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Betreuung Module2020-05-20T10:06:59+02:00

Betreuung – außer Haus

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Bindungsentwicklung und außerhäusliche Betreuung –
wie passt das zusammen?

Kinder brauchen, so der Stand der Wissenschaft – vor allem in ihrer ersten Lebensphase – das sichere Vertrauen in Erwachsene, von denen sie sich um ihrer selbst willen geliebt, erwünscht und willkommen fühlen. Allein auf dieser Grundlage entwickeln sich selbstbewusste, kreative und stabile Persönlichkeiten.

Wie viel Mama braucht das Kind?

Dieser Frage geht Michael Felten, Lehrer, www.eltern-lehrer-fragen.de, im Gespräch mit Wolfgang Bergmann (Kinderpsychologe und Lerntherapeut mit langjähriger klinischer Erfahrung), Lieselotte Ahnert (Entwicklungspsychologin mit dem Schwerpunkt: „Frühe Fremdbetreuung“ und Sabina Pauen (Entwicklungspsychologin) nach.

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Forschung & Wissenschaft

Es gibt viele Studien zu Vor- und Nachteilen der frühen Krippenbetreuung. Wir wollen im Folgenden auf diese Studien mit zum Teil widersprüchlichen Aussagen nicht eingehen, sondern nur die Nachteile der frühen Krippenbetreuung im Hinblick auf die frühen Entwicklungsbedürfnisse der Kinder beleuchten.

Kognitive Bildung Besonders in den ersten zwei Jahren sind Kinder mit dem Überangebot an kognitiver Bildung in den Krippen überfordert. Sie haben zu der Zeit starke biologische Antriebe, ihre Umwelt zu erkunden, wenn es ihnen gut geht. Das ungestörte Ausleben dieses Erkundungsdrangs ist die Grundlage für alle späteren kognitiven Fähigkeiten. Werden solche interessengeleiteten Aktivitäten des Kindes häufig gestört, erzeugt dies über die normale Stressbelastung des Krippenkindes hinausgehenden zusätzlichen Stress, was sich durch negatives Verhalten später äußert. Diese in den ersten zwei bis drei Jahren angesammelten Stresserfahrungen treten unter Umständen als Verhaltensauffälligkeiten wie etwa Zwangsverhalten, Einschlafprobleme, extreme Wutanfälle, Ablehnung körperlicher Nähe um den vierten Geburtstag herum zu Tage. Dann haben die Kinder eine neue Stufe des Selbsterkennens erreicht, nehmen ihre eigenen negativen Grundgefühle bewusster wahr und tragen sie nach außen.

Soziales Lernen Wenn das Kind nach der senso-motorischen Entwicklungsphase mit zwei bis zweieinhalb Jahren dieses erste Gleichgewicht in der kognitiven Entwicklung erreicht hat, benötigt es ein ganzes Jahr der weiteren aktiven Welterkundung, um diese Errungenschaften zu stabilisieren. In den ersten zwei bis drei Jahren ist also nicht das soziale Lernen das Hauptentwicklungsthema, sondern das Kind muss sich erst selbst erkennen und sich in seine Umwelt einordnen. Erst dann sind Kapazitäten frei für das soziale Lernen mit anderen.

Soziales Verhalten In der Krippe zeigen die unter Zweijährigen ein vermeintlich soziales Verhalten, das zu diesem Zeitpunkt jedoch eine ‚Überlebensstrategie‘ ist: Sie bestehen nicht auf den Dingen, sondern trösten bei Traurigkeit eines Kindes dieses mit seinem Lieblingsspielzeug. Vor dem Icherkennen reagieren die meisten Kinder impulsmäßig auf Traurigkeit und Weinen eines anderen, weil die Gefühlsansteckung das Kind stark beeinträchtigt. Es versucht dann, das negative Gefühl an der Quelle abzustellen. Insofern ist das kein bewusstes soziales Verhalten, aus dem das Kind für später lernen kann.

Die unbewusste Ichbezogenheit Als Ausgleich für die Verunsicherung, die das Kind durch die Wahrnehmung seiner eigenen Person erhält, hat es mit ungefähr zwei Jahren einen ausgeprägten eigenen Willen, der von seinem ichbezogenen Standpunkt ausgeht. Es hält sich für den Mittelpunkt der Welt und glaubt, alles zu können. Die Anforderungen von anderen werden nicht verstanden und führen vermehrt zu Wutanfällen, zumindest bei den Kindern mit einem außen orientierten Temperament. Wenn Kinder sich nach den Anforderungen anderer richten, tun sie das nicht aus Einsicht, sondern weil sie den Eltern gefallen wollen oder sich in fremden Situationen ohne die Eltern unsicher fühlen.
Die häufig gegenüber der Mutter gezeigten Wutanfälle haben auch die Funktion, die erkenntnismäßige Ablösung von der Mutter voranzutreiben. Der Vater ist weniger betroffen, denn die Ablösung geschieht von der Mutter. Ein angemessener Umgang mit den Wutanfällen fördert die Identitätsentwicklung und das soziale Verstehen.

Bindungsstörung Bei einer Fremdbetreuung im ersten Lebensjahr und bei Ganztagsbetreuung besteht neben den angesprochenen Problemen die Gefahr der Bindungsstörung, die das weitere Leben des Kindes erheblich beeinträchtigt. Die Bindungsentwicklung ist auf den liebevollen Umgang mit dem Kind und auf die weitgehende Anwesenheit besonders der Mutter in den ersten zwei Jahren angewiesen, – und zwar wegen des fehlenden Vorstellungsgedächtnisses im ersten Lebensjahr und dem wenig stabilen im zweiten Jahr. Das in dieser Zeit von vielen Kindern gezeigte Klammerverhalten ist Bindungsverhalten. Kann es langzeitig nicht befriedigt werden, entwickeln sich Bindungsstörungen.

Aktuelle Studien und weitere Infos


Stöbern Sie auch in unserer Rubrik: Antworten auf Fragen. Dort schließen wir Wissens- oder Verständnislücken zu Problemen oder bestimmte Fragen zur kindlichen Entwicklung, Erziehung, Bildung oder Gesundheit.


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Welche Folgen kann eine frühe und langzeitige
Krippen- und Fremdbetreuung für die Kinder haben?

In der Fremdbetreuung Die unter „Bindung entdecken – Entwicklung“ beschriebenen Entwicklungsmerkmale zeigen, dass eine frühe Krippenbetreuung eine ungestörte psychosoziale und kognitive Entwicklung nicht gewährleisten kann. Denn wenn Kinder zwischen dem ersten und zweiten Geburtstag in die Krippe kommen, sind sie mit der Bewältigung der erkenntnismäßigen Trennung von der Mutter beschäftigt. Gleichzeitig stabilisiert sich die sichere Bindung des Kindes an die Mutter. Das kann nicht gelingen, wenn die Mutter bei diesem Prozess nur wenig anwesend ist, denn das Kind muss diesen Prozess konkret erfahren und kann ihn nicht abstrakt im Kopf vollziehen. Das Krippenkind wird damit in seiner Ich-Entwicklung gleich zu Beginn eingeschränkt. Viele Krippenkindern sagen erst zwischen 30 und 36 Monaten Ich zu sich selbst, familienbetreute Kinder zwischen 18 und 24 Monaten.

Die während des Ablöseprozesses auftretenden Trennungs- und Verlassenheitsängste sind gerade in der Zeit zwischen 8 und 16 Monaten und 20 und 24 Monaten besonders stark und eine Ursache für die in allen Untersuchungen festgestellte Stressbelastung vieler Krippenkinder. Über die Auswirkungen dieser unzeitigen Trennungserfahrungen gibt es umfangreiche Literatur.

Überforderungen entstehen besonders bei Kindern mit einem sensiblen, eher ängstlichen Temperament, die heftig an der Mutter klammern. Sie reagieren auf die vorzeitige Trennung mit massiven Trennungs- und Verlassenheitsängste, die das Stresssystem des Kindes belasten. Die Neurobiologin Nicole Strüber beschreibt in ihrem Buch: „Die erste Bindung – Wie Eltern die Entwicklung des kindlichen Gehirns prägen“, dass Kinder, die von Natur aus sensibel und empfindsam sind, eine besondere Genvariante haben, so dass sie mit Belastungen und Widerständen nicht so gut umgehen können. Diese Kinder benötigen in den ersten Jahren mehr und länger den elterlichen Schutzraum, um sich gut zu entwickeln und sind mit einer frühen Fremdbetreuung grundsätzlich überfordert. Für Kinder mit einem außenorientierten Temperament, die eine andere Genvariante haben, ist die frühe Krippenbetreuung nicht so belastend. Davon sind ungefähr 15 % der Kinder eines Jahrgangs betroffen.

Inneres Gleichgewicht Die Entwicklungsmerkmale der Ichbezogenheit und der ‚Meins-Phase‘ der ungefähr Zweijährigen machen den Kindern zusätzlichen Stress, da sie diese in der Krippensituation kaum ausleben. Denn aufgrund des latenten Unsicherheitsgefühls besonders des ruhigeren Krippenkindes hält es sich hier, so gut es kann, zurück. Es versucht damit, sein inneres Gleichgewicht einigermaßen zu halten. Das führt zum inneren Rückzug, der die Ichbezogenheit verfestigt.

Unter Zweijährige können sich noch nicht als eigenständige Person wahrnehmen, haben folglich noch keinen festen Standpunkt, können nichts einordnen und einschätzen, haben noch kein Bewusstsein vom eigenen Willen, keine Kontrolle über Situationen und ihre Gefühle. Bei Unsicherheitsempfinden müssen sie sich am nächst greifbaren Erwachsenen orientieren, um nicht als Irrlichter durch den Raum zu schwirren.

Angepasstes Verhalten In fremden Betreuungssituationen spielt die Mehrheit der unter Zweijährigen kaum miteinander, sondern meistens allein oder sie scharen sich um eine Betreuerin. Die Experten nennen das Inselverhalten. Die Kinder lassen sich gut anleiten und gehorchen d.h. sie machen alles, was gesagt wird, essen auch gesittet, was zu Hause nicht funktioniert. Auch das ist eine Maßnahme, das innere Gleichgewicht einigermaßen stabil zu halten. Es wird von Erwachsenen positiv gesehen und als Anpassung gedeutet; diese Anpassung strengt das Kleinstkind aber übermäßig an, was zur dauerhaften Überforderung mit verstärkter Unruhe führen kann.

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Was macht die frühe Trennung mit dem Kind?

Stress in früher Kindheit Stress ist zunächst einmal etwas durchaus Alltägliches, auch im Kleinkindalter. In einem komplexen Reaktionsablauf (Stress-System, HPA) bewältigt und reguliert auch das noch in der Entwicklung begriffene Hirn des Kindes die „richtige Antwort“ auf den Stress – vorausgesetzt der Stess-Impuls ist nicht zu heftig und hält nicht zu lange an. Die Flucht zur, oder auch nur die Rückversicherung auf die Mutter oder eine andere sehr vertraute Person spielt für das Kleinkind dabei eine entscheidende Rolle.

Heftiger und dauerhafter Stress und gleichzeitig das – auch nur kurzfristige – Fehlen der vertrauten Rückzugsmöglichkeit verwandelt den „normalen“ in einen „toxischen“ (giftigen) Stress, der das Stress-System überfordert und schädigt. Die – dauerhaften – Folgen sind vielfältig: Verhaltensstörungen, Unfähigkeit die Gefühlsimpulse zu regulieren, aggressive Reaktionen auf geringfügige Herausforderungen oder im Gegenteil: „Rückzug“ in die innere Isolation, Beeinträchtigung des Gedächtnisses und der Lernfähigkeit.

Das Leid der Stillen Besonders die hoch sensiblen, eher ängstlichen Kinder, die starkes Klammerverhalten zeigen, vertragen die Fremdbetreuung vor dem 3. Geburtstag gar nicht. Es sind diejenigen, die am wenigsten protestieren. Sie haben stille Ausdrucksmöglichkeiten, die häufig nicht wahrgenommen werden. Dazu Prof. Kai von Klitzing, Kinder- und Jugendpsychiater, Präsident der World Association for Infant Health (WAIMH).: „Jedes Kleinkind besitzt einzigartige nonverbale Ausdrucksmöglichkeiten für unaussprechliches Leid.“

Diese Kinder suchen sich in der Krippe eine andere Bezugsperson, an die sie sich anklammern. Wenn das nicht gelingt, weil z.B. keine der Mutter ähnliche Erzieherin da ist oder die Erzieherinnen zu wenig Zeit haben, verhalten sich diese Kinder still und ziehen sich zurück, um nicht noch mehr Stress zu haben. Sie sind mit der Aufrechterhaltung ihres inneren Gleichgewichts beschäftigt. Wenn Kinder keine Sicherheit haben, suchen sie nur diese und brauchen ihre ganze Energie dafür. Bei solch stillen, distanzierten Kindern wurde bei Untersuchungen zur Krippenbetreuung der höchste Stresspegel festgestellt.

Erhöhte Anfälligkeiten Dauerstress schädigt das noch formbare Gehirn vor allem bei sensiblen Kindern. Ein Schaden, der im Erwachsenenalter tiefe „Narben“ in Körper (physische Gesundheit) und Seele (psychisches Gleichgewicht) hinterlässt. Häufige und anhaltende Aktivierung des Stress-Systems führt beim Kleinkind zu erhöhter Krankheitsanfälligkeit und durch Veränderungen im Neurotransmitter-System zu erhöhter Stressanfälligkeit auch im späteren Alter!

tagein-tagaus Eine frühe und langzeitige Krippen- und Fremdbetreuung ist für viele Kinder mit Dauer-Stress verbunden. Der Pegel des Stress-Hormons Cortisol bleibt, wie alle Studien dazu nachweisen, über die gesamte Dauer des Kita-/Krippen-Aufenthalts hoch oder gar sehr hoch. Verbringt ein Kleinkind hingegen den Tag in vertrauter Familienumgebung, sinkt der Cortisol-Pegel nach dem Aufwachen am Morgen über den gesamten Tag hinweg ab.

Reizüberflutung Eine weitere Stressbelastung ist die Reizüberflutung in der Gruppe. Kinder sind in den ersten zwei Jahren entwicklungsbedingt nicht in der Lage, sich mehrere Stunden auf viele Spielpartner und Aktionen einzustellen. Die senso-motorische Entwicklung benötigt ruhigen Raum, der vom Kind selbstgesteuert erkundet werden muss, damit sich alle Fähigkeiten ungestört entwickeln können. Viele Gleichaltrige über lange Zeiträume beeinträchtigen durch die ständige Überforderung die Entwicklung des Gehirns. Darüber hinaus kann die im zweiten Lebensjahr noch ungefilterte Reizoffenheit der Kinder zu einer Schwächung der Wahrnehmungskraft führen, da sie aufgrund des noch nicht voll ausgebildeten Ichbewusstseins sich gegen die Reiz-Flut nicht wehren können. In der Folge besteht die Gefahr, Konzentrationsprobleme zu entwickeln.

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Bindung entdecken - Betreuung 08

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Sehen Sie dort:

Wie Stress auf kleine Kinder wirkt

Wie die Krippe den Bindungsaufbau beeinflusst

Welche Rolle die Erzieherin in der Krippe hat

Die Risiken der frühen Fremdbetreuung

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Auswirkungen auf die Gesellschaft

Der wachsende wirtschaftliche, soziale und politische Druck auf die jungen Eltern, ihre Babys immer früher in die Fremdbetreuung zu geben, hat für viele dieser Kinder langfristig negative Folgen für Gesundheit und Sozialverhalten.

Unbehandelte seelische Störungen erhöhen das lebenslange Krankheitsrisiko. Als sicher gilt heute, dass negative Erfahrungen in der frühen Phase der Kindheit die Gefahr von psychischen Krankheiten, psychosomatischen Beschwerden oder Suchtmittelmissbrauch in späteren Lebensphasen erhöhen. Gleichzeitig hemmen sie die Ausbildung von Fähigkeiten wie Kooperation und Empathie, die in der frühen Kindheit durch gute Beziehungen angelegt werden und wachsen. Die Folgen betreffen uns alle: durch hohe soziale Kosten für die Allgemeinheit und im Extremfall mehr Gewalt, Zerfall und Krieg für künftige Gesellschaften.

Der gesellschaftliche Druck auf Eltern blendet erfolgreich alle Erkenntnisse der neueren Entwicklungspsychologie und frühkindlichen Verhaltensforschung aus und blockiert einen rationalen gesellschaftlichen Diskurs über die optimale Balance von guten Entwicklungsbedingungen für die Kleinsten und den angemessenen Voraussetzungen für die Selbstverwirklichung ihrer Eltern.

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