Betriebe in der Pflicht - Mehr Zeit für Kinder - Foto © Günter Havlena_pixelioEltern von Kindern unter 18 Jahren hätten gern mehr Zeit für ihre Kinder (72 Prozent der Väter und 54 Prozent der Mütter) und für sich selbst (70 Prozent der Mütter und 53 Prozent der Väter). 88 Prozent der vollzeitbeschäftigten Mütter wünschen sich mehr Zeit für die Familie. Für die Chance, diese Wünsche zu realisieren, sehen 75 Prozent der Eltern nicht nur den Staat, sondern gleichermaßen die Betriebe in der Verantwortung.

Flexible Arbeitszeiten und die Anpassung der Arbeitsanforderungen an die Familien-Bedürfnisse, wie etwa Sonderurlaub für die Betreuung kranker Kinder, und eine Kinderbetreuung in unmittelbarer Nähe des Arbeitsplatze (Betriebs-Kita) sind die dringendsten Elternwünsche. Hier allerdings ist die Realität, vor allem für die Vollzeit beschäftigten Mütter, noch sehr weit entfernt von der Erfüllung dieser Wünsche.

Dies einige der Ergebnisse einer Umfrage-Studie Monitor Familienleben 2012 des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Bundesfamileinministerium, die heute in Berlin präsentiert wurde.

Diese Aussagen sind weder neu noch überraschend und aus früheren Studien wie der der Vorwerk-Studie bekannt. Die Sehnsucht nach mehr Familien-Zeit zieht sich wie ein roter Faden durch alle diese Studien.

Auf die Frage allerdings, wo man im Zweifelsfalle Abstriche machen würde, um Zeit für andere Dinge zu finden, erweist sich der Beruf/die Arbeit als unantastbarer selbst noch als die Kinder – und das auch, wenn auch weniger ausgeprägt, bei den Müttern. Hier wird die Zwickmühle überdeutlich, in der sich Eltern in ihren alltäglichen Entscheidungen befinden. Zwischen dem, was man sich wünscht und dem, wofür man sich entscheiden muss, klafft eine riesige Lücke. Die Antworten sind nur aus der aktuellen Situation der Befragten zu verstehen.

Umfragen sind beim Publikum beliebt, auch wenn ihre Aussagekraft begrenzt ist. Die Antworten der Befragten hängen ganz wesentlich davon ab, nicht nur was, sondern wie gefragt wird, mit welcher Absicht die Fragen arrangiert sind, wie die Fragen von den Befragten verstanden werden, in welcher (Lebens-)Situation der Befragte steckt im Bezug auf die Fragen etc., etc. Häufig auch äußern Menschen auf Fragen nicht ihre tatsächliche Meinung, sondern sie geben die Antwort, von der sie glauben, dass der Fragende sie gern hören möchte oder die „sich gehören“, also der gängigen Norm entsprechen oder „politisch korrekt“ sind.

Das Ergebnis ist dann korrekt beschrieben mit der alten „Volksweisheit“: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“.

Die Antworten spiegeln den wachsenden Druck auf die Familien

Dennoch liefert die Umfrage einige interessante Ergebnisse auf dem Hintergrund der aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation junger Familien in Deutschland. Unter dem Druck der zunehmend unsicheren Arbeitsverhältnisse, steigender Arbeitsanforderungen und der politisch propagierten Vollzeitbeschäftigung junger Mütter erstaunt nicht, dass 87 Prozent der Eltern von Kindern unter drei Jahren den Krippenausbau für eine „gute Sache“ halten.

Ein wenig anders gefragt aber rangiert der Wunsch nach „ausreichenden Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren“ an letzter Stelle der gewünschten politischen Maßnahmen in einem Hilfe-Katalog mit 12 verschiedenen Positionen.

Wie junge Menschen über die Fremdbetreuung von Kleinkindern unter drei Jahren tatsächlich denken, wenn sie (noch) nicht unter den oben genannten wirtschaftlichen und sozialen Zwängen antworten, zeigt das Ergebnis des Jugend-Monitors aus dem österreichischen Ministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend.

Ohnehin findet der inzwischen zum Standard der Familien-Politik gewordene Slogan „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ breite Zustimmung, wenn sich darunter auch die Befragten die unterschiedlichsten Dinge vorstellen.

Grafik - Kinderbetreuung - bmwfi

Deutlich aber wird die sehr unterschiedliche Belastung von Müttern und Vätern, die sich oft in sehr unterschiedlichen Wünschen und Bewertungen äußern. Als politisches Instrument wird diese Studie, wie so viele andere Auftragsarbeiten, in den nächsten Tagen sicher seine Wirkung nicht verfehlen. Die Pressemeldung des Familienministeriums zumindest setzt schon mal den Ton.

von Redaktion fürKinder

Links zum Thema

Vortrag

„Monitor Familienleben“, Institut für Demoskopie Allensbach

Beitrag

„Mehr Arbeitszufriedenheit gleich glücklichere Familien?“

Beitrag

„Mütter als Stille Reserve“