltung bzw. wedelnde Arme, breitbeiniger Stand usw. und unserer Mimik (böser Blick, ein Lächeln, hochgezogene Augenbrauen, verzogener Mund usw.).

Im Hintergrund ist – völlig ungeplant und nur unterbewusst wahrgenommen – das Geräusch eines Müllwagens zu hören, der gerade draußen auf der Straße die Tonnen leert. Oder auch das Brummen der Mikrowelle, ein schreiendes Kind aus dem Nachbarhaus, das Aufstampfen des Menschen, der gerade mit mir spricht.

Wenn Erfahrungen zu Mustern werden

All das wird mit der sehr persönlichen Klangfarbe der Stimme des Sprechenden emotional im Gehirn des Hörenden gespeichert. Nun entstehen zusammen mit der individuellen Erfahrung Muster, die – falls sie beim Betroffenen oder unter Beobachtung Wirkung gezeigt haben – nach beliebig vielen Wiederholung zu eigenen (Sprach- und Handlungs-)Mustern werden. – Es ist kein Zufall, dass der Sohn eine ähnliche Körperhaltung, Wortwahl usw. nutzt wie seine Eltern, wenn er in gleichaltrigen Gruppen etwas erreichen will, was bei ihm selbst (durch die Eltern) gewirkt hat.

Manche dieser Muster bleiben ein Leben lang bestehen. Zum Beispiel die Klangfarbe und andere Parameter der Stimme des gleichgeschlechtlichen Elternteils. (Sie wurden sicher auch schon mit Ihrem Vater bzw. Ihrer Mutter am Telefon verwechselt?) Auch bestimmte „Tonlagen“ bleiben aus prägenden Erfahrungen bestehen. Und wir nehmen im Laufe unseres Lebens Millionen weiterer Erfahrungen und Muster in uns auf, z. B. die von Lehrern, die uns beeindruckt haben. Ein Aspekt sollte hierbei nicht unerwähnt bleiben: Aktuelle Forschungen geben dem epigenetischen Anteil mit ca. 50 % mittlerweile eine hohe Bedeutung in der Charakterbildung des Kindes. – Ich (selbst) kenne einen Mann, der mit seinem leiblichen Vater nie Kontakt hatte und lt. Beobachtungen der Mutter einiges an „Mustern“ in Bezug auf Körperhaltung, Gestik, Mimik und auch Verhalten aufweist.

Es ist also nicht nur wichtig, sondern lebensnotwendig, Kinder mit möglichst vielfältigen sprachlichen, musikalischen und nonverbalen Mitteln vertraut zu machen, damit sie die emotionalen Wirkungen und Auswirkungen von Erfahrungen verstehen können.

Und da auch Erwachsene bereits aus ihren eigenen Kindheit heraus oft schon auf (scheinbar) bewährte Muster zurückgreifen, ist dieser Prozess auch für die Erweiterung des eigenen Verständnisses nützlich und bringt im wahrsten Sinne des Wortes auf völlig neue Gedanken.

von Beate M. Dapper

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